Blick kommt nicht zur Ruhe

Die BLICK-Gruppe im Verlagshaus Ringier kommt nicht zur Ruhe. Nachdem vor kurzem mit grossem Getöse René Lüchinger als neuer Chefredaktor installiert worden war, vermeldet das Blatt nun weitere Abgänge. Polit-Chef Jürg Auf der Maur wechselt im nächsten Jahr als Chefredaktor zum BOTEN DER URSCHWEIZ. Er ist der letzte in einer ganzen Reihe von Abgängen. Zunächst liess Ringer via NZZ AM SONNTAG verlauten, die interimistische Chefredaktorin Andrea Bleicher werde nicht im Amt bestätigt, sondern durch Lüchinger ersetzt. Der Entscheid wurde trotz einer Protestnote der Redaktion von Ringier-CEO Marc Walder wenig später offiziell. Bleicher zog daraufhin die Konsequenzen und kündigte. Und mit ihr der langjährige BLICK-Kadermann Rolf Cavalli, der zuletzt Leiter der Chefredaktorenkonferenz der BLICK-Gruppe war (mit BLICK, SONNTAGSBLICK, BLICK AM ABEND und BLICK.CH). Parallel dazu entliess das Haus den langjährigen Linksaussen-Bundeshausredaktor Henry Habegger – er hatte Streit mit Andreas Kunz, den Bleicher bei der WELTWOCHE abgeworben und als stellvertretenden Leiter des Polit-Ressorts installiert hatte. Kunz kündigte entnervt, und wie nun publik wird, konnte ihn auch Habeggers Entlassung nicht dazu motivieren, seine Kündigung zurückzuziehen.

SRF: Aufwändige Eigenproduktion zur Schweizer Geschichte

SRF: Aufwändige Eigenproduktion zur Schweizer Geschichte

Die SRG SSR IDEE SUISSE lanciert im November in allen ihren Programmen einen Themenschwerpunkt zur Geschichte und zu den Zukunftsperspektiven der Schweiz. Kernstück des Angebots seien vier Filme über ausgewählte Schweizer Persönlichkeiten, teilt die SRG heute mit.

«Die Schweizer» nennt sich das Format und portraitiert in vier Episoden Schweizer, die mit ihrem Wirken «Wendepunkte» in der Schweizer Geschichte markierten: Werner Stauffacher, Hans Waldmann und Niklaus von Flüe, Henri Dufour sowie Alfred Escher und Stefano Fascini. Dabei soll insbesondere den Mythen und Sagen der Schweizer Geschichte nachgespürt werden, erläuterte SRG-Generaldirektor De Weck in einem PR-Beitrag in eigener Sache, der in der Sendung 10VOR10 ausgestrahlt wurde.

René Lüchinger neuer BLICK-Chefredaktor?

René Lüchinger neuer BLICK-Chefredaktor?

Rene_Lüchinger_portraitWie die NZZ AM SONNTAG am 11. August berichtet, soll der Journalist René Lüchinger neuer Chefredaktor des BLICK werden. Das berichtet die Zeitung ohne genauere Angabe von Quellen. Der bislang interimistischen Chefin des Blattes, Andrea Bleicher, soll ein neuer Job innerhalb von Ringier angeboten werden.

Die Ernennung von Bleicher anfangs Februar wurde als kleine Sensation gehandelt, war sie doch die erste Frau auf diesem Posten. Sie löste damals Ralph Grosse-Bley ab, der 2009 ein zweites Mal zu Ringier gestossen war. Sein erstes Engagement endete im Nachgang der «Borer-Affäre» von 2003.  Grosse-Bley, der aus Berlin eingewechselt worden war, habe die Schweiz nie verstanden, moniert die NZZAS.

Ironie des Schicksals: Strippenzieher hinter der erneuten Personalrochade soll wiederum Frank A. Meyer sein sein: Er hatte jeweilen die wenig erfolgreichen deutschen Chefredakteure an die Dufourstrasse ins Ringier-Pressehaus gelotst und soll offenbar den politischen Diskurs mit Bleicher als zu wenig fruchtbar empfunden haben.  Dieser Terminus wird in der Branche für die Tatsache verwendet, dass eine Chefredaktor/in zu wenig nach der Pfeife des pensionierten Ringier-Souffleurs Meyer tanzt.

Lüchinger soll, so die NZZ AM SONNTAG, mehr ein Mann von Meyer sein.

Christine Maier wird Sobli-Chefredaktorin

Christine Maier wird Sobli-Chefredaktorin

Q:_BildarchivPersonenMaier_Christine20070927_Maier_ChristineWie das SCHWEIZER FERNSEHEN am Dienstag berichtet, verlässt die TV-Journalistin und 10vor10-Moderatorin Christine Maier den Sender und wird Chefredaktorin des SONNTAGSBLICKS. Die Nachricht kommt auch für Experten überraschend. Zum einen hat Maier die Moderation von 10vor10 erst vor zwei Jahren übernommen, zum anderen verfügt sie weder über weitreichende Print- noch über die Führungserfahrung zur Leitung einer Redaktion wie der des SONNTAGSBLICKS. Maier hatte zwischen 1990 und 1995 für die Ringier-Zeitschrift SCHWEIZER ILLUSTRIERTE gearbeitet. 2001 kam sie als Moderatorin des CLUBS (früher: ZIISCHTIGSCLUB) zum SCHWEIZER FERNSEHEN zurück, ab 2006 leitete sie die Sendung.

Der SONNTAGSBLICK war zuletzt von Rolf Cavalli interimistisch geleitet worden; Cavalli hatte das Blatt im letzten November nach der Trennung vom deutschen Journalisten und Chefredaktor Carsten Witzmann übernommen.  Der Ringier-Verlag schreibt in einer Mitteilung vom Dienstag, man habe mit Maier eine «der arriviertesten und vielseitigsten Journalistinnen» gewinnen können.

Christine Maier ist 48 Jahre alt und zuletzt durch die Boulevardpresse gegangen, weil ihr eine Beziehung mit dem Unternehmer Philippe Geydoul nachgesagt wird. Laut einem Bericht im TAGES-ANZEIGER soll sie mit der Entscheidung lange gerungen haben. Der Abschied vom TV falle ihr schwer, sie sei aber beruflich immer wieder zu neuen Ufern aufgebrochen.

Aussenpolitik und 10vor10

Es war ein denkwürdiger Abend gestern in Brüssel: Die EU-Aussenminister im Streit über die Syrien-Frage. Keine Verlängerung der Sanktionen, die Ende Mai auslaufen, England und Frankreich, die ankünden, sie werden den Rebellen in Syrien Waffen liefern. Das kann einerseits in Syrien einige Dinge wesentlich ändern. Und andererseits zeigt es, dass die Europäische Union unfähig ist, eine gemeinsame Aussenpolitik zu definieren in so wichtigen Fragen.

Gut für Sie, wenn Sie gestern Abend das HEUTE JOURNAL im ZDF gesehen haben. Dort nämlich wurden Sie informiert, siebeneinhalb Minuten insgesamt (einverstanden, die Minutage alleine sagt noch nichts über die Qualität), mit einer Live-Schalte zu Korrespondent Udo van Kampen, der deutliche Worte findet und das liefert, was man als geneigter Zuschauer von einem Nachrichtenmagazin erwartet: Einordnung, Orientierung, so, dass man als Zuschauer verstehen kann, was ist. Danach dann noch ein hervorragendes Nachrichtenstück, das zeigt, wie der Syrien-Krieg dabei ist, zum Flächenbrand im mittleren Osten zu werden: Libanon, der Irak, die Türkei: überall steigt die Temperatur gefährlich an.

Zur gleichen Sendezeit auf 10VOR10: Zwei Sätze von Moderatorin Daniela Lager: Zuerst: Es sei die Stunde der Wahrheit, hätten die Rebellen gegenüber den EU-Aussenministern verlauten lassen, und erneut Waffen für den Krieg gefordet.  Dann: Die Debatte darüber habe heute nach stundenlangen Debatten ergebnislos geendet. Und damit Übergang zu einer Reportage über hypothetische Giftgasangriffe, mit einem französischen Reporter als Kronzeugen. Und dann: Kriegskinder in Syrien. Emotional, natürlich, aber relevant? Nein.

Kein Wort aber davon, dass mit dem Nicht-Entscheid in Brüssel England und Frankreich jetzt Waffen an die Rebellen liefern werden. Kein Wort davon, dass sich mit dem Scheitern in Brüssel ein neues Kapitel auftut im Syrien-Konflikt. Keine Einordnung, keine Orientierung.

Nichts dessen, was man von einem öffentlich-rechtlichen Sender, mit Empfangsgebühren finanziert, erwarten dürfte.

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