Beispiel-Auftritte

Die Topshots der TV-Auftritte

 

 

In unseren Medientrainings kommt eine Frage immer wieder: Wen können wir uns als «Gute Beispiele» anschauen. Zugegeben: Als Medientrainer fällt uns das gar nicht so einfach, schliesslich sind wir darauf konditioniert, Verbesserungspotentiale auszumachen.

 

Gleichwohl: Auf dieser Seite sammeln wir Auftritte, von denen wir überzeugt sind, dass sie gut gelungen sind. Von praktisch allen Protagonisten, die wir hier zeigen, gibt es übrigens auch weitere Auftritte, die lohnenswert sind, sich anzuschauen.

14. November 2023

Geläutert und reflektiert

Ausgangslage

Karl-Theodor von und zu Guttenberg war von 2009 bis 2011 Bundesverteidigungsminister im Kabinett von Angela Merkel. Mit 37 Jahren zum Regierungsmitglied ernannt, galt zu Guttenberg als Jungtalent und Hoffnungsträger der CDU. Teure Markenanzüge und nach hinten gegeltes Jahr waren damals seine unverkennbaren Markenzeichen.

Allerdings stolperte er schon kurze Zeit später, 2011, über ein Plagiat in seiner Doktorarbeit. Der Doktor-Titel wurde ihm von der Universität Bayreuth aberkannt, zu Guttenberg musste in der Folge auch als Minister zurücktreten.

Zu Guttenberg arbeitete fortan primär im Hintergrund und war auf grossen Bühnen nur noch sehr sporadisch zu sehen. Eine Rückkehr ins Rampenlicht der Politik schloss er immer wieder aus.

Analyse

Im November 2023 war zu Guttenberg Gast bei Sanda Maischberger. In der Sendung ging es um die Deutsche Bundeswehr und die frühere Rolle zu Guttenbergs als Verteidigungsminister: Er hatte eine der ersten Sparübungen bei der Bundeswehr durchgezogen.

Zu Guttenberg zeigt sich heute als geläuterter ehemaliger Politiker, der durchaus selbstkritisch auf seine frühere Rolle und Persönlichkeit zurückblickt. Er gibt in dem Interview Persönliches preis, räumt Fehler ein und gibt Einblicke in die Hintergründe der bundesdeutschen Politik auf höchster Ebene.

Durch die Offenheit des Gesprächsgastes gewinnt nicht nur zu Guttenberg an Kontur und Empathie, die Sendung bleibt auch die ganze lange Zeit über spannend und ermöglicht viele Erkenntnisse.

 

14. Februar 2022

Der Chefarzt von nebenan

Ausgangslage

Hyperbole ist ein Youtube-Format, bei dem Zuschauerinnen und Zuschauer Fragen stellen können, die dann eingeblendet werden. Es werden keine kontroversen Dialoge geführt. Unser Fokus ist deshalb hier auch nicht, wie kritischen Fragen ausgewichen wird, sondern wie es gelingen kann, so attraktiv zu antworten, dass das Publikum nicht weiterswipt.

Prof. Dr. Peter Vajkoczy ist Chefarzt der Neurochirurgie an der Charité in Berlin – einer der grössten Neurochirurgischen Kliniken Deutschlands mit über 5000 Operationen pro Jahr. Er selbst ist jährlich an über 800 OPs persönlich beteiligt.

Analyse

Vajkoczy ist der Typ «Chefarzt von nebenan». Es gelingt ihm, in einem der komplexesten Gebiete der Chirurgie Fragen in einer Sprache zu beantworten, die auch Menschen verstehen können, die nicht vom Fach sind und keine studierten Mediziner sind.

Das gelingt ihm mit hervorragendem Storytelling, konkret: mit Geschichten über Patienen, die er retten konnte – oder auch nicht. Vajkoczy ist sich auch nicht zu schade, diejenigen Geschichten zu erzählen, die nicht glücklich ausgegangen sind. Gut ist auch, wie er es schafft, seine Geschichten kurz zu halten und nicht auszuschweifen.

Interessant ist auch, wie Vajkoczy es schafft, eine gute Balance zu finden zwischen Patientengeschichten und Geschichten aus seinem eigenen Leben. Dadurch wirkt er nie egozentrisch oder selbstbezogen, sondern sicherlich überdurchschnittlich selbstbewusst, aber auch reflektiert und kompetent.

5. März 2024

Howard Carpendale als Auslandskorrespondent

Ausgangslage

Howard Carpendale macht in diesem Auftritt bei Sandra Maischberger das Gegenteil dessen, was wir bei Jennifer Lawrence besprochen hatten. Der Musiker, der vielen als Schnulzensänger («Hello Again») in Erinnerung sein dürfte, äussert sich politisch und erzählt authentisch von seinen Erlebnissen in den USA an, die ihm – im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen 2024 – Sorgen bereiten.

Analyse

Carpendale ist ein «Storyteller», er packt seine Eindrücke in Geschichten, spricht über seine Sorgen und wird dadurch nahbar. Darüber hinaus profitiert er vom Überraschungseffekt, dass er sich als Musiker (und erst noch aus dem Schlager-Genre) politisch äussert, dann aber auch die Grösse hat, bei politischen Fragestellungen, über die er zu wenig weiss, zu passen.

19. November 2015

Jennifer Lawrence über ihre peinlichsten Momente

Ausgangslage

Natürlich: The Tonight Show mit Jimmy Fallon ist eine Unterhaltungsshow. Und Jennifer Lawrence eine Schauspielerin, wenn auch durchaus mit einer politischen Mission, wie sie in diesem Video hier beweist. Die Herausforderung bei Sendungen wie dieser ist es, die Unterhaltungserwartung des Publikums zu befriedigen. Nichts wäre schlimmmer, als wenn das Publikum niemals lachen würde. Lawrence schafft es regelmässig, dass sich das Publikum die Bäuche halten muss.

Analyse

Die Botschaft, die Jennifer Lawrence mit diesem Medienauftritt rüberbringt: Ich bin ein Schussel, wenn auch ein liebenswürdiger. Sie ist sich nicht zu schade, über viele peinliche Momente in ihrem Leben zu sprechen.

Momente, die wir alle in der einen oder anderen Form hatten. Dadurch, dass Lawrence zeigt, «ist bei mir nicht anders», präsentiert sie sich als menschlich und als «das Girl von nebenan». Das bringt ihr viele Sympathiepunkte ein, die sie für andere Aktionen, z.B. ihre politischen Vorstösse, nutzen kann.

Das Beispiel zeigt: Nicht jeder Auftritt muss eine tiefschürfende politische Botschaft beinhalten. Je nach dem eigenen Positionierungswunsch kann manchmal ein Auftritt auch einfach nur genutzt werden, um Sympathiepunkte zu sammeln.

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