Wie Apple sich seine Reputation zerstört

Wie Apple sich seine Reputation zerstört

Wie Apple grad‘ seine Reputation zerstört

Apple ist legendär für seine Werbung, insbesondere seine Videos.. Naja, sagen wir: Einige der Werbevideos. Beispielsweise den Sport 1984, ausgespielt in der Pause des Superbowls.

Der Werbespot visualisiert eine Hundertschaft von gleichgeschalteten und gleichgetakteten Menschen. So, wie der Autor George Orwell im Jahr 1949 (!) in seinem Roman «1984» die Zukunft der Menschen in einem totalitären Überwachungsstaat mit Gleichschaltung und totaler Kontrolle beschrieben hatte. Dazwischen ist eine junge Athletik mit einem Vorschlaghammer zu sehen, welche die Videoübertragung des «Herrschers» zerstört, gefolgt vom Text, dass Apple Computer am 24. Januar den Macintosh einführen und zeigen werde, warum 1984 nicht sein werde wie «1984».

Ebenso in bester Erinnerung ist die Serie von 66  Spots zwischen 2006 bis 2009, als Apple sein eigenes Universum mit einem jungen, attraktiven Mann personifizierte, und Mitbewerber PC als einen etwas fülligen, unattraktiven Spiessbürger darstellte.  Während der Windows-Mann in den Spots von den vielfältigsten Problemen erzählte, die ihm das Leben aufbürdete, konnte der Apple-Mann regelmässig kontern, wie einfach ihm das fallen würde. Meta-Botschaft: Wir sind cool, dynamisch und jung. Windows ist was für die Spiesser.

Was haben wir Apple-Jünger von damals geschmunzelt und uns gut gefühlt! – Eine solche Kampagne wäre heutzutage natürlich nicht mehr möglich: Beide Schauspieler waren weiss und Männer. Geht 2024 natürlich gar nicht!

Unterdessen scheint Apples Gespür für den feinen Humor oder die dramatische, aber intelligente Inszenierung ziemlich brachialen Gewaltphantasieren gewichen zu sein. An der jüngsten Apple-Veranstaltung stellte CEO Tim Cook einen Werbespot für das neue iPad Pro vor (Preise mit etwas Zubehör: bis zu CHF 3’296 – für ein Tablet!)

Der Spot zeigt, wie eine riesige Metall-Presse auf eine Sammlung kreativer Werkzeuge herunterfährt und alles unter sich platt macht: von der Trompete, über das Klavier, einen analogen Plattenspieler, ein Mischpult, Farbkübel, einen wunderbaren alten Spielautomaten, ein Metronom oder eine Plastilin-Büste. Fast in Zeitlupe zeigt der Sport, wie die Metallpresse Symbole der menschlichen Kulturgeschichte mit schierer Gewalt kaputt macht.

Als die Presse sich am Ende dann wieder öffnet, liegt das neue iPad unter der Presse.

Während die Schweizer Medienlandschaft mit ihren Apple-Fanboy-Journalisten über den Spot schweigt, ist international eine Kontroverse darüber entbrannt. Um nicht zu sagen: Ein Shitstorm über Apple heruntergegangen.

Schauspieler Hugh Grant schreibt beispielsweise auf Twitter: «Die Zerstörung der menschlichen Erfahrung. Das ist der Anstand von Sillicon Valley.» Auch unter Tim Cooks Twitter Timeline stapeln sich viele negative Kommentare. Sterling Crispin schreibt beispielsweise: «Symbole der menschen Kreativität und kultureller Leistungen zerstören, um damit professionellen Kunstschaffenden zu gefallen – nett. Für die nächste Apple Watch Pro solltet Ihr dann vielleicht Sportausrüstungen zerstören und zeigen, dass ein Roboter schneller rennt als ein Mensch. Und dann sagt ihr in die Kamera: «Gott ist tot und wir haben ihn getötet.» Oder Machi Hidarino: «Ihr habt alle Kreativ-Werkzeuge und menschlichen Anstrenungen zerstört. Schlimmster. Werbespot. Aller Zeiten.» Und Yuval Kordov, in Anlehnung an den erwähnten 1984-Spot: «Vor 40 Jahren hatte Apple den 1984-Werbespot veröffentlicht als starkes Statement gegen die Distopie. Heute seid ihr die Distopie.»

Apple hat unterdessen reagiert. Vize-Präsident Tor Myhren erklärte sich im US-Werbemagazin AD AGE: «Mit diesem Video hat Apple das Ziel verfehlt. Das tut uns leid.» Apple-CEO TIm Cook hat sich nicht verlauten lassen, auf seinem Twitter-Account ist der Post mit dem Werbespot auch immer noch zu sehen.

Der letzere Punkt mag sich mit einem Grundsatz der Krisenkommunikations-Strategie erklären: Behalte Dir Spielraum nach oben offen. Wir wollen nicht gleich die obersten Verantworungsträger ins Rennen schicken, sondern zusehen, ob wir das Problem auf einer tieferen Ebene abhandeln können.

Was hingegen weniger nachvollziehbar erscheint: Warum wurde der Spot überhaupt je gedreht und veröffentlicht? Gibt es im gesamten Apple-Universum niemanden, der die nachgerade schreiende Meta-Botschaft «Wir machen alles platt» sah? Beobachter mutmassen, die Zerstörungs-Orgie sei ein Werk Künstlicher Intelligenz und in Tat und Wahrheit nichts kaputtgegangen. – Aber auch stellt sich die Frage: Sind die bei Apple unterdessen nur noch so nerdy drauf, dass niemand mehr merkt, wie destruktiv die Botschaften sind, die ihre Tecchies hervorbringen? Herrscht bei Apple eine Kultur, in der kritische Stimmen sich gar nicht mehr wagen, sich zu äussern?

Das Beispiel zeigt: Gutes Krisenmanagement, eine gute Krisenkommunikation beginnt nicht erst mit dem Eintritt eines Ereignis. Sondern lange davor und insbesondere damit, dass Strukturen geschaffen werden, die kritische Äusserungen zur richtigen Zeit belohnen. Eine solche Einstellung muss vom Top-Management gepflegt werden – häufig genug werden nämlich Menschen im Unternehmen, die den Finger auf den wunden Punkt legen, zu Unrecht als «Miesmacher», «Verhinderer» oder «Destruktive» betrachtet, welche andere demotivieren.

Gute Unternehmen schaffen eine Kultur, in der kritische Stimmen willkommen sind und Kritik so eingebettet wird, dass sie die Organisation als Ganzes voranbringt, die Motivation aufrecht erhält, aber eben auch nicht blind auf die berüchtige Betonwand hin zusteuern lässt. Zugegeben, das ist manchmal eine Gratwanderung. Aber eben nötig.

Apples verunglückter Werbespot zeigt, wie schnell alles kaputt gehen kann, was über Jahrzehnte aufgebaut worden war. Das mit Inbrunst gepflegte Narrativ von «Wir sind die Guten» hat Apple auf jeden Fall nachhaltig zerstört.

Baerbocks Turnschuh-Outfit: Warum die Kritik nicht sexistisch ist

Baerbocks Turnschuh-Outfit: Warum die Kritik nicht sexistisch ist

Schluss mit Kritik-Verboten

Nein, Dresscode-Kritik ist nicht per se sexistisch.

 

Und wieder mal gehen die Wogen hoch in Deutschland. Der TikToker @news_aktuell_ironisch hat die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock für ihren Dresscode kritisiert, als sie im April im italienischen Capri ankam. Sie stieg dort mit Jogginghosen, Turnschuhen, einem langen Mantel und einer Baseball-Cap aus dem Schiff, wo sie von einem Marine-Detachement empfangen wurde.

Der Tiktoker kritisiert, man könne doch nicht in Turnschuhen aus dem Schiff steigen, wenn man mit militärischen Ehren empfangen werde.

Das führt nun zu einer Kontroverse. Die Kritik sei «sexistisch», behauptet die linke Feministin #louisadellert  in einer Entgegnung. Die Frau würde für ihr Äusseres kritisiert, was bei Männern nicht passiere.

Was ist davon zu halten?

Wir meinen: Es kommt darauf an.

Fragen wir zuerst danach, was Sexismus ist. Der Definitionen gibt es da viele. Wir legen eine einfache zugrunde: Sexistisch ist, wer einer Person alleine aufgrund des biologischen Geschlechts irgendwelche Merkmale zuweist, die mit der Geschlechtsfrage nichts zu tun haben. So wäre es zweifellos sexistisch, Baerbock die Eignung zur Aussenministerin abzusprechen, «weil sie das als Frau nicht kann.» Eine solche Aussage geht natürlich gar nicht.

Und die Äusserlichkeiten?

Die linke Influencerin Louisa Dellert kritisiert auf TikTok, dass Frauen immer noch häufig aufgrund ihres Aussehens Kompetenz abgesprochen werde – und Männer davon viel weniger betroffen seien.

Nun, wie so oft liegt der Teufel im Detail.

 

Physiognomik: Geht gar nicht

Die Physiognomik behauptet, von äusserlichen Merkmalen – beispielsweise einer hohen Stirn oder einer Hakennase – auf seelische und charakterliche Eigenschaften schliessen zu können. So wollte man beispielsweise potentielle Verbrecher bereits anhand Ihres Äusseren identifizieren. Oder anhand von Gesichtszügen bestimmen können, ob eine Person homosexuell ist.

Die Forschungsrichtung hat eine lange Geschichte, schon Aristoteles hatte sich zu solchen Fragen geäussert. Seit die Nationalsozialisten Menschen aufgrund von Schädelformen in höher und wenig hoch entwickelte Menschen einteilten, ist die Physiognomik unter seriösen Psychologen aber ein Unding und wird als Irrlehre angesehen. Auch wenn es immer wieder Versuche gibt, sie wiederzubeleben und bis heute Kurse darin abgehalten werden oder Autorinnen wie Tatjana Strobel Bücher darüber schreiben.

Wir sagen klar: einer Person aufgrund eines Gesichtszuges charakterliche oder intellektuelle Eigenschaften zuzuweisen ist nicht seriös. Und eine Person für ihre Gesichtszüge oder körperlichen Merkmale zu kritisieren, ist grundsätzlich ein No Go.

 

Die Sache mit der Körperfülle

Darf man jemanden für seine Körperfülle kritisieren? Jetzt wird es schon schwieriger. Adipositas, also Fettleibigkeit, gilt als Krankheit. Ist ein fettleibiger Mensch krank oder einfach disziplinlos? Dürfen Menschen für Krankheiten kritisiert werden?

Wir empfinden das als Gratwanderung. In der Geschichte zeichneten sich auch grosse politische Figuren durchaus durch eine erhebliche Körperfülle aus – und leisteten viel für die Gesellschaft. Es sei nur beispielsweise an Winston Churchill erinnert, der nicht nur dem Essen, sondern auch dem Alkohol nicht abgeneigt war.  Niemand wäre auf die Idee gekommen, ihn für das Übergewicht zu kritisieren (ausser seine Frau vielleicht). Die Frage ist vielleicht deshalb vielmehr, ob es nicht einfach stillos ist, sich über eine übergewichtige Person lustig zu machen. Und eine solche Kritik deshalb mindestens genau so viel über den Kritiker aussagt als über die kritisierte Person, die mit grosser Sicherheit ja selbst unter ihrem Übergewicht leidet.

Aber auch hier gilt es wieder, auf die Feinheiten zu achten. Wenn eine Politikerin wie die Grüne Ricarda Lang anderen Ernährungstipp geben wollte, dann erscheint eine Kritik mit Verweis auf ihre eigene Leibesfülle durchaus berechtigt. Da geht es nicht um Sexismus, sondern schlicht um Glaubwürdigkeit. Wer offensichtlich Mühe bekundet, sich selbst richtig zu ernähren, sollte nicht andere darin unterrichten wollen. Das wäre, wie wenn ein Fahrlehrer ohne Führerschein Lastwagenchauffeure ausbilden wollte.

Wenn dieselbe Ricarda Lang aber einen politischen Vorstoss unternimmt, um die Lebensmittelindustrie auf gesündere Produkte zu verpflichten, dann ist daran wiederum nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Ihre eigene Erfahrung legitimiert sie sogar dazu, den Finger auf diesen Punkt zu legen und zu zeigen, welche negativen Auswirkungen gesundheitsschädliche Rezepturen in der Lebensmittelindustrie haben können.

 

Professioneller Dresscode darf angemahnt werden

Eine andere Sache ist es mit der Kleidung. Die Kritik an Baerbocks Turn-Outfit bei der Ankunft auf Capri ist natürlich unter keinem Titel sexistisch. Kleidung ist ja kein Persönlichkeitsmerkmal, auf das man keinen Einfluss hat. Und Baerbock hat ja bei anderer Gelegenheit durchaus bewiesen, dass sie sich korrekt zu kleiden weiss. In der vorliegenden Situation handelt es sich schlicht um einen Protokollfehler.

Die Kritik an ihrem Turnzeug ist also eine rein professionelle und sehr wohl berechtigte. Auch einem männlichen Aussenminister, der im Jogginganzug aus dem Schiff tritt, wenn er dort von einem Marine-Detachement empfangen wird, wäre derselbe Vorwurf zu machen.

Denn eine solche Kleidung zeugt schlicht von mangelndem Respekt. Gerade eine Aussenministerin sollte als Chef-Diplomatin wissen, dass man Respekt auch über den Desscode zum Ausdruck bringt. Die Marine-Soldaten begegnen ihr ja auch nicht im Sporttenü, sondern in der korrekten Uniform.

Dass man auch als Aussenminister der Grünen Partei stets korrekt gekleidet sein kann, gibt die deutsche Geschichte übrigens durchaus her. Es sei nur an Joschka Fischer erinnert. Der erste grüne Aussenminister hatte als Abgeordneter im Bundestag noch Schlagzeilen gemacht, weil er sich erfrecht hatte, in weissen Turnschuhen im Parlament aufzutreten. Später, als Aussenminister, machte er im feinen Tuch, meist dem Dreiteiler, immer eine gute Figur und hatte sich damit auch bei Gesprächspartnern Respekt verschafft, die politisch das Heu nicht mit ihm teilten.

 

Alles Sexismus oder was?

Von Kritikerinnen wie Louisa Dellert wird gerne behauptet, Frauen seien viel häufiger von Kritik an ihrem Körper betroffen und das sei sexistisch. Wir meinen: Hier spielt wohl die kognitive Dissonanz. Sprich: Die Kritikerinnen nehmen nur Kritik am Äusseren von Frauen wahr. Derweil werden Männer genauso kritisiert und öffentlich diskutiert. Berlusconis plastische Eingriffe und seine auch im hohen Alter noch schwarzen Haare waren regelmässig Gegenstand von Debatten, genau so machen sich viele über die Frisur des neuen argentinischen Präsidenten Javier Milei lustig («Was ist sein Coiffeur von Beruf»?) und auch Helmut Kohls Leibesfülle war seinerzeit Gegenstand von Sprüchen («Die Walz‘ aus der Pfalz»). Auch der unpassende Auftritt des russischen Diktators Vladimir Putin mit nacktem Oberkörper auf einem Pferd wurde weltweit verspottet.

Fazit: Die Kritik an unpassendem Kleidungsstil, unpassender Inszenierung oder auch körperlichen Attributen hat sich längst emanizipiert, Männer sind genau so davon betroffen wie Frauen.

Darf man Kritik üben an nicht angemessener Kleidung von Exekutiv-Politikern? Joschka Fischer, deutscher Aussenminister im Kabinett von Gerhard Schröder von 1998 bis 2005, zeigt, wie es geht. Der frühere Abgeordnetenschreck verzichtete als Chefdiplomat auf Turnschuhe und Baseball-Caps – zumindest bei offiziellen Terminen. Sein Desscode galt als stilbildend, Fischer in Style-Magazinen als Vorbild gefeiert.

 

Ricarda Langs Übergewicht ist immer wieder Gegenstand von spitzen Bemerkungen der politischen Gegnerschaft. Wir erachten Kritik an der Leibesfülle von Personen des öffentlichen Lebens als stillos – sie wirft auch ein schlechtes Licht auf die Kritiker.

Gleichzeitig gilt aber auch: Übergewicht wird in verschiedenen gesellschaftlichen Kreisen jegwelcher Parteifarbe als Mangel an Disziplin wahrgenommen und ist damit sicherlich nicht hilfreich für eine Karriere. In der Privatwirschaft sind übergewichtige Topkader heute eine Seltenheit geworden. Sowohl aus gesundheitlichen wie auch aus Gründen des Reputationsmanagements ist deshalb eine Gewichtskontrolle empfehlenswert.

Bildnachweis:

(1) TikTok

(2) Dr. Frank Gaeth, über Wikipedia

(3) Bundesbildstelle des Presse- & Informationsamtes der deutschen Bundesregierung

Drei Lehren aus Baerbocks Fails

Drei Lehren aus Baerbocks Fails

Drei Lehren aus Baerbocks Fails

Das vollständige Interview

Die Emotionen gehen wieder mal hoch in Deutschland ob der deutschen Aussenministern. Einige lachen, viele schämen sich.

Ausgangspunkt ist ein Interview von Annalena Baerbock in den TAGESTHEMEN vom 17. April 2024. Darin gelingt ihr tatsächlich kaum ein fehlerfreier Satz.

Welche Lehren gibt es aus dem verunglückten Auftritt zu ziehen?

3 Punkte:
Zunächst mal: Nicht jedermann kann Rhetorik-Gott sein, auch wenn man vieles in der Medienrhetorik lernen kann.

Dazu gehört es auch, die Stärken zu stärken (und solche hat jede Person). Und die Schwächen zu umgehen.

Dass es Baerbock mit Fremdwörtern nicht so hat, ist bekannt. Deshalb sollte für sie gelten: Keine Fremdwörter. Gleichwohl spricht sie über die Angriffe des Iran auf Isreal als «präsidenzlose Angriffe». Sie meint wohl präzedenzlos. Aber warum verwendet sie nicht einfach das viel einfachere Wort «beispiellos»?

Zugegeben: Baerbock ist nicht die erste, die versucht, mit akademischem Wortschatz zu punkten. Wir erleben das in Medientrainings recht häufig.

Dem aber eine falsche Vorstellung zugrunde liegt. Nämlich die, mit einer komplizierten Sprache Kompetenz ausstrahlen zu können.

Nur: Das Gegenteil ist der Fall. Die Speer-Spitze der Kompetenz, das sind diejenigen, denen es gelingt, auch komplexe Sachverhalte einfach und verständlich darzustellen. Einfach, aber halt sprachlich korrekt.

Das ist es, was auch Medienschaffende sich wünschen. Denn das Schlimmste für sie wäre, dass sich das Publikum abwendet, weil die Ausführungen unverständlich sind.

Lehre Nummer 1:
Was in den Medien gefragt ist, ist eine strassengängige Sprache, kein schwülstiges akademisches Blabla.

 

Einfach und verständlich, das gilt auch für die Länge der Sätze. In der gesprochenen Sprache und in flüchtigen Medien wie Radio und Fernsehen noch viel mehr. Eine althergebrachte Regel, die den Volotären auf der Redaktion beigebracht wird: 13 Wörter pro Satz, das ist das Maximum. Kurze Sätze, bitte. Subjekt, Prädikat, Objekt – und gut ist. Keine Verschachtelungen, denen niemand mehr folgen kann – und die am Ende grammatikalisch nicht aufgehen.

Lehre Nummer 2:

In der Kürze liegt die Würze. Das gilt für jeden einzelnen Satz.

 

Die Frage, die uns in Medientrainings häufig gestellt wird: Haben denn diese Spitzenpolitiker keine Kommunikationsspezialisten, die ihnen helfen?

Ich hab’ keine Informationen, wie Baerbock das macht. Aber ja, sich helfen zu lassen, ist sicherlich nicht falsch. Zwei Beobachtungen dazu: Viele holen sich Berater, machen dann aber trotzdem ihr eigenes Ding. Wir nennen sie die «Beratungsresistenten˚.

Ob Baerbock glaubt, sie könne es wider den Ratschlägen ihrer Profis besser, ist nicht bekannt. Dass ihre Berater, im Wissen um ihre kommunikativen Schwächen, ihr Sprechnotizen vorbereiten mit Wörtern und Wortgebilden wie «präzedenzlos» oder «meistsanktionierten Sanktionsregimen» erscheint fast unmöglich. Und falls es doch so wäre, dann wär’s höchste Zeit, die Expertise der Experten mal in Frage zu stellen.

Lehre Nummer 3:

Such‘ Dir Experten, die Dich unterstützen und wissen, wie sie Deine Stärken betonen und die Schwächen umschiffen. Und hör‘ auf sie – dafür hast Du sie ja.

Wieder im Angebot: Das virtuelle Medientraining

Wieder im Angebot: Das virtuelle Medientraining

Wieder da:
DAS VIRTUELLE MEDIENTRAINING

Die comexperts AG lancierte 2020 als erster Anbieter das Virtuelle Medientraining. Es gibt Ihnen die Möglichkeit, ein Medientraining vom Computer aus zu absolvieren – wo immer Sie sich befinden: zuhause, im Office, oder unterwegs.

Ende der Corona-Zeit mussten wir das Angebot einschränken: Microsoft zog die Anbindung einer technischen Komponente, die für das Virtuelle Medientraining nötig war, vorübergehend zurück.

Mit der Neuauflage von MS TEAMS fällt diese Einschränkung weg – und der Neuauflage der Virtuellen Medientrainings steht nichts im Wege.

Was Sie benötigen? Ein MS TEAMS-Account (mit ZOOM können wir auch) und eine Breitband-Internetverbindung, das Training findet schliesslich über das Internet statt.

Den ersten Teil des Trainings absolvieren Sie anhang von Tutorial-Videos. In der Live-Session werden Sie dann über eine Internet-Verbindung trainiert: Sie spielen Interviewsituationen durch, zeichnen alles auf & diskutieren mit dem Trainer anschliessend das Feedback.

Auch die Buchung ist denkbar einfach: Sie erhalten Zugriff auf den Kalender unserer Medientrainer, wählend den Termin aus, zu dem Sie die Live-Session abhalten möchten und füllen den Fragebogen aus. Alle weiteren Schritte erfolgen dann ganz von alleine.

Die nötige Technik ist denkbar simpel, wir unterstützen Sie aber in allen Fragen und bieten verschiedene Techniksets an (z.B. mit Webcams, Stativ, etc.), falls Sie Unterstützung dazu wünschen.

Interessiert? Hier erfahren Sie mehr!

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So geht es

Das Prinzip

Die Idee hinter dem Virtuellen Medientraining ist die, ein Medientraining so effizient und effektiv wie möglich zu gestalten. Einen Teil des Know-Hows im Umgang mit den Medien erhalten Sie in Video-Tutorials vermittelt: Diese können Sie sich anschauen, wann immer Sie dazu Zeit finden, und wo immer Sie gerade sind. Sie können Sie auch mehrfach anschauen und die Inhalte nachlesen.

Den Übungsteil bestreiten Sie mit unserem Headcoach Patrick Senn über das Internet. In 90-minütigen Sessions trainieren Sie Radio-, TV- und Presseinterviews. Ihre Interviews werden aufgezeichnet und besprochen, Sie haben anschliessend auch Zugriff darauf und können sich in aller Ruhe noch einmal alles anschauen.

Und wenn Sie noch einmal üben möchten? Dann buchen Sie einfach eine zusätzliche Live-Session dazu,

 

Case-Study

Lesen Sie hier den Beispiel-Case unseres Kunden Markus Spinnler, der ein virtuelles Medientraining absolviert und uns erlaubt hat, seinen Fall exemplarisch darzustellen.

„Das hat mir sehr viel Sicherheit gegeben.“

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Das Schweigen der Monarchie – Prinzessin Kate offenbart Krebserkrankung

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Analyse

Das "No Bullshit"-Gebot

 

 Wir schauen uns heute ein Live-Interview von „Le Bijou“-Mitbegründer und CEO Alex Hübner auf CNN Money Switzerland an. Das Interview wurde im Rahmen der Corona-Krise geführt und ist unter verschiedenen Aspekten unglücklich verlaufen für den Interview-Gast.

„Le Bijou“ ist ein Startup Unternehmen, das luxuriöse Wohnungen für Kurzzeitmieten anbietet – und damit den klassischen Hotelsuiten Konkurrenz macht. Die Objekte zeichnen sich durch besonders edles Design und neuste Technologie wie den digitalen Butler aus. – Im Umfeld der Corona-Krise hat „Le Bijou“ damit Schlagzeilen gemacht, dass es seine Apartements im Hochpreis-Segment für eine „Luxus-Quarantäne“ angeboten hat.

Augenkontakt

Der erste Punkt, der an dem Interview auffällt: Hübner hat selten Augenkontakt mit der Journalistin respektive mit der Kamera. Damit erweckt er den Eindruck, dem Blickkontakt ausweichen zu wollen. Die deute Redensart, „er konnte mir nicht in die Augen schauen“, legt schon nahe, wie dieses Verhalten wirkt: Wenig souverän, wenig selbstbewusst.

Dabei ist festzuhalten, dass die Situation der Duplexschaltung, wie wir sie hier haben, tatsächlich eine der schwierigesten Mediensituationen überhaupt ist. Ohne das entsprechende Training ist das Risiko enorm hoch, mit den Augen abzuschweifen, wie es Hübner hier passiert.

Bei einem klassischen Interview, bei dem die Journalistin den Gesprächspartner vor Ort trifft und befragt, ist die Grundregel klar: Der Blick in die Kamera ist dann tabu, der Augenkontakt ganz auf das Gegenüber ausgerichtet.

Diese goldene Regel gilt nur in einer Situation nicht – genau bei dieser sogenannten „Duplex-Schaltung“ oder „Schalte“. Die Interviewerin befindet sich hier nicht direkt bei Ihrem Gesprächsgast, sondern im Sendestudio. Der Interviewpartner ist durch eine technische Verbindung (früher Satellit, heute mehr und mehr über eine der neuen Messender-Apps wie Skype, WhatsApp, Team oder Zoom) zugeschaltet.

Und in dieser Situation gilt nun die Ausnahmeregel, dass der Blick in die Kamera gerichtet sein soll – und möglichst nur dahin.  Das ist bisweilen gar nicht einfach und wird deshalb auch in unseren Trainings explizit geübt.

Auch die Haltung ist übrigens wichtig: Anders als bei Face-to-Face Interviews üblich sitzen die Gesprächsgäste bei Schaltungen häufig – und zeigen dabei eine schlechte Körperhaltung. Das kann beispielsweise mit einem Stuhl ohne Rücklehne verbessert werden.

Frage der Journalistin: „Haben Sie verständnis für die Kritik?“

„Nein, diese Leute haben es nicht richtig verstanden.“

Das Empathie-Gebot

Ganz wichtig: Nehmen Sie einen Medienauftritt wahr, um auf Ihr Reputationskonto einzubezahlen. Das verlangt nach Empathie. Wenn die Journalistin Sie fragt, ob es Ihnen egal sei, wenn andere Sie für ihr Geschäftsmodell kritisieren, dann antworten Sie nie mit Ja. Nie, nie, nie. Denn eine solche Aussage wirkt für viele überheblich. Sogar für solche, die sich der Kritik nicht anschliessen und eigentlich auf Ihrer Seite sind.

Seien Sie sich auch bewusst: Sie verkaufen besser, wenn die Dienstleistung oder das Produkt, das Sie anbieten, soziale Akzeptanz hat. Und das schlicht deshalb, weil Sie immer eine Anzahl Kundinnen und Kunden haben werden, die es sich nicht leisten können oder wollen, einen Service zu nutzen, der diskreditiert wird.

Und sogar wenn Sie Ihre Produktion zu 100% ausgelastet haben und gar nicht mehr produzieren und verkaufen könnten: Tappen Sie nie in die Überheblichkeitsfalle.

Aber wie lösen Sie eine solche Situation? Zeigen Sie immer Verständnis für die Kritik. Und gehen Sie anschliessend darauf an.

Und jetzt ist das sprachliche Feingefühl gefragt: mit einer Aussage wie „Die Kritiker haben es nicht verstanden“ greifen Sie nicht nur die Kritiker an, sondern auch all‘ die, welche die Frage für gerechtfertigt halten. Formulieren Sie deshalb in solchen Situationen behutsam.

Zum Beispiel so: „Ich habe schon einige Gespräche dazu geführt mit Kritikern unserer Corona-Offensive. Und immer festgestellt, dass Sie Ihre Kritik zurücknehmen, wenn wir Ihnen beispielsweise klar machen können, dass 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit unseren Apartements ihren Lebensunterhalt verdienen müssen.“

Und wenn Ihr Publikum etwas nicht verstanden hat: Greifen Sie es dafür nicht an, sondern üben Sie Selbstkritik: „Wir haben das womöglich zu wenig gut erklärt.“ Oder: „Die Kommunikation war leider etwas verkürzt.“

 

 

Vorbereitung ist das halbe Leben

Dasselbe auf die Frage, ob es nicht stossend sei, dass in Zeiten einer solchen Not Personen mit viel Geld eine bevorzugte medizinische Versorgung erhielten. Bei einer solchen Frage sollten Sie zunächst klären: Sie Sie als Hospitaliy-Anbieter die richtige Person, um das einzuschätzen? Vermutlich nicht.

Grenzen Sie deshalb zunächst mal Ihre Kompetenz ab: „Ich bin kein Experte für das Gesundheitssystem.“ Und dann: „Was die Schweiz ja auszeichnet, ist die Tatsache, dass hier jeder Menschen, und wirklich jeder, eine hervorragende medizinische Versorgung erhält. Aber es ist in der Tat so wie in wohl allen freiheitlichen Gesellschaften: Mehr Wohlstand erlaubt gewisse Annehmlichkeiten. Das ist in Krisenzeiten nicht anders als sonst: Als Topverdiener können Sie es sich leisten, Ware liefern zu lassen – ich muss sie mir selbst im Laden holen.“

Auf solche Analysen hören wir oft:  „Im Nachhinein sagt sich das natürlich einfach.“ Und diese Aussage ist völlig berechtigt. Deshalb wollen wir das „im Nachhinein“ vor das Interview mit der Journalistin verlegen. Indem Sie als letzten Punkt Ihrer Vorbereitung ein Interview durchspielen, bevor Sie es tatsächlich halten.

Dabei müssen alle kritischen Fragen, die man Ihnen stellen kann, auf den Tisch. Wenn Ihr interne Kommunikations-Abteilung das nicht leisten kann – oder Sie schlicht keine haben – dann bemühen Sie einen externen Anbieter dafür. Das kostet nicht alle Welt, erspart Ihnen aber unerwartete kritische Fragen, auf die Sie nicht vorbereitet sind.

Wir nennen das „Nasty Questions List“. Eine Liste, die Sie unbedingt führen und immer wieder aktualisieren sollten: Jede Branche hat ja gewisse Standard-Vorwürfe immer wieder zu parieren.

 

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