by Patrick Senn | 25.11.2017 | Uncategorized
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Dies ist kein Plädoyer für die No-Billag-Initiative. Es ist auch keines gegen sie. Das ist ein Plädoyer für mehr Sachgerechtigkeit in einer Debatte, in der von beiden Seiten Behauptungen aufgestellt werden, die nicht haltbar sind.
Beispiel Unabhängigkeit. Die SRG-Lobbyisten werden nicht müde zu behaupten, nur das öffentlich-rechtliche Radio und Fernsehen sei in der Lage, unabhängigen und Qualitätsjournalismus zu betreiben. Wirklich? Die SRG erhält ihre Mittel aus zwei Quellen: Werbung und Gebührengelder. Die Höhe der Gebührengelder legt der Bundesrat fest, das Parlament setzt den Rahmen oder kann per Gesetzesbeschluss Einfluss nehmen – zum Beispiel hätte es als Gegenvorschlag zur No-Billag-Initiative die Gebührenhöhe auf 200 Franken pro Jahr festlegen können – hat es aber nicht. Mit anderen Worten: Die SRG ist sehr wohl von der Politik abhängig und insbesondere vom Bundesrat. Natürlich haben die SRG-Lobbyisten Recht, wenn sie behaupten, dass Politiker/innen gemäss Gesetz keinen Einfluss auf die Programme nehmen dürfen.
Was sie verschweigen: Sie versuchen es selbstverständlich trotzdem. Ich mag mich persönlich gut erinnern, wie mir ein ehemaliger St. Galler CVP-Ständerat drohte, ich war damals Chefredaktor bei Tele Ostschweiz, falls ich ihn nicht einladen würde, um in einer Debatte gegen Christoph Blocher als Kontrahend eingeladen zu werden. Ein Naivling, wer glaubt, dass solche Einflussversuche, wenn sie schon bei einem kleinen Regional-Fernsehen passieren, nicht auch bei der SRG vorkommen würden. – Wir hatten damals übrigens dem CVP-Ständerat dankend abgesagt und beschieden, wir würden uns nicht erpressen lassen.
Sind die SRG-Medien unabhängig von der Werbewirtschaft? Natürlich nicht. Würden beispielsweise die Sponsoren von grossen Sportereignissen aussteigen, wären diese noch viel schwieriger zu refinanzieren als heute schon.
Nehmen also diese Wirtschaftsgrössen direkt Einfluss auf das Programm, indem sie Werbegelder mit dem Verzicht auf eine kritische Berichterstattung verknüpfen? Offiziell wissen wir es nicht, denn selbstverständlich werden solche Vorgänge nicht offen kommuniziert. Heisst das, dass es sie deswegen nicht gibt? Wohl kaum.
Schlimmer aber noch als diese ganz direkten Versuche der Einflussnahme ist die „Schere im Kopf“. Mit anderen Worten: Der vorauseilende Gehorsam. Die Medienschaffenden berichten lieber nicht allzu kritisch, wenn es um Bundesratsgeschäfte gibt. Oder solche von grossen Werbekunden. Ein schönes Beispiel sind die ganzen Dating-Portale, die ganz offensichtlich fragwürdige Geschäftspraktiken haben. Wird darüber berichtet, werden die Geschäftspraktiken hinterfragt? Nein. Schliesslich geht es um grosse Werbekunden, denn kaum ein Werbeblock, in dem nicht Parship, Elitepartner, be2 oder wie sie alle heissen, ihre Spots schalten.
Ich streite regelmässig gepflegt mit Kolleg/innen, ob die unkritische Berichterstattung deshalb passiert, weil es keine Medienschaffenden mehr gibt, welche die Kompetenz und gelernt haben, was es heisst, eine kritische Distanz zu haben und kritische Fragen zu stellen. Oder ob sie einfach entsprechend sozialisiert sind auf den Redaktionen.
So oder so ist es nicht, was wir von einem unabhängigen Medienhaus erwarten dürf(t)en. Es gibt zu dieser Frage übrigens auch eine interessante wissenschaftliche Arbeit, die meine These belegt.
Falls Sie sich jetzt fragen: wie sollte man denn die Stellschrauben stellen, um die Unabhängigkeit der SRG zu stärken? Ich habe die goldene Lösung auch nicht. Das ist aber auch nicht mein Punkt. Sondern lediglich der, dass nicht behauptet werden sollte, was nicht stimmt. Die SRG ist genau so abhängig wie andere Medien. Vielleicht weniger von den Inserenten (im Vergleich zu den privaten Medienprodukten), aber dafür wesentlich mehr von der Politik.
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by Patrick Senn | 04.07.2017 | Uncategorized
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Dass eine neue Sendung im Vorfeld zu reden gibt, ist für die TV-Macher/innen natürlich mehr als erwünscht. Ob die Publizität der neuen Sonntagabend-Kiste Arena/Reporter allerdings den Service public stärkt, darf bezweifelt werden.
Zunächst gab die Besetzung viel zu reden, soll doch neben ARENA-Redaktionsleiter Jonas Projer die ehemalige Miss Schweiz und heutige Werbe-Ikone Christa Rigozzi mitmoderieren. Nun ist Rigozzi keinesfalls abzusprechen, dass sie auch gesellschaftspolitische Themen intellektuell wird durchdringen können. Ein Problem stellen aber ihre vielen Werbe-Engagements dar. Wer im öffentlich-rechtlichen TV Politsendungen moderieren will, kann nicht gleichzeitig als Testimonial von Werbeplakaten herunterlächeln. Das Argument der TV-Macher, man engagiere Rigozzi nur in einem kleinen Teilzeitpensum und könne ihr deshalb diese Geschäfte nicht vollends verbieten, ist natürlich an Dreistigkeit nicht zu überbieten: Man hätte offenkundig schlicht von einem Engagement von Frau Rigozzi absehen müssen. Einmal mehr beweist sich, dass die Rennleitung mit Direktor Ruedi Matter und Chefredaktor Tristan Brenn schlicht nicht das Format hat in Bezug auf Führungskraft und politischer Sensibilität, das in diesen Funktionen nötig wäre.
Als ob die Causa Rigozzi nicht schon Beleg genug dafür wäre, erhält die Debatte zusätzlichen Zündstoff durch die Wahl des Hauptprotagonisten für die erste Sendung. Es geht um die KESB, und im Reporter-Film, welcher der Diskussion vorangehen soll, wird ein Mann portraitiert, auf dessen Facebook-Profil klar rassistische und faschistoide Aussagen gepostet sind. Warum ausgerechnet ein offenkundiger Extremist ausgewählt wurde als Beispiel für die KESB-Kritiker, lässt sich eigentlich nur damit erklären, dass es dem neuen Sendegefäss tatsächlich mehr darum geht, wie auch immer geartete Schlagzeilen zu produzieren, als dem Service public-Auftrag nachzukommen und eine Debatte zu führen über eines der wohl stossendsten Probleme der Gegenwart, nämlich das neue Erwachsenen- und Kindesschutzrecht. Der Vorgang erinnert fatal an die verunglückte Ganser-Sendung, welche vom Ombudsmann zu Recht in vielen Punkten gerügt worden war. Lernfähigkeit ist am Leutschenbach wohl ein Fremdwort.
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by Patrick Senn | 20.03.2017 | Kommentare, Medienwelt, Politik, Uncategorized
Vieles wurde geschrieben zur Arena vom 24. Februar 2017 , in der es gemäss Affiche eigentlich um den Umgang von US-Präsident Donald Trump mit den Medien gehen sollte. Eingeladen dazu waren mit SVP-Haudegen Claudia Zanetti, Historiker Daniele Ganser, Tele-Basel-Programmleiterin Karin Müller und SRF-Latetalker Roger Schwawinski vier Gäste, die allesamt zur aufgeworfenen Frage kein ersichtliches Experten-Wissen vorzuweisen hatten, welches eine Einladung in die Sendung gerechtfertigt hätte.
Näju denn.
Zum eigentlichen Medienskandal geriet dann aber, dass Arena-Moderator Jonas Projer seinen Gast Daniele Ganser regelrecht vorführen wollte, indem er ihm unterstellte, er würde doppelzüngig argumentieren und die Unwahrheit sagen. Was war passiert? Ganser war rund einen Monat vor der ARENA Teil einer Ausgabe der Sendung EINSTEIN des Schweizer Fernsehens vom 26. Janua r2017, in der allerlei Verschwörungstheorien aufgetischt wurden. Darunter hochgradig gefährliche und heikle wie diejenige über eine jüdische Weltverschwörung (welche im Nationalsozialismus als Rechtfertigungen für die Verfolgung der Juden diente), aber auch weitherum akzeptiere, wie diejenige über den Mord an US-Präsident John F. Kennedy, wo die offizielle Darstellung, es habe sich um die Tat eines Einzeltäters gehandelt, von 80 Prozent der Bevölkerung Amerikas als unglaubwürdig beurteilt wird.
Mittendrin die Arbeit des Historikers Ganser, der die Frage stellt, ob insbesondere das WTC-9, ein Gebäude des Word-Trade-Centers, das am 11. September 2011 tatsächlich ohne Flugzeug-Einschlag in sich eingestürzt war, möglicherweise kontrolliert gesprengt worden war. Ganser hatte im Anschluss an die Sendung in den Social Media kritisiert, dass die Einstein-Sendung seine kritischen Fragen als Verschwörungstheorie abtue. In einer E-Mail an den zuständigen Redaktor hatte Ganser geschrieben, er habe die Darstellung seiner Forschung als korrekt, die Einbettung und Vermengung mit den teils kruden Verschwörungstheorien aber als problematisch empfunden. Aus diesem Umstand versucht Projer nun die Doppelzüngigkeit Gansers zu konstruieren, indem er behauptete, in den Social Media würde Gasnser kritisieren, was er in einer internen E-Mail lobte.
In der Medienkritik wurde daraufhin insbesondere kritisiert, dass Ganser schon zu Beginn der Sendung als „umstrittener Publizist“ vorgestellt wurde (wie beispielsweise Schawinski genauso charakterisiert werden könnte, aber nicht wurde) und später ohne sein Wissen oder Einverständnis ein Ausschnitt des (und nicht der vollständige) E-Mailverkehr von Ganser mit der Redaktion von EINSTEIN gezeigt wurde.
Nun mögen diese Fragestellungen durchaus berechtigt sein, wesentlicher scheint mir ein anderer Punkt. Ein professionelles journalistisches Selbstverständnis sollte sowohl vom Moderator als auch von den anderen beiden geladenen Medienschaffenden verlangen, dass sie auf der Seite derjenigen stehen, die Fragen stellen, und sehr wohl auch kritische Fragen. Das ist der genuine Auftrag der Medienschaffenden, ihre „Raison d‘ être“. Wenn aber das Gegenteil passiert und Medienschaffende dazu übergehen, für sich die Wahrheit zu reklamieren (z.B. Schawinski, der Ganser entgegenhält: „9/11 ist untersucht, darüber rede ich nicht mit ihnen.“), dann sollte das zu höchster Vorsicht mahnen.
Insofern ist diese ARENA tatsächlich ein Beispiel dafür, wie es nicht geht. Wenn Moderatorinnen und Moderatoren über Wahrheit und Unwahrheit richten, wenn sie glauben, im Besitze der richtigen Sichtweise zu sein, haben sie längst ihre Aufgabe verlassen. Das hat sich am Beispiel der Wahl des US-Präsidenten Donald Trump gezeigt. Bis heute sind sich viele Moderatorinnen und Moderatoren in dieser Frage selbst zu nahe, wenn sie meinen, diese Wahl als Unfall oder Unvermögen des amerikanischen Volkes darzustellen. Damit wir uns richtig verstehen: Die Zuschauerinnen und Zuschauer haben selbstverständlich das Recht, das so zu sehen. Und die Medienschaffenden haben das Recht auf ihre eigene Meinung. Alleine: Sie mögen sie für sich behalten und dem Publikum ihr eigenes Urteil überlassen.
by Patrick Senn | 24.03.2016 | Kommentare, Medienwelt, News, Uncategorized

Es ist eine der schwierigsten Aufgaben, denen wir Kommunikationsexperten ausgesetzt sind: Eine Zeitung berichtet eine Unwahrheit, manchmal auch eine Wahrheit, oft eine Belanglosigkeit aus längst vergangenen Tagen. Objektiv betrachtet tendiert die Halbwertszeit solcher Veröffentlichungen in vielen Fällen gegen Null. Solange einem Wirtschaftskapitän, Amtsdirektor oder politischen Opinion-Leader nicht gerade Straftaten vorgeworfen oder ein so vollumfängliches Versagen unterstellt wird, dass ein Karriereknick unabwendbar erscheint, ist eine solche Publikation deshalb meist nicht weiter nennenswert.
Ausser dass, und das passiert regelmässig, die Betroffenen selbst sehr viel sensibler auf solche Publikationen reagieren. Je weniger Gegenwind sie auf ihrer Position gewohnt sind, umso schmerzhafter ist es für sie, wenn ihnen ein Medienschaffender ans Bein pinkelt mit irgend‘ einer Lappalie. Das ist menschlich verständlich und nachvollziehbar. Genau so wie ihr Wunsch, die eigene Kommunikationsabteilung möge gemeinsam mit dem Legal Office nicht nur den Medienschaffenden selbst, sondern am besten auch gleich noch seinen Chefredaktor und auch noch den Verleger strafrechtlich belangen wegen übler Nachrede, eventualiter Verleumdung, Falschanschuldigung, Beleidigung und was da sonst noch alles in Frage kommt. Zeitgleich, so der verständliche Wunsch, möge jedem Individuum auf dem Planeten mitgeteilt werden, dass die publizierte Darstellung sachverhaltswidrig sei und sich in Wahrheit alles ganz anders zugetragen habe.
Wie gesagt: Diese Reaktion ist menschlich noch so verständlich. Wer lässt sich schon gerne von einem Journalisten vorführen, der meist schlecht recherchiert von von dritt- oder viertklassigen Quellen zugetragene Hören-Sagen-Geschichten veröffentlicht. – Und sich dann hinter dem Quellenschutz verstecken darf, wenn man von ihm wissen möchte, wer denn solchen Unsinn erzähle.
Dennoch: Den noch so nachvollziehbaren Rache- oder Korrekturgelüsten nachzugeben ist meist der grösste Fehler, den es in der Situation zu machen gibt. Und hier zeigt sich die Qualität sowohl der internen Kommunikationsfachleute als auch der externen Partner: Gelingt es ihnen, ihre Patrons von den Gegenmassnahmen abzuhalten, die dann nämlich erst zur Folge haben, dass ein jeder wahrnimmt, was ansonsten kaum einer gelesen und sich schon gar nicht memoriert hätte. Denn fast immer sind es erst die Dementis und Strafanzeigen, die dann so richtig Medienkarriere machen und auch noch im Hinterpfupfinger Anzeiger zu einer Geschichte werden.
Die Migros und ihre Kommunikation hat heute diesbezüglich nicht eben geglänzt. Was war passiert? Die Bilanz hatte in einem Artikel zur Frage, wie es nach dem Abgang von Dieter Berninghaus weitergehen möge, im Konjunktiv von nicht genannten internen Quellen geschrieben, es hätte offenbar ab und an laute Auseinandersetzungen zwischen Berninghaus und CEO-Herbert Bolliger gegeben. Das hätte wohl kaum einen weiter interessiert, hätte nicht die Migros mit der grossen Keule zurückgeschlagen und über den grösstmöglichen Verteiler eine Gegendarstellung nachgereicht, diese Darstellung sei so falsch. Was sie damit erreicht hat? Dass sich jetzt ein jeder überlegt, ob es vielleicht doch so gewesen sein könnte wie von der Bilanz berichtet. Sogar die, welche noch nie eine Bilanz in der Hand hatten.
Mehr dazu:
Das Communiqué der Migros
Der Artikel in der Bilanz
Und die prompte Reaktion des Boulevards
by Patrick Senn | 10.03.2016 | Uncategorized
Die Nummer hatte für Gesprächsstoff gesorgt bis weit ins Ausland: Bundespräsident Schneider-Ammann spricht zum Tag der Kranken – und erwischt dabei nicht eben einen glücklichen Tag. Die Ansprache wirkt, schon in der deutschen, noch krasser aber in der französischen Sprachversion, wie eine Karikatur, so teilnahmslos spricht der Bundespräsident seinen Text in die Kamera.
Während Tagen ist die Videoaufzeichnung ein öffentliches Thema, Schneider-Ammann wird verspottet und parodiert.Wie es genau dazu kommen konnte, ist nicht überliefert, die verantwortlichen Stellen halten sich bedeckt. Einige wichtige Schlussfolgerungen lassen sich aus dem Beispiel aber sehr wohl ziehen.
- Lesen ab Teleprompter will geübt sein
Schneider-Ammann liest seinen Text, was unschwer zu erkennen ist, ab dem sog. Teleprompter ab. Das ist eine technische Einrichtung, bestehend aus einem Bildschirm, der vor der Kameralinse angebracht ist und dessen Inhalt auf eine Scheibe projeziert, die dann im 45-Grad-Winkel direkt vor dem Objektiv montiert ist. Auf diese Weise kann ein Sprechtext direkt vor dem Kameraobjektiv ab dieser Scheibe gelesen werden. Wenn der Text im richtigen Tempo abgespielt wird, kann so ein Sprecher seinem Publikum direkt in die Augen schauen, obwohl er gleichwohl abliest. Nur eben: Lesen ab Teleprompter ist nicht ganz einfach und will geübt sein. Mehr dazu finden Sie auf unseren Wissensseiten.
- Genügend Zeit einrechnen
Kommunikation ist Arbeit. Sprechen und Reden halten ist Arbeit. Interviews geben ist Arbeit. Das wird gerne vergessen – es gibt von ex-US-Präsident Bill Clinton genau gleich wie von George W. Bush Aussagen an Medienkonferenzen, an deren Ende sie erzählen, sie müssten nun wieder zurück an die Arbeit („I’ve to go back to work“). Als ob Kommunikation keine Arbeit wäre. -Diese Haltung mag auch bei Schneider-Ammann eine Rolle gespielt haben: Noch schnell eine halbe Stunde im Kalender reserviert, um eine Aufzeichnung zu machen, zwischen zwei wichtigen Terminen. – Leider ist es ein Klassiker, dass hohe Führungskräfte und Leader der Kommunikation nicht den Stellenwert einräumen, der ihr zukommt. Das heisst dann eben auch: entsprechend Zeit budgetieren.Dies gilt um so mehr, als es Schneider-Ammann bewusst sein mag, dass rhetorische Brillanz nicht seine grösse Begabung ist. Was dann ganz schnell zu einem Teufeskreis wird: Wir tun meist das am Liebsten, was wir auch am besten können. . Dabei wäre es in der Kommunikation zwingend, dass die Priorität umgekehrt proportional zum Talent veranschlagt wird.
- Sich einen Text zu eigen machen
Am besten werden Sie immer denjenigen Text vortragen, den Sie selbst entwickelt haben. Und zwar am besten mündlich, indem sie erst laut vor sich hinsprechen, was sie eigentlich erzählen wollen, und das erst schriftlich festhalten, wenn Sie überzeugt sind: Genau so entspricht es mir. Nun ist es in hohen Führungschargen nicht immer möglich, jede Rede selbst zu entwickeln. Dann sollten Sie sich zumindest die Zeit nehmen, um einen Text, den Ihnen ein begabter Redenschreiber, der Sie und ihren mündlichen Ausdruck hoffentlich gut kennt, vorbereitet hat, zu ihrem eigenen Text machen. Indem Sie daran feilen, und durch das laute Vorsprechen überprüfen, ob Ihnen die Sätze, die Sie da vorfinden, auch wirklich in den Mund passen.
- Das Energieniveau finden
Öffentliches Sprechen benötigt nicht nur einen genialen Text, sondern muss auch mit der entsprechenden Haltung und Körperspannung vorgetragen werden. Wir kennen alle hervorragende Texte, die durch das monotone Ablesen des Sprechers keine Brillanz zu entfalten vermögen. Und mittelmässige Texte, die durch einen witzigen, charmanten oder einfach auch energiegeladenen Sprecher zu einem Vergnügen werden. Wie aber gelingt es, die innere Spannung aufzubauen, um während einer Rede das innere Feuer zu entfachen und viel Energie auf das Publikum übertragen zu können? Das ist eine sehr individuelle Frage, Patentrezepte gibt es keine. Die absoluten Cracks in diesem Bereich erzählen meist, dass sie selbst vieles ausprobieren mussten, bis sie das für sie passende Rezept fanden.
- Sich einen Hofnarren halten
Je höher Sie in der Hierarchie steigen, um so grösser die Gefahr, dass Sie sich ausschliesslich mit Menschen umgeben, die Ihnen nach dem Mund reden. Keiner wag es, der Nummer 1 zu widersprechen – oder die Nummer 1 zu kritisieren. Einen Kommunikations-Attachée, der Ihnen nicht die Wahrheit direkt ins Gesicht sagen darf, hilft Ihnen nichts – dann können Sie sich die Position auch sparen. Ein intaktes Vertrauensverhältnis zwischen Kommunikationsberater und seinem Chef oder Mandanten ist zwingend nötig als Arbeitsgrundlage.
by Patrick Senn | 21.10.2015 | Uncategorized
«SRF veröffentlicht sämtliche Sendungskosten» titeln heute verschiedene online-Portale. Das wäre eine erfreuliche Entwicklung. Bislang ist die SRG eine Blackbox, was ihr Finanzgebahren angeht. Und das ist unerträglich, in einer Zeit, in der die öffentliche Verwaltung das Öffentlichkeitsprinzip etabliert hat und (auch die SRG-) Journalisten bei allen denkbaren und undenkbaren Themen nach vollständiger Transparenz verlangen.
Wer sich dann allerdings das gebotene vor Augen führt, reibt sich die Augen und stellt schnell fest: Der Titel in der Presse ist eine Lüge. Da werden die grossen Unterhaltungssendungen mit einem Durchschnittspreis von CHF 807’000 bepreist. Wie sich die Kosten zusammensetzen, wird nicht erläutert. Insbesondere wäre beispielsweise die Frage interessant, wieviel Lizenzgebühren SRF für Formate wie VOICE OF SWITZERLAND dafür abdrückt, dass die Kreativabteilung am Leutschenbach nicht in der Lage ist, sich selbst ein spannendes Unterhaltungsformat auszudenken, sondern Konzepte «ab der Stange» einkaufen muss.
Auch im Informationsbereich schleicht sich SRF billig aus der Verantwortung. Die TAGESSCHAU wird mit allen Ausgaben pro Jahr mit CHF 23,9 Mio ausgewiesen – die einzelnen Ausgaben werden nicht weiter spezifiziert. Zu 10VOR10, SCHWEIZ AKTUELL, BÖRSE, METEO und der sehr umstrittenen Sendung GLANZ & GLORIA macht SRF überhaupt keine Angabe.
Schliesslich der Sport. Hier werden lediglich die direkten Kosten der einzelnen Formate SPORTPANORAMA, SPORTLOUNGE und SPORT AKTUELL ausgewiesen. Zu den Sportrechten, welche hier den grossen Kostenblock bilden, macht SRF keine Aussage. – Dabei wäre es gerade hier wichtig und interessant für die Öffentlichkeit, zu erfahren, wieviel die SRG in diesem Bereich ausgibt.
Fazit: Die sogenannte Transparenz von SRF in dieser Form ist ein völliger Witz.
Die Schlussfolgerung ist schnell gemacht: Die Verantwortlichen von SRF haben ganz offensichtlich viel zu verstecken. Und das kann wohl nur heissen, dass sie massiven Druck befürchten, weil sie wissen, dass sie die Kosten nicht rechtfertigen können. Da hilft nur eines: Auch die SRG ist über die Konzession oder das Gesetz explizit dem Öffentlichkeitsprinzip zu unterstellen, mit der Verpflichtung, eine Kostenrechnung zu den einzelnen Sendungen zu führen, aus der bestimmte Kennzahlen (wie z.B. kalkulatorische Gesamtkosten einer einzelnen Ausgabe, Kosten pro Sendeminute, etc.) auszuweisen sind. Alles andere ist einem Betrieb, der von jedem einzelnen mit Wohnsitz in der Schweiz finanziert wird, unwürdig.