(Wie)viel Tattoos darf eine Moderatorin zeigen?

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Aus unserer Sicht ist der Punkt, um den es geht, recht banal: Medienschaffende haben sich in den Dienst der Sache zu stellen. Der Inhalt muss im Fokus stehen, die Vermittlung von (möglichst relevanten) Botschaften. Man mag nun mit Fug und Recht behaupten, mit diesem Anspruch könnte eine Sendung wie G&G gleich eingestellt werden.

Gleichwohl sollte auch für ein People-Magazin gelten, dass die Protagonisten der Geschichten im Zentrum stehen und nicht das journalistische Personal, welches diese vermittelt. Womit sich tatsächlich die Frage stellt, ob es unter diesem Aspekt für eine Moderatorin sinnvoll ist, ihre grossflächigen Tattoos zur Schau zu stellen. Wir meinen: Ist es nicht, denn es besteht die reale Möglichkeit, dass die Arme der Moderatorin von den Aussagen ihrer Interviewgäste so stark ablenken, dass diesen keiner mehr zuhört.

Deshalb hat Hildbrand aus unserer Sicht Recht mit seiner Forderung, die Moderatorin habe sich gefälligst bedenkt zu halten. Auch wenn wir seiner Begründung nicht folgen mögen: Es geht hier gar nicht erst um Geschmack, Stil oder konservative vs. progressive Wertvorstellungen. Es geht einzig um Professionalität.

Dass nicht einmal die Vertreter von SRF diesen Punkt sehen, wenn sie die Moderatorin in Schutz nehmen, ist unter diesem Titel dann nur noch eines: peinlich.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

Zur Ganser-Arena

Vieles wurde geschrieben zur Arena vom 24. Februar 2017 , in der es gemäss Affiche eigentlich um den Umgang von US-Präsident Donald Trump mit den Medien gehen sollte. Eingeladen dazu waren mit SVP-Haudegen Claudia Zanetti, Historiker Daniele Ganser, Tele-Basel-Programmleiterin Karin Müller und SRF-Latetalker Roger Schwawinski vier Gäste, die allesamt zur aufgeworfenen Frage kein ersichtliches Experten-Wissen vorzuweisen hatten, welches eine Einladung in die Sendung gerechtfertigt hätte.

Näju denn.

Zum eigentlichen Medienskandal geriet dann aber, dass Arena-Moderator Jonas Projer seinen Gast Daniele Ganser regelrecht vorführen wollte, indem er ihm unterstellte, er würde doppelzüngig argumentieren und die Unwahrheit sagen. Was war passiert? Ganser war rund einen Monat vor der ARENA Teil einer Ausgabe der Sendung EINSTEIN des Schweizer Fernsehens vom 26. Janua r2017, in der allerlei Verschwörungstheorien aufgetischt wurden. Darunter hochgradig gefährliche und heikle wie diejenige über eine jüdische Weltverschwörung (welche im Nationalsozialismus als Rechtfertigungen für die Verfolgung der Juden diente), aber auch weitherum akzeptiere, wie diejenige über den Mord an US-Präsident John F. Kennedy, wo die offizielle Darstellung, es habe sich um die Tat eines Einzeltäters gehandelt, von 80 Prozent der Bevölkerung Amerikas als unglaubwürdig beurteilt wird.

Mittendrin die Arbeit des Historikers Ganser, der die Frage stellt, ob insbesondere das WTC-9, ein Gebäude des Word-Trade-Centers, das am 11. September 2011 tatsächlich ohne Flugzeug-Einschlag in sich eingestürzt war, möglicherweise kontrolliert gesprengt worden war. Ganser hatte im Anschluss an die Sendung in den Social Media kritisiert, dass die Einstein-Sendung seine kritischen Fragen als Verschwörungstheorie abtue. In einer E-Mail an den zuständigen Redaktor hatte Ganser geschrieben, er habe die Darstellung seiner Forschung als korrekt, die Einbettung und Vermengung mit den teils kruden Verschwörungstheorien aber als problematisch empfunden. Aus diesem Umstand versucht Projer nun die Doppelzüngigkeit Gansers zu konstruieren, indem er behauptete, in den Social Media würde Gasnser kritisieren, was er in einer internen E-Mail lobte.

In der Medienkritik wurde daraufhin insbesondere kritisiert, dass Ganser schon zu Beginn der Sendung als „umstrittener Publizist“ vorgestellt wurde (wie beispielsweise Schawinski genauso charakterisiert werden könnte, aber nicht wurde) und später ohne sein Wissen oder Einverständnis ein Ausschnitt des (und nicht der vollständige)  E-Mailverkehr von Ganser mit der Redaktion von EINSTEIN gezeigt wurde.

Nun mögen diese Fragestellungen durchaus berechtigt sein, wesentlicher scheint mir ein anderer Punkt. Ein professionelles journalistisches Selbstverständnis sollte sowohl vom Moderator als auch von den anderen beiden geladenen Medienschaffenden verlangen, dass sie auf der Seite derjenigen stehen, die Fragen stellen, und sehr wohl auch kritische Fragen. Das ist der genuine Auftrag der Medienschaffenden, ihre „Raison d‘ être“.  Wenn aber das Gegenteil passiert und Medienschaffende dazu übergehen, für sich die Wahrheit zu reklamieren (z.B. Schawinski, der Ganser entgegenhält: „9/11 ist untersucht, darüber rede ich nicht mit ihnen.“), dann sollte das zu höchster Vorsicht mahnen.

Insofern ist diese ARENA tatsächlich ein Beispiel dafür, wie es nicht geht. Wenn Moderatorinnen und Moderatoren über Wahrheit und Unwahrheit richten, wenn sie glauben, im Besitze der richtigen Sichtweise zu sein, haben sie längst ihre Aufgabe verlassen. Das hat sich am Beispiel der Wahl des US-Präsidenten Donald Trump gezeigt. Bis heute sind sich viele Moderatorinnen und Moderatoren in dieser Frage selbst zu nahe, wenn sie meinen, diese Wahl als Unfall oder Unvermögen des amerikanischen Volkes darzustellen. Damit wir uns richtig verstehen: Die Zuschauerinnen und Zuschauer haben selbstverständlich das Recht, das so zu sehen. Und die Medienschaffenden haben das Recht auf ihre eigene Meinung. Alleine: Sie mögen sie für sich behalten und dem Publikum ihr eigenes Urteil überlassen.

 

Bundesratskommunikation

Die Wetterkapriolen des Aprils scheinen den zartbesaiteten Gemütern der Schweizer Landesregierung zuzusetzen. Hüben wie drüben.

Da ist zunächst eine Justizministerin, die, als ehemalige Pianistin zartbesaitet, das Weite sucht und aus dem Nationalratssaal flüchtet, als ihr ein rechtskonservativer Nationalrat ordentlich an den Karren fährt. Ja Herrgottnochmal, ein Parlament ist nun mal kein Ponyhof und keine Gruppen-Mediation. Wie sagt der Volksmund: Wer die Hitze nicht erträgt, hat in der Küche nichts verloren.

Dann die nächste Posse um einen lustlosen Finanzminister. Er, der schon früher mit seiner eigener Befindlichkeit sein Publikum brüskierte, findet jetzt, er möge in einer Abstimmungssendung nicht gegen einen Kollegen aus der eigenen Partei antreten. Als das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht auf seine Forderungen eingeht, spielt auch er beleidigte Leberwurst und sagt seinen Auftritt kurzerhand ab.

Bei allem Verständnis dafür, dass sie sich nicht alles bieten lassen wollen: Die neuerdings zur Schau gestellte Dünnhäutigkeit ist peinlich. Die Entscheidung, den Ratssaal zu verlassen, statt mit gekonnter pointierter Rhetorik witzig zu kontern und den Angreifer so zu demaskieren, war die falsche Wahl. Und sendet ein falsches Zeichen ins Land hinaus: Davonlaufen statt zu kämpfen? Den Schwanz einziehen statt zu kontern? Oder ist das vielleicht einfach die typische Reaktion einer wohl saturierten Gesellschaft wie der schweizerischen, die lieber klein beigibt und davon rennt, statt selbstbewusst aufzutreten? Wie wollen Magistraten das Land in internationalen Verhandlungen vertreten, wenn sie auf diese Weise auf Verhandlungsdruck reagieren?

Nicht weniger peinlich auch die Posse um den Finanzminister. Dutzendfach schon haben Mitglieder des Bundesrates in Abstimmungsdebatten gegen die eigenen Parteifreunde antreten müssen, und oft  verhelfen genau solche Konstellationen zu einer überdurchschnittlich sachlichen und damit  für das Publikum sachdienlichen Debatte. Der Versuch, die Medienschaffenden erpressen zu wollen, ist hingegen ein weiteres schlechtes Signal. Es zeigt, dass es auch diesem  Magistraten an politischem Fingerspitzengefühl fehlt. Und an der Einsicht, dass die politische Elite eine Verantwortung hat dafür, wie Kommunikationsprozesse in einer Gesellschaft ablaufen, was ok ist und was nicht.

Führen heisst letzten Endes immer Vorleben. Das ist anstrengend und verlangt, das höhere Ziel im Auge zu behalten und eigene Befindlichkeiten dahinter zurückzustellen.  Wenn ein Mitglied des Bundesrats nach Jahren im Amt die dafür notwendige mentale Energie nicht mehr aufbringt, ist das bei dem hohen Druck, der in solchen Positionen herrscht, nachvollziehbar. Es solle dann aber auch dringend der Moment sein, Platz zu machen für unverbrauchte Kräfte.

Und jetzt weiss es jeder

Und jetzt weiss es jeder

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Es ist eine der schwierigsten Aufgaben, denen wir Kommunikationsexperten ausgesetzt sind: Eine Zeitung berichtet eine Unwahrheit, manchmal auch eine Wahrheit, oft eine Belanglosigkeit aus längst vergangenen Tagen. Objektiv betrachtet tendiert die Halbwertszeit solcher Veröffentlichungen in vielen Fällen gegen Null. Solange einem Wirtschaftskapitän, Amtsdirektor oder politischen Opinion-Leader nicht gerade Straftaten vorgeworfen oder ein so vollumfängliches Versagen unterstellt wird, dass ein Karriereknick unabwendbar erscheint, ist eine solche Publikation deshalb meist nicht weiter nennenswert.

Ausser dass, und das passiert regelmässig, die Betroffenen selbst sehr viel sensibler auf solche Publikationen reagieren. Je weniger Gegenwind sie auf ihrer Position gewohnt sind, umso schmerzhafter ist es für sie, wenn ihnen ein Medienschaffender ans Bein pinkelt mit irgend‘ einer Lappalie. Das ist menschlich verständlich und nachvollziehbar. Genau so wie ihr Wunsch, die eigene Kommunikationsabteilung möge gemeinsam mit dem Legal Office nicht nur den Medienschaffenden selbst, sondern am besten auch gleich noch seinen Chefredaktor und auch noch den Verleger strafrechtlich belangen wegen übler Nachrede, eventualiter Verleumdung, Falschanschuldigung, Beleidigung und was da sonst noch alles in Frage kommt.  Zeitgleich, so der verständliche Wunsch, möge jedem Individuum auf dem Planeten mitgeteilt werden, dass die publizierte Darstellung sachverhaltswidrig sei und sich in Wahrheit alles ganz anders zugetragen habe.

Wie gesagt: Diese Reaktion ist menschlich noch so verständlich. Wer lässt sich schon gerne von einem Journalisten vorführen, der meist schlecht recherchiert von von dritt- oder viertklassigen Quellen zugetragene Hören-Sagen-Geschichten veröffentlicht. – Und sich dann hinter dem Quellenschutz verstecken darf, wenn man von ihm wissen möchte, wer denn solchen Unsinn erzähle.

Dennoch: Den noch so nachvollziehbaren Rache- oder Korrekturgelüsten nachzugeben ist meist der grösste Fehler, den es in der Situation zu machen gibt. Und hier zeigt sich die Qualität sowohl der internen Kommunikationsfachleute als auch der externen Partner: Gelingt es ihnen, ihre Patrons von den Gegenmassnahmen abzuhalten, die dann nämlich erst zur Folge haben, dass ein jeder wahrnimmt, was ansonsten kaum einer gelesen und sich schon gar nicht memoriert hätte. Denn fast immer sind es erst die Dementis und Strafanzeigen, die dann so richtig Medienkarriere machen und auch noch im Hinterpfupfinger Anzeiger zu einer Geschichte werden.

Die Migros und ihre Kommunikation hat heute diesbezüglich nicht eben geglänzt. Was war passiert? Die Bilanz hatte in einem Artikel zur Frage, wie es nach dem Abgang von Dieter Berninghaus weitergehen möge, im Konjunktiv von nicht genannten internen Quellen geschrieben, es hätte offenbar ab und an laute Auseinandersetzungen zwischen Berninghaus und CEO-Herbert Bolliger gegeben. Das hätte wohl kaum einen weiter interessiert, hätte nicht die Migros mit der grossen Keule zurückgeschlagen und über den grösstmöglichen Verteiler eine Gegendarstellung nachgereicht, diese Darstellung sei so falsch. Was sie damit erreicht hat? Dass sich jetzt ein jeder überlegt, ob es vielleicht doch so gewesen sein könnte wie von der Bilanz berichtet. Sogar die, welche noch nie eine Bilanz in der Hand hatten.

 

Mehr dazu:

Das Communiqué der Migros

Der Artikel in der Bilanz

Und die prompte Reaktion des Boulevards

 

Fragwürdige Krisenkommunikation bei der NZZ

Es ist immer wieder frappierend, wie gerade Kommunikationskonzern scheitern, wenn es um Krisenkommunikation geht. Jüngstes Beispiel: Die NZZ. Verwaltungsratspräsident Etienne Jornod macht dabei eine erdenklich schlechte Falle.

Vorweg: Es geht hier nicht um die Frage, ob die Entmachtung von NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann inhaltlich gerechtfertigt war oder nicht. Ob er mit seinen vielen Aufgaben überfordert, publizistisch zu bescheiden, strategisch zu wenig visionär war oder in verschiedenen Situationen unglücklich agierte. Das mögen Experten beurteilen, welche näher dran waren an dem Geschehen an der Falkenstrasse in Zürich. Es geht hier auch nicht um die Frage, ob ein «Statthalter Blochers», wie Markus Somm sich gemäss SCHWEIZ AM SONNTAG selbst mal bezeichnet haben soll, als neuer Chefredaktor eingesetzt werden soll und damit «schlimme Befürchtungen (…) zur Gewissheit» werden, wie INFOSPERBER.CH polemisiert.

Die einzige Frage, die hier diskutiert werden soll: Wie metzget sich die NZZ in der Kommunikation dieser heiklen Situation?

Allein die Tatsache, dass die Entmachtung eines Chefredaktors in der Geschichte der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG einen singulären Vorgang darstellt, hätte dem Verwaltungsrat der NZZ klarmachen müssen, dass nun eine rasche, klare und transparente Kommunikation nötig ist, nach innen und nach aussen. Zugute zu halten ist ihm, dass das Unternehmen in seinem ersten Communiqué am 6. Dezember 2014 einigermassen deutlich kommuniziert, dass der Grund für den Rücktritt vom Verwaltungsrat aus ging und ein Konflikt zu Grunde lag. – Ein richtiger Entscheid aus der Sicht der Krisenkommunikation, denn dass Spillmann nicht einfach aus dem blauen Himmel heraus den Bettel hinwirft, wäre so oder so innert Minuten klar geworden.

Allerdings hätte dem Verwaltungsrat bei dieser Ausgangslage von vornherein klar sein müssen, dass mit einer solchen Meldung sofort die Frage heiss diskutiert würde, wer nun denn Nachfolger von Spillmann werden solle beziehungsweise, weil ja das Ansinnen war, die Last der Publizistik auf mehr Schultern zu verteilen, wie das denn konkret vonstatten gehen sollte.

Hier ist das erste Versagen des obersten NZZ Führungsgremiums zu konstatieren. Statt in weiser Voraussicht so zu planen, dass bis zum Zeitpunkt der Eskalation mit der Mitteilung von Spillmanns Rücktritt als Chefredaktor alle offenen Fragen geklärt sind – und auch kommuniziert werden können – liess der Verwaltungsrat mit Etienne Jornod an der Spitze ein Informationsvakum entstehen. – Das Problem ist indes nicht primär ein Kommunikationsproblem, es ist ein operatives Problem und zeugt von schlechtem Management. Schlimm genug, dass im gesamten Verwaltungsrat offenbar kein Kommunikationsspezialist sitzt, der rechtzeitig auf das Problem aufmerksam gemacht hatte – oder das Gewicht hatte, von Jornod auch gehört zu werden. Schlimm genug auch, dass offenbar niemand im Verwaltungsrat mit dem Redaktionsstatut so weit vertraut ist, als dass er oder sie wüsste, dass die Redaktion ein Mitspracherecht hat bei der Ernennung eines Chefredaktors. – Vielleicht aber auch ein erster Hinweis darauf, dass sich halt ein Verwaltungsratspräsidium bei einer so exponierten Gesellschaft wie der NZZ schlecht als Hobby betreiben lässt, wie das Etienne Jornod tut.  – Jornod ist gemäss Moneyhouse zum aktuellen Zeitpunkt – 15.12.2014 – Mitglied oder Präsident in 23 Verwaltungsräten!

Am Sonntag folgte dann der Super-GAU. In einem Artikel der SCHWEIZ AM SONNTAG berichtet Autor Christof Moser (#christoph_moser) ausführlich, dass offenbar hinter den Kulissen der Mist längst geführt sei. Der heutige BAZ-Chefredaktor Markus Somm nämlich solle das Erbe von Spillmann antreten. Somm, dem zusammen mit Christoph Blocher und Verlagsmanager Rolf Bollmann die BAZ zu einem Drittel gehört und der eine autorisierte Biografie über Christoph Blocher geschrieben hat, löst umgehend heftige Abwehrreaktionen auf der NZZ-Redaktion aus. –  Dem ECHO DER ZEIT von SCHWEIZER RADIO DRS wird, auf entsprechende Nachfrage, beschieden, NZZ-Verwaltungsratspräsident Jornod befinde sich im Ausland, aus dem Verwaltungsrat sei niemand in der Lage, die Situation zu kommentieren.

Und darin liegt das zweite grosse Versagen in der Krisenkommunikation der NZZ. Wie fundiert der Artikel von Christoph Moser nun auch sei (und auf Anhieb wirkt er, sich immer wieder auf verschiedene Quellen abstützend, durchaus handwerklich korrekt) – eine Reaktion verlangt er auf jeden Fall. Und zwar umgehend. Mit seinem Schweigen aber stösst Jornod nicht nur die gesamte Redaktion der NZZ vor den Kopf, er desavouiert auch Markus Somm, so denn dieser tatsächlich im Rennen um Spillmanns Nachfrage gewesen sein sollte. Und er lässt zu, dass der NZZ ein enormer Reputationsschaden entsteht. Das Vorgehen erinnert stark an das dieses Kreuzschiff-Kapitäns, der nach einer Havarie nicht auf der Brücke war, sondern sich schnell absetzte. Ihm wird gegenwärtig der Prozess gemacht.

 

Die «Mea Culpa»-Strategie

Es war das ganz grosse Skandalisierungspotential: Der Grüne Nationalrat und Badener Stadtammann Geri Müller habe Nackt-Selfies von sich an eine junge Frau geschickt, berichtete die SCHWEIZ AM SONNTAG im Artikel ihres Chefredaktors Patrik Müller am letzten Sonntag. Und noch schlimmer: Er habe die Frau bedroht, das Handy herauszugeben und sein Amt missbraucht, indem er ihr die Polizei auf den Hals hetzte.

Zwei Tage später hat Gerry Müller das Gesetz des Handelns an sich gerissen und sich in einer halbstündigen Medienkonferenz erklärt. Quintessenz seiner Aussage: Müller schämt sich für den Vorfall und die Schmuddel-Chats, bittet dafür um Entschuldigung, will aber seine Ämter nur abgeben, falls er realisiert, dass das Vertrauen in seine Person nicht mehr gegeben ist.

Was ist von dem Auftritt zu halten?

Zunächst hat Müller die richtige Strategie gewählt – schade, dass er recht viel Zeit brauchte, bis er auf die Vorwürfe reagierte. Müller selbst rechtfertigt das mit dem Druck, der auf ihm gelastet habe. Das ist nachvollziehbar – genau deshalb plädieren wir auch immer dafür, in einer Krisensituation die Betroffenen und auch die Mitglieder des Krisenstabes durch Profis zu betreuen. Dadurch kann sichergestellt werden, dass Betroffene auch in grossen Belastungssituationen durchhalten – die halbe Miete in solchen Fällen. Und aus demselben Grunde ist es häufig auch nötig, in solchen Belastungssituationen zusätzliche externe Hilfe von aussen zu holen. Schlicht, weil die Fülle der Aufgaben von einem Kleinst-Team nicht zu bewältigen ist. Gut beraten sind natürlich diejenigen, welche sich rechtzeitig um Partner für solche Situation umgesehen haben und  im Ereignisfall nicht erst noch suchen müssen.

In der Krisenkommunikation werden verbale, paraverbale und nonverbale Ebene der Kommunikation von allerlei Auguren bis ins Detail analysiert. Müller wirkte in seiner Medienkonferenz niedergeschlagen, übernächtigt, belastet – einen Wahlkampf würde er auf diese Art nicht gewinnen können. In der gegebenen Krisensituation wirkt das alles aber goldrichtig. Die Schusseligkeit, dass es ihm zu Beginn der Konferenz nicht einmal mehr gelingen mag, eine Mineralwasserflasche zu öffnen, wirkt authentisch und wird vom Publikum als Bestätigung dafür empfunden, wie stark er unter Druck stehen muss.

Details in der Wortwahl pflegen

Auf der verbalen, also der Wort-Ebene, machen wir einige Details aus, die verbesserungswürdig sind. Müller spricht zum Beispiel «eine dunkle Seite» an, die er habe. Eine solche Aussage ist geeignet, in den Köpfen des Publikums ein düsteres Bild und weitere Fragen entstehen zu lassen. Umso mehr, wenn diese Aussage dann zur Titel- und Schlagzeile vieler Veröffentlichungen wird. Wir empfehlen, in einer Krisensituation auf die Lösung, auf die Lehren, auf die Zukunft zu fokussieren. Wichtig ist auch, nur über eigene Handlungen, Beobachtungen und Wahrnehmungen zu sprechen – und nicht über diejenigen von involvierten Dritten. Müller erzählt z.B. von einer Hausdurchsuchung, die stattgefunden habe. Das erscheint im Moment unproblematisch, trotzdem spricht er über eine Aktion von Dritten, nämlich der Kantonspolizei Bern – was er nicht tun sollte. Heikler wird es, wenn er aussagt, weder die Frau noch er hätten sich je belästigt gefühlt. In der Praxis zeigt sich, dass diese Dritten, für die stellvertretend Aussagen gemacht werden, sich hernach oft selbst zu Wort melden – möglicherweise mit einer abweichenden Darstellung, was dann häufig Probleme verursacht und die Frage aufwirft, ob da wirklich ehrlich kommuniziert worden war.

Ein letzer Punkt: Müller hat am Schluss seiner Medienkonferenz keine Fragen der Medienschaffenden mehr beantwortet. Dieses Verhalten ist geneigt, beim Publikum den Eindruck zu erwecken, dass Müller doch noch Dinge zu verstecken hat oder kritische Fragen scheut. Wenn er dann am selben Tag abends im CLUB des SCHWEIZER FERNSEHENS doch auftritt und sich Fragen stellen lässt, wird das von vielen der Medienschaffenden, welche diese Chance nicht erhalten haben, als Affront empfunden werden. Eine gut moderierte, zeitlich begrenzte Fragerunde am Ende der Medienkonferenz hätte dem entgegen gewirkt.

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