Göttlich präsentieren Adventskalender 2019

Göttlich präsentieren Adventskalender 2019

Advent, Avdent…

Das Programm „Göttlich Präsentieren“ ist das umfassendste Trainingsprogramm für Autrittskompetenz und Präsentationstechnik auf dem Markt.

Das Programm wird von comexperts- Headcoach Patrick Senn persönlich betreut und umfasst alle Aspekte des Präsentierens: Von der Dramaturgie bis zum Umgang mit schwierigen Situationen. Es speist sich aus der jahrelangen Erfahrung von Senn, aber auch vielen anderen Medienprofis.

Zum Advent 2019 bietet die comexperts AG nun einen Adventskalender der besonderen Art: Patrick Senn öffnet jeden Tag ein Türchen an dem „Göttlich Präsentieren Adventskalender“. Das sidn 24 Tipps, Erkenntnisse, Vorschläge, Inspirationen für Ihre Präsentationen.

Sie finden die einzelnen Videos von je einer bis 4 Minuten auf allen Göttlich Präsentieren Kanälen: Facebook, Twitter, Youtube und Vimeo.

Oder schön zusammengefasst auf der Göttlich Präsentieren Homepage.

Erfahren Sie mehr!

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Die Formate

online-Kurs

Das Göttlich Präsentieren Programm gibt es zunächst als online-Kurs. Sieben Module, jede Woche erhalten Sie eines freigeschaltet. Sie arbeiten ganz nach Ihrem Rhythmus und immer dann, wenn Sie Zeit finden. Hier können Sie sofort loslegen!

Live Seminare

Viermal jährlich finden in unserem Trainingsstudio in Wallisellen Live-Workshops statt für all‘ diejenigen, die sich lieber einen Tag Auszeit gönnen und dann konzentriert zur Sache gehen. Die verschiedenen Themen sind in drei Workshops gegliedert.

HIER finden Sie alle Informationen für das Jahr 2020.

Premium Personal Coaching

Wenn Sie es wirklich wissen wollen und bereit sind, Zeit und Mühen zu investieren: mit dem Premium Coaching Paket arbeiten Sie mit Headcoach Patrick Senn persönlich. Ein halbes Jahr lang treffen Sie sich zu Coaching-Sessions, oft auch online, und zeichnen mit der GoPro Ausrüstung, die Teil dieses Programms ist, Ihre Auftritte auf, um Sie dann mit dem Coach zu analysieren.

Aber Achtung: Nur eine begrenzte Anzahl Teilnehmer/innen können gleichzeitig in dem Programm sein. Um die passenden Teilnehmer/innen zu finden, werden Sie zuerst zu einer halbstündigen telefonischen Beratungssession eingeladen. Anmelden dafür können Sie sich hier.

Miss Schweiz Organisation stellt sich selbst ein Bein

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Ein Abstecher in die Gefilde der Unterhaltungsindustrie

Schon wieder ist ein Vorgang der Unterhaltungsindustrie Gegenstand dieser Kolumne. Einfach deshalb, weil das Beispiel mit einer besonderen Deutlichkeit zeigt, wie Personalia NICHT kommuniziert werden sollten.

Mit Datum vom 24. Januar 2019 hat die Miss Schweiz Organisation per Medien-Mitteilung kommuniziert, dass sie „ihre“ Miss Schweiz per sofort freistellt und die bis dahin amtierende Jastina Doreen Riederer weder den Titel „Miss Schweiz“ noch den Titel „Ex-Miss Schweiz“ tragen dürfe. Ganz offensichtlich haben sich die Organisation und die Miss überworfen und werfen jetzt gegenseitig mit Schmutz.

In der Medienmitteilung stehen beispielsweise Dinge wie: „Nach mehreren Verstössen folgten Abmahnungen, welche bereits von der zurückgetretenen Geschäftsführerin sowie der aktuellen Miss Schweiz Organisation ausgesprochen wurden. Ebenso haben Partner deutliche Ermahnungen an die vertraglichen Pflichten der ehemaligen Miss Schweiz ausgesprochen, welche von ihr teilweise weiterhin ignoriert wurden. Die zuletzt mehrere Wochen andauernden Unerreichbarkeiten erschwerte die Zusammenarbeit zusätzlich und verunmöglichten es sogar der Organisation, Frau Riederer die Freistellung im persönlichen Gespräch mitzuteilen. Die möglichen Folgen und damit verbundene Aberkennung des Titels bei weiteren Vertragsverstössen wurden ihr bereits im November 2018 unmissverständlich und schriftlich mitgeteilt. Die Organisation bedauert diesen Schritt, welcher aufgrund der wiederkehrenden Vertragsverletzungen unumgänglich wurde.“

Das ist deutlich, möglicherweise sogar durchaus auch wahr. Einzig: In ein Medien-Communiqué gehört das nicht. Zunächst aus rechtlichen Gründen: Ein Arbeitgeber hat eine Schutzpflicht gegenüber dem Arbeitnehmer und die Persönlichkeitsschutzrechte zu wahren. Aber auch kommunikativ empfiehlt es sich nicht, so vorzugehen, wie das die Miss Schweiz-Organisation tut. Grund: Der David-gegen-Goliath-Effekt.

Und der besagt, dass im Zweifelsfalle die Sympathie des Publikums oft nicht dem Mächtigen und Starken gilt, sondern demjenigen, der sich nicht wehren kann oder als der schwächere Part betrachtet wird. Vorliegend also steht auf der einen Seite eine Organisation in der Form einer Aktiengesellschaft, welche anonym kommuniziert – auf der gesamten Homepage der Organisation ist kein einziger Name einer natürlichen Person zu finden. Erst ein Blick in das Handelsregister offenbart, dass dort die Geschwister Iwan und Andrea Meyer und ein Predrag Ceko als Verwaltungsräte eingetragen sind. Auf der anderen Seite eine 20-jährige Frau, die in der Vergangenheit allerdings auch bereits oft genug negative Schlagzeilen machte. Etwa, nachdem sie eine plastische Operation eingestand (welche eigentlich mit den Teilnahmebedingungen bei einer Miss Schweiz Wahl nicht zu vereinbaren ist), oder einräumen musste, dass ihr schon bewusst sein, dass die Wimpern-Verzierung ihres Autos nicht gestattet sei.

Gleichwohl schlugen sich die Kommentatoren am Tag nach der Enthüllung rasch auf die Seite der jungen Frau. Auf WATSON.CH fand die „Kommunikationsexpertin“ Sonja Buholzer, die Kommunikation sei „dilettantisch“, „gefühllos“ und käme einer medialen Hinrichtung gleich. BLICK.CH befragte Rechtsanwalt Boris Etter, der zum selben Schluss kommt und auch auf die arbeitsrechtliche Problematik aufmerksam macht. Damit aber nicht Schluss. In den Folgetagen äusserte sich die geschasste Miss ausführlich in verschiedenen Medientiteln, etwa auf BLICK.CH, wo sie wenig Schmeichelhaftes über die die Miss Schweiz Organisation erzählte wie beispielsweise, dass sie ihren Lohn auf dem Rechtsweg einklagen und ein von ihr beauftragter Anwalt einen Zahlungsbefehl gegen ihren Arbeitgeber ausstellen liess. Dazu sekundierte Jastina Doreens Mutter, in dem klassischen Boulevard-Form „Jetzt redet die Mutter von…“ im BLICK oder der SCHWEIZER ILLUSTRIERTEN. Die Verantwortlichen der Miss Schweiz Organisation wollten diese Informationen nicht kommentieren und schwiegen, womöglich auch, weil sie unterdessen auf die möglichen Konsequenzen ihres Vorgehens aufmerksam gemacht wurden.

Die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit dürfte damit gedreht haben – die Anschuldigungen der Arbeitgeberin werden vollends zum Boomerang.

Nicht alles öffentlich kommentieren

Arbeitskonflikte kommen vor, keine Frage, und es mag genügend Fälle geben, wo die Kritik des Arbeitgebers durchaus berechtigt ist. Besonders stossend wird die Angelegenheit insbesondere, wenn der Arbeitnehmer dann noch proaktiv die Medien instrumentalisiert (oder, auch nicht selten: von einer Gewerkschaft dazu missbracht wird), um seine Sicht der Dinge zu kolportieren und, in der Hoffnung, den David-gegen-Goliath-Effekt nützen zu können, öffentlich gegen seinen Arbeitgeber herzieht.

In solchen Situationen ist es entscheidend, kühlen Kopf zu bewahren und keinesfalls öffentlich schmutzige Wäsche zu waschen. Besser ist es, darauf zu verweisen, dass man schon aus rechtlichen Gründen keine Details zu Arbeitsverhältnissen öffentlich kommentiere. – Um dann anzuschliessen, dass man ganz generell aber davon ausgehen könne, dass man als Arbeitgeber niemanden kündigen oder freistellen würde, wenn es nicht klare Gründe dafür gebe. Und diese Gründe auch bewiesen werden könnten, falls es zu einem Gerichtsfall käme.

Damit ist alles gesagt. Die Interpretation können die Journalistin oder das Publikum selbst machen.

Im vorliegenden Falle kommt ein weiterer Aspekt dazu: Die Amtszeit der Miss wäre eigentlich sowieso in Kürze abgelaufen – zumindest, wenn die Miss Schweiz Organisation in der Lage wäre, rechtzeitig neue „Wahlen“ zu organisieren. Ob es unter diesen Vorzeichen geschickt war, einen Konflikt öffentlich zu machen, der beiden Seiten zu einem Reputationsschaden gereicht, ist mehr als nur zu beweifeln. Hier hätte die alte Grundregel, dass ein Arbeitskonflikt nicht an die Öffentlichkeit gehört, bestimmt zu einem besseren Ergebnis geführt.[/vc_column_text][vc_column_text] [/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

Bündner Spezialitäten

Bündner Spezialitäten

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Wie sich der Bündner Regierungsratskandidat Andreas Felix um Kopf und Kragen redet.

Ein Bündner Regierungsratskandidat und Funktionär des Baumeisterverbands verliert innert zwei Tagen jegliche Glaubwürdigkeit. Will aber weiterhin Regierungsrat werden. Dabei stolpert er über dieselben Fehler wie schon viele vor ihm.

Aber von vorne: Seit 2012 ermittelt die Wettbewerbskommission (Weko) zunächst gegen verschiedene Unterengadiner, später auch noch gegen weitere Bündner Bauunternehmen wegen illegaler Preisabsprachen und Marktaufteilungen. Zehn Verfahren sind es insgesamt. Auch gegen den Bündner Baumeisterverband wird in diesem Zusammenhang ermittelt, der seit 2008 von Andreas Felix geführt wird, der gleichzeitig Kantonalpräsident der BDP und Grossrat ist. Insgesamt arbeitet Felix in verschiedenen Funktionen schon seit 25 Jahren für die Bündner Baumeister.  Trotz der laufenden Ermittlungen der WeKo lässt sich Felix im Frühling 2017 von den Delegierten der BDP zum Regierungsratskandidaten aufstellen.

Ab Montag, 23. April publiziert das online-Magazin REPUBLIK.CH eine vierteilige Serie über das Unterengadiner Baukartell. Im Rahmen der Berichterstattung behauptet der Whistleblower, welcher den ganzen Fall ins Rollen gebracht hatte, dass an einigen der Vorversammlungen, an denen die Preisabsprachen getätigt worden seien, Andreas Felix persönlich teilgenommen habe. An mindestens drei solche Veranstaltungen will sich der Whistleblower erinnern, eine davon definitiv in der Zeit nach 2004, als das Kartellrecht verschärft worden war.

Felix reagiert erbost und weist die Unterstellungen als Lügengeschichten von sich. In der Sendung SCHWEIZ AKTUELL des SCHWEIZER FERNSEHEN vom Mittwoch, 25.4. sagt er wörtlich: „Es hat keine Hinweise gegeben, die uns darauf hingedeutet hätten, dass Preisabsprachen stattfinden.“ Und auf Nachfrage der Journalistin, ob er es tatsächlich nicht gewusst habe: „Das ist so. Der Baumeisterverband hat hinlänglich kommuniziert, dass wir keine Hinweise hatten, dass im Wettbewerb Preisabsprachen passieren.“   Und später im selben Beitrag: „Wir müssen von der Geschichte dann reden, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen auf der Basis von Weko-Entscheiden und nicht auf der Basis von kolportierten Verunglimpfungen, wie zum Beispiel von dieser heutigen Geschichte“ – und meint damit die Anschuldigungen im Artikel der REPUBLIK.

Nebst Felix kommt auch BDP-Regierungsrat Jon Domenic Parolini unter Druck. Er sei 2008, damals noch Gemeindepräsident von Scoul, vom späteren Whistleblower über das Kartell informiert worden. Parolini räumt diese Tatsache ein, erklärt aber auch, dass er von dem Whistleblower eine Kopie der Liste verlangt hatte, welche dieser ihm aber nicht auszuhändigen bereit war, dass er die Sache dem Gemeinderat von Scuol vorgetragen hatte, am Ende aber nichts unternahm, weil man der Ansicht war, über zuwenig Fakten oder Beweismittel zu verfügen. Die BDP Graubünden, die Partei sowohl von Parolari als auch von Felix, veröffentlicht am Mittwoch ein Medien-Communiqué, in dem sie die „unhaltbaren Vorwürfe“ gegen ihre Politiker geisselt.

Einen Tag später liegen die Fakten auf dem Tisch. Am Donnerstag publiziert die Weko ein Medien-Communiqué und einen Presserohstoff zu dem Entscheid in der Untersuchung „Unterengadin I“. Mehrere Firmen werden darin für illegale Preisabsprachen mit total 7.5 Millionen Franken Bussen und 500’000 Franken Verfahrenskosten belegt.  Und wörtlich: „Der Graubündnerische Baumeisterverband zahlt zwar keine Busse, ihm wurden aber Verfahrenskosten auferlegt, da er zum Teil an der Organisation dieser Kartelle beteiligt war.“ Und: „Diese Abreden wurden zum Teil an den vom bündnerischen Baumeisterverband organisierten Vorversammlungen getroffen.“

Mit anderen Worten: Die Weko beschuldigt den Baumeisterverband nicht explizit, von den Preisabsprachen gewusst zu haben. Nur: Die Sitzungsleiter, welche diese Vorversammlungen geführt hatten, waren teilweise vom Baumeisterverband engagiert und bezahlt worden, was vom Verband auch nicht bestritten wird. Kein Wunder, stellen die Kommentator/innen in den Medien die Frage, wie glaubwürdig die Behauptung sein könne, der Verband hätte nichts von den Absprachen gewusst (etwa im TAGES-ANZEIGER).  Dass zwei der gebüssten Firmen mit Vertretern im Vorstand des Baumeisterverbandes vertreten waren und nun in aller Eile zurücktreten, verbessert die Situation für den angeschlagenen Verband auch nicht wirklich – im Gegenteil.

Der Baumeisterverband reagiert rasch und schaltet wenige Stunden später ein Medien-Communiqué auf mit dem euphemistischen Titel: „WEKO stellt Verfahren gegen GBV ein“. In dieser Mitteilung behauptet der Graubündner Baumeisterverband: „Immerhin bestätigt selbst die aus Sicht des GBV tendenziöse Medienmitteilung der WEKO, dass der GBV und sein heutiger Geschäftsführer nicht an Vorversammlungen teilgenommen haben. Damit ist der in der Online-Plattform “Republik“ erschienene Fortsetzungsroman in diesem Punkt als reine Fake-News entlarvt.“

Nur: Diese Behauptung des Bündner Baumeisterverbandes ist frei erfunden. Die Medienmitteilung der Weko macht keinerlei Aussage dazu, ob der heutige Geschäftsführer (sprich: Andreas Felix) an einer dieser Vorversammlungen teilgenommen haben könnte oder nicht. An der gleichentags einberaumten Medienkonferenz spricht ein Medienschaffender den Präsidenten des Verbandes, Markus Derungs, auf diese Inkonsistenz an. Derungs‘ Erklärung: Wenn die Weko Erkenntnisse gehabt hätte, dass Felix an einer dieser Veranstaltungen teilgenommen hätte, dann hätte sie das ja bestimmt geschrieben. Und Felix versucht nachzudoppeln: Auch in dem Entscheid-Dispositiv der Weko (das nicht öffentlich ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt) werde nirgends ein entsprechener Vorwurf erhoben. – Mit Verlaub: Das Schweigen der Behörde in dieser Frage als eine Bestätigung für die Nicht-Teilnahme von Felix zu betrachten, ist doch eine reichlich abenteuerliche Auslegung. Zumal die Weko ja nicht gegen Personen, sondern gegen Firmen ermittelt.  Der Baumeisterverband hat mit dieser Kommunikation weder die eigene noch die Glaubwürdigkeit  von Andreas Felix gestärkt, wie es auch die Stimmung an der Medienkonferenz deutlich zum Ausdruck bringt, sondern nur noch mehr Kopfschütteln ausgelöst. Weko-Vizedirektor Frank Stüssi konterte in der Sendung SCHWEIZ AKTUELL vom 26. April 2018 deutlich genug: „Wer an diesen Sitzung teilnahm, legen wir nicht offen. Für die Aussagen von Andreas Felix muss er selbst geradestehen.“ – Mitnichten also eine Bestätigung, dass Felix die Wahrheit sagt und an keiner der Sitzung teilgenommen hatte.

Nicht am Platz ist auch der aggressive Tonfall des Bündner Baumeisterverbandes. An einem Tag, an dem die Schlagzeilen der Medien landesweit darüber berichten, dass Bündner Baumeister die Bevölkerung  durch illegale Marktabsprachen um Millionenbeträge betrogen hat, wäre vom zuständigen Branchenverband zunächst einmal Demut verlangt. Der Bünder Baumeisterverband macht das Gegenteil: Er teilt aggressiv aus, nennt die Kommunikation der Weko „tendenziös“  (was er allerdings zu keinem Zeitpunkt untermauern kann), kritisiert überhaupt die Einschätzung der Weko, beschimpft den Medientitel als Lügenpresse, der ausführlich über die illegalen Machenschaften berichtet,  und bezichtigt auch den Whistleblower, der die ganze Weko-Untersuchung ins Rollen brachte,  als Lügner. Was der Verband dabei vergisst: Die jüngsten Ereignisse sprechen für den Whistleblower: Er hat die Unterengadiner Bauunternehmer der illegalen Preisabsprachen bezichtigt, und nach sechs Jahren Untersuchung kommt die Weko zu eben diesem Befund. Der Whistleblower hat ausgesagt, Parolini informiert zu haben, und dieser bestätigt.

Mit anderen Worten: Es gibt zum heutigen Zeitpunkt keinen Anhaltspunkt, dem Informanten nicht zu glauben, während die Darstellung des Verbandes schwer nachvollziehbar bleibt. Dazu spielt das David-gegen-Goliath-Momentum: Der mächtige Baumeisterverband gegen den Kleinunternehmer, der alles verloren hat, weil er sich gegen die illegalen Machenschaften gewehrt hat. Eine Ausgangslage, in welcher sich ein aggressives Verhalten wie dasjenige des Bünder Baumeisterverbandes schlicht verbietet. Stattdessen hätten Baumeisterverband und Felix versuchen müssen, zu erklären. Etwa, dass sie selbst erschrocken seien darüber, dass Sitzungsleiter, welche der Verband selbst abgestellt hatte für die Besprechungen, dort offenbar an illegalen Preisabsprachen teilgenommen hatten, statt dass sie die Baumeister darauf aufmerksam gemacht hätten, dass sie gerade dabei waren, eine Gesetzesverletzung zu begehen. Dass der Verband intern aufarbeiten werde, warum eben diese Sitzungsleiter den Verband, in dessen Lohn sie standen, nicht informiert hatten über derlei Vorgänge. Und dass der Verband feststellen müsse, dass ganz offensichtlich keine Sensibilität bestand bei den eigenen Mitgliedern, was erlaubt war und was nicht.

Wenn ein Verband nicht die Kraft hat, sich in einem solchen Moment von denjenigen Mitgliedern zu distanzieren, die kriminell gehandelt haben, dann leistet er denjenigen, welche „sauber“ geschäften, einen Bärendienst. Weil er die Wahrnehmung schürt, dass der Verband selbst hinter diesen illegalen Praktiken steht. Oder aber die Illegalen über so viel Macht im Verband verfügen, dass sie ihn nach belieben dominieren.

Felix hat diese Chance verpasst.  In einer online-Umfrage der SÜDOSTSCHWEIZ sehen ihn mehr als 80% nicht mehr als valablen KandidatenAuch der Chef-Kommentator der Zeitung hat ihn bereits abgeschrieben. Bei einer nüchternen Lageeinschätzung müsste man wohl zum Schluss kommen, dass es besser wäre, Felix aus der Schusslinie zu nehmen, als am Ende auch noch die Wiederwahl von Parolini zu gefährden, wenn während den verbleibenden Wahlkampfwochen das für die BDP so verheerende Baukartell das bestimmende Wahlkampfthema bleibt. Offenbar ist die BDP aber (noch?) nicht so weit.

 

Die Take-aways:

  • Lassen Sie sich nicht für ein Amt im öffentlichen Dienst portieren, wenn gegen Sie eine Straf- oder andere Untersuchung läuft. Eine solche Untersuchung lässt sich schlicht nicht mit einer solchen Kandidatur vereinbaren. Wer es nicht glauben mag, sei an das abrupte Ende von ex-Armeechef Roland Nef erinnert. Kaum im Amt, hatte die SONNTAGSZEITUNG ausgebracht, dass gegen Nef eine Strafuntersuchung lief, weil er seine Ex gestalkt haben soll. Nef musste gehen, „sein“ Departementschef Samuel Schmid (BDP) gab wenig später den Rücktritt aus dem Bundesrat bekannt. Oder der Fall Zuppiger: Der Zürcher SVP-Nationalrat war als Bundesratskandidat im Gespräch. Bis auskam, dass gegen ihn ein Strafverfahren wegen Veruntreuung geführt wurde. Zuppigers Kandidatur war Makulatur, er verlor darüber hinaus alle weiteren Ämter und verstarb früh. Merke: Wer ein öffentliches Amt sucht, währenddem gegen ihn derlei Vorwürfe im Raum stehen, lässt jedes politische Fingerspitzengefühl vermissen – solches ist aber Voraussetzung für ein öffentliches Mandat.

 

  • Auch wenn Sie unter grösstem Druck sind: Lassen Sie sich nicht zu Aussagen hinreissen, die nicht der Wahrheit entsprechen. Ob Felix die Wahrheit sagt, wenn er behauptet, er habe nie an einer der Sitzungen mit den illegalen Preisabsprachen teilgenommen, ist offen: Es steht in diesem Punkt Aussage gegen Aussage. Definitiv unwahr ist aber die Behauptung seines Baumeisterverbands, die Weko habe in ihrem Medien-Communiqué bestätigt, er habe nie an einer solchen Sitzung teilgenommen. Die Redewendung sagt’s bereits: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er noch die Wahrheit spricht. Die törichte Behauptung über die WEKO-Medienmitteilung, die für jedermann als Falschaussage einfach nachzuprüfen ist, hat die letzte Glaubwürdigkeit von Felix zerstört.

 

  • Wenn Sie, Ihr Arbeitgeber oder Teile Ihrer Branche grad eines gesetzeswidrigen Verhaltens überführt wurden und damit landesweit Schlagzeilen gemacht werden: Passen Sie Ihre Tonalität an. Aggressivität ist fehl am Platze, auch wenn Sie sich ungerecht behandelt fühlen. Greifen Sie nicht an, erklären Sie. Sie sind in einem solchen Moment nun mal nicht in einer Position der Stärke.

 

  • Wenn Sie derart unter Druck geraten, dass ein Festhalten am Amt oder einer Kandidatur schlicht chancenlos geworden ist: Ziehen Sie sich zurück, solange Sie das Gesicht wahren und menschliche Grösse demonstrieren können. Das gelingt Ihnen einfacher, wenn Sie finanziell soweit vorgesorgt haben, dass sie nicht auf den nächsten Monatslohn angewiesen sind. Legen Sie deshalb zurück, wenn Sie in einer exponierten Position sind.

 

  • Wenn Sie Parteidelegierter oder Mitglied einer Findungskommission sind: Checken Sie jede Kandidatin, jeden Kandidaten auf deren Vorgeschichte hin ab.

 

  • Wenn trotz sorgfältigster Abklärungen Vorwürfe gegen einen Kandidaten erhoben werden, verfallen Sie nicht dem Fehler, sich aus purlauterer und falschverstandener Loyalität bedingungslos vor den Kandidaten zu stellen, bevor die Vorwürfe ausgeräumt sind. Schiessen Sie ihn aber auch nicht ab, bevor sie den Sachverhalt geklärt haben. Ein solches Signal wäre nach innen fatal.

 

Wie hätte Andreas Felix Grösse zeigen können? Indem er gestern vor die Medien getreten wäre mit einem Statement wie dem folgenden: „Meine Branche steht heute vor einem Scherbenhaufen und zurecht am Pranger. Ich habe in der Vergangenheit immer gesagt, dass die illegalen Praktiken, welche von der Weko heute bestätigt wurden, nicht bis zu mir vorgedrungen sind und ich nichts darüber gewusst hatte. Dazu stehe ich auch heute. Ich habe davon nicht gewusst und war nie Teil davon. Ich muss aber einsehen, dass in diesem Punkt mein Wort gegen das eines anderen steht, und ich kann den gegen mich erhobenen Vorwurf nicht anders ausräumen als mit den mündlichen Erklärungen, die ich bereits abgegeben hatte. – Den Vorwurf, wir hätten als Verband nicht genau genug hingeschaut und doch etwas bemerken müssen, muss ich akzeptieren und mich in diesem Punkt kritisch hinterfragen. –  Ich verstehe, dass alle diese Punkte viele Menschen verunsichern. Und sie sich fragen, ob ich in dieser Situation die geeignete Person bin, um in der Regierung des Kantons Graubünden Führungsverantwortung zu übernehmen. Ich habe deshalb entschieden und meine Partei darüber informiert, dass ich nicht mehr als Kandidat für die Regierungsratswahlen vom 10. Juni 2018 zur Verfügung stehe.“[/vc_column_text][vc_separator border_width=“10″][vc_column_text]

Update vom 27. April 2018, 1805 Uhr

BDP-Regierungsratskandidat Andreas Felix hat soeben an einer Medienkonferenz seiner Partei bekannt gegeben, als Parteipräsident und als Regierungsratskandidat zurückzutreten.[/vc_column_text][/vc_column][vc_column width=“1/6″][vc_column_text]

Hintergrund zum Weko-Entscheid

Der Weko-Entscheid «Engadin I» basiert auf mehreren Millionen Seiten Akten und über 120 Ermittlungsmassnahmen, d.h. Hausdurchsuchungen, rund 40 Einvernahmen, 3 Selbstanzeigen und 17 schriftlichen Ergänzungen zu Selbstanzeigen, rund 40 Auskunftsbegehren, rund 25 Amtshilfeersuchen. Die Untersuchungsergebnisse der Weko werden von betroffenen Unternehmen teilweise bestritten. Gegen den Entscheid kann beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhoben werden. Die Untersuchung „Engadin I“ ist eine von insgesamt zehn Untersuchungen, welche die Weko gegen Bündner Bauunternehmen mit dem Verdacht auf Verstösse gegen das Kartellgesetz führt. Quelle: https://www.weko.admin.ch/weko/de/home/aktuell/medieninformationen/nsb-news.msg-id-70566.html[/vc_column_text][vc_separator align=“align_left“ border_width=“10″][vc_column_text]

Die comexperts-Angebote

Die comexperts AG bietet Ihnen umfassende Unterstützung im Bereich der Krisenkommunikation. Angefangen von der Analyse über eine geeignete organisationsinterne „Aufstellung“ für den Krisenfall, das Medientraining für die Repräsentant/innen Ihrer Organisation in der Krise bis zur Beratung und Unterstützung im Ereignisfall. Hier erfahren Sie mehr.

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Selbst ist die Frau/der Mann: In 10 Webmodulen zur Krisenorganisation

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Sensibel ist anders

Sensibel ist anders

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Die Schweizer Post steht seit Wochen am Pranger – seit bekannt wurde, dass bei einer Tochter, der Postauto AG, mit Zahlen getrickst und so zu hohe Subventionen von Bund und Kantonen, möglicherweise auch noch von Gemeinden, eingetrieben wurden. Kommunikativ glänzt die Postführung dabei nicht sonderlich. Das jüngste Debakel: Ein Schreiben, mit dem sich Postauto-Partnerfirmen einer Geheimhaltungsvereinbarung unterwerfen sollen.

Zunächst: Wir sind immer vorsichtig bei Analysen von Krisenkommunikationssituationen. Zu oft sind wichtige Punkte aus dem Lagebild, welche die Kommunikationsstrategie prägen, uns als Publikum nicht bekannt – würden aber nachvollziehbar machen, warum ein bestimmter Weg eingeschlagen wurde.

Manchmal geschehen aber auch Kommunikationsfehler, die sich schlechterdings nicht erklären lassen. Das Verrückte dabei:   Es sind immer wieder die „alten Klassiker“, an denen jetzt auch die Post scheitert.

Zunächst die verunglückte Medienkonferenz von Post-CEO Susanne Ruoff am 8. Februar 2018. Die Geschäftsleiterin gibt dort an, sie habe „von den Vorwürfen des BAV“ erst im November 2017 erfahren. Und insinuiert damit, erst seit kurzem von dem Problem „in einer Ecke der Postauto AG“ gewusst zu haben. Der Blick enthüllt schon am Tag darauf, dass dem nicht so sei und bezichtigt Ruoff der Lüge. Die Post-Chefin habe schon seit 2013 um die Problematik gewusst. Ruoff versucht sich damit herauszureden, erst seit November 2017 sei von illegalen Praktiken die Rede gewesen.

Der Fehler: Ruoff hat es mit einer Schlaumeierei versucht: Sie hat wohl tatsächlich keine Lüge erzählt, denn der Satz, von den Vorwürfen des BAV habe sie erst seit 2017 gewusst, stimmt wohl so. Das BAV war ja selbst erst im Rahmen einer Revision im Herbst 2017 auf die illegalen Verbuchungen gestossen. Gleichwohl hat Ruoff verheimlicht, dass das Problem ein altes war und die Problematik schon seit 2013 auf der Traktandenliste. Mit anderen Worten: Sie hat Transparenz vermissen lassen und damit die negative Presse nachgerade heraufbeschworen. Denn: Schlaumeiereien funktionieren in der Medienwelt nicht: Es zählt nicht der Buchstabe des Gesagten, sondern der Eindruck, der vermittelt wird. Der Grundsatz im Einmaleins der Krisenkommunikation lautet darum auch: Wenn klar ist, dass ein Fakt sowieso an die Öffentlichkeit kommt, besser die Fakten gleich selbst kommunizieren, als warten, bis sie einem um die Ohren fliegen und zusätzlich auch noch der Vorwurf des Vertuschungsversuchs erhoben wird. Wie gross das Risiko ist, dass Fakten an die Öffentlichkeit gelangen, muss bei der Lagebeurteilung kritisch diskutiert werden. Wenn, wie vorliegend, die CEO von der eigenen Verantwortung abzulenken versucht und dafür zwei Manager der Postauto-Tochter opfert, liegt es mehr als nahe, dass einzelnen Medienschaffenden bald Dokumente zugespielt werden. Ich gehe gerne vom Grundsatz aus: Sobald es zwei wissen, ist es öffentlich.

Und heute der zweite Streich: Die Geheimhaltungsverpflichtung. Auch das ein Klassiker der Krisenkommunikation. Selbstverständlich will jede Organisation, gerade in der Krise, dass keine internen, und schon gar keine belastenden Dokumente nach aussen gelangen. Dass Geheimhaltungsvereinbarungen und Sprechverbote dafür der falsche Weg sind, ist allerdings hinlänglich bekannt und eigentlich Teil des kleinen Einmaleins der Krisenkommunikation. Jedes Kommunikationsverbot läuft nämlich Gefahr, von den Medien zum „Maulkorb“ hoch skandalisiert zu werden. Die Blick-Schlagzeile vom 9. März 2018 ist der klassische Beleg dafür.

Was wäre stattdessen zu tun? Zunächst: Es gibt keine Sprechverbote, aber Weisungen, anfragende Medienleute dorthin zu weisen, wo sie professionell bedient werden: an die Medienstellen. Sollte sich ein Medienschaffender an eine falsche Stelle in Ihrer Organisation verirren, ist die Antwort einfach: „Ich kann Ihnen keine Auskunft erteilen, aber die Medienstelle macht das gerne. Ich verbinde Sie!“. Und auf die Nachfrage, ob die Firmenleitung einen Maulkorb verhängt habe: „Überhaupt nicht, aber es ist weder in meiner Kompetenz noch meine Aufgabe, Auskünfte zu erteilen.“ Idealerweise wird das den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht erst vermittelt, wenn schon Feuer im Dach ist, sprich: Die Krise in vollem Gang Wir empfehlen, einmal im Jahr auf diese Thematik hin zu sensibilisieren und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den diesbezüglichen Prozess in Erinnerung zu rufen. Das kann beispielsweise auch mit Mystery-Calls geschehen.

Einen offensiveren Weg in dieser Thematik sind übrigens beispielsweise die kanadischen Streitkräfte gegangen: Sie erlauben jedem einzelnen Soldaten, mit Medienvertretern zu sprechen. Allerdings nur über die Aufgabe, die er jetzt gerade konkret ausführt und über die er auch kompetent berichten kann. Über weitergehende Fragen haben auch die Soldaten an die entsprechende Stelle, den Public Affairs Officer, zu verweisen.

Im vorliegenden Fall der Post geht es um vertrauliche Informationen zwischen der Post und Partnerfirmen. Der Zeitpunkt, genau jetzt eine solche Geheimhaltungsvereinbarung an die Partner zu senden, ist nicht nur äusserst unsensibel gewählt. Sie muss vom Empfänger auch als Misstrauensbekundung verstanden werden. Wir mutmassen, dass die Rechtsabteilung oder Corporate Governance Abteilung der Post die Urheberin des Schreibens ist. Tatsächlich fehlt es in dieser Management-Displizin immer noch oft an der nötigen Sensibilität im Umgang mit den verschiedenen Anspruchsgruppen. Eine Lösung kann sein, der Stelle eine/n Kommunikationsspezialisten/in beizustellen, um ausgehende Dokumente darauf hin zu überprüfen, wie sie wohl beim Empfänger aufgenommen werden und dann allenfalls flankierende Massnahmen zu setzen. Eine solche hätte sein können, dass die Partner beim nächsten telefonischen oder persönlichen Kontakt darauf hingewiesen werden, warum eine solche Geheimhaltungserklärung nötig ist und was sie für die beiderseitige Geschäftsbeziehung bedeutet.[/vc_column_text][/vc_column][vc_column width=“1/4″][vc_column_text]

Wie lange ist Ihr letztes Medientraining her?

Manchmal muss es ja schnell gehen: Ein Produktrückruf aufgrund eines fehlerhaften Rohstoffs. Ein Mitarbeiter in der Finanzabteilung hat getrickst – und die Medien haben von der sofortigen Freistellung Wind erhalten. Da bleibt nicht mehr viel Zeit, um sich auf die Medieninterviews vorzubereiten.

Wir empfehlen deshalb allen Kommunikationsverantwortlichen und Geschäftsleitungsmitgliedern, Ihre eigene Kompetenz in Sachen Medienrhetorik à jour zu halten. Wir bieten Ihnen den Rahmen dazu. Individuell, persönlich, vertraulich. Bei uns oder bei Ihnen. In wenigen kurzen Sessions, oder einer längeren. Und zu den Themen, die Ihnen Kopfschmerzen bereiten.

Interessiert? Lassen Sie uns eine kurze Notiz zukommen, wir melden uns umgehend bei Ihnen für ein kurzes telefonisches Briefing (10 Minuten) und senden Ihnen eine konkrete, unverbindliche Offerte. Kontakt: info (at) comexperts.ch [/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

No Billag oder no Bullshit

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Dies ist kein Plädoyer für die No-Billag-Initiative. Es ist auch keines gegen sie. Das ist ein Plädoyer für mehr Sachgerechtigkeit in einer Debatte, in der von beiden Seiten Behauptungen aufgestellt werden, die nicht haltbar sind.

Beispiel Unabhängigkeit. Die SRG-Lobbyisten werden nicht müde zu behaupten, nur das öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen sei in der Lage, unabhängigen und Qualitätsjournalismus zu betreiben. Wirklich? Die SRG erhält ihre Mittel aus zwei Quellen: Werbung und Gebührengelder. Die Höhe der Gebührengelder legt der Bundesrat fest, das Parlament setzt den Rahmen oder kann per Gesetzesbeschluss Einfluss nehmen – zum Beispiel hätte es als Gegenvorschlag zur No-Billag-Initiative die Gebührenhöhe auf 200 Franken pro Jahr festlegen können – hat es aber nicht. Mit anderen Worten: Die SRG ist sehr wohl von der Politik abhängig und insbesondere vom Bundesrat. Natürlich haben die SRG-Lobbyisten Recht, wenn sie behaupten, dass Politiker/innen gemäss Gesetz keinen Einfluss auf die Programme nehmen dürfen.

Was sie verschweigen: Sie versuchen es selbstverständlich trotzdem. Ich mag mich persönlich gut erinnern, wie mir ein ehemaliger St. Galler CVP-Ständerat drohte, ich war damals Chefredaktor bei Tele Ostschweiz, falls ich ihn nicht einladen würde, um in einer Debatte gegen Christoph Blocher als Kontrahend eingeladen zu werden. Ein Naivling, wer glaubt, dass solche Einflussversuche, wenn sie schon bei einem kleinen Regional-Fernsehen passieren, nicht auch bei der SRG vorkommen würden. – Wir hatten damals übrigens dem CVP-Ständerat dankend abgesagt und beschieden, wir würden uns nicht erpressen lassen.

Sind die SRG-Medien unabhängig von der Werbewirtschaft? Natürlich nicht. Würden beispielsweise die Sponsoren von grossen Sportereignissen aussteigen, wären diese noch viel schwieriger zu refinanzieren als heute schon.

Nehmen also diese Wirtschaftsgrössen direkt Einfluss auf das Programm, indem sie Werbegelder mit dem Verzicht auf eine kritische Berichterstattung verknüpfen? Offiziell wissen wir es nicht, denn selbstverständlich werden solche Vorgänge nicht offen kommuniziert. Heisst das, dass es sie deswegen nicht gibt? Wohl kaum.

Schlimmer aber noch als diese ganz direkten Versuche der Einflussnahme ist die „Schere im Kopf“. Mit anderen Worten: Der vorauseilende Gehorsam. Die Medienschaffenden berichten lieber nicht allzu kritisch, wenn es um Bundesratsgeschäfte gibt. Oder solche von grossen Werbekunden. Ein schönes Beispiel sind die ganzen Dating-Portale, die ganz offensichtlich fragwürdige Geschäftspraktiken haben. Wird darüber berichtet, werden die Geschäftspraktiken hinterfragt? Nein. Schliesslich geht es um grosse Werbekunden, denn kaum ein Werbeblock, in dem nicht Parship, Elitepartner, be2 oder wie sie alle heissen, ihre Spots schalten.

Ich streite regelmässig gepflegt mit Kolleg/innen, ob die unkritische Berichterstattung deshalb passiert, weil es keine Medienschaffenden mehr gibt, welche die Kompetenz und gelernt haben, was es heisst, eine kritische Distanz zu haben und kritische Fragen zu stellen. Oder ob sie einfach entsprechend sozialisiert sind auf den Redaktionen.

So oder so ist es nicht, was wir von einem unabhängigen Medienhaus erwarten dürf(t)en. Es gibt zu dieser Frage übrigens auch eine interessante wissenschaftliche Arbeit, die meine These belegt.

Falls Sie sich jetzt fragen: wie sollte man denn die Stellschrauben stellen, um die Unabhängigkeit der SRG zu stärken? Ich habe die goldene Lösung auch nicht. Das ist aber auch nicht mein Punkt. Sondern lediglich der, dass nicht behauptet werden sollte, was nicht stimmt. Die SRG ist genau so abhängig wie andere Medien. Vielleicht weniger von den Inserenten (im Vergleich zu den privaten Medienprodukten), aber dafür wesentlich mehr von der Politik.

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