blick.ch: so wird heute recherchiert

blick.ch: so wird heute recherchiert

Natürlich birgt die Geschichte auch nicht ein kleines Quentchen Relevanz. Ausser, dass sie zeigt, wie heute auf einigen Nachrichtenportalen Journalismus betrieben wird.

«Sie ist Leos neue Liebe» titelt blick.ch am 15. Oktober. Kat Torres sei die neue Geliebte des Hollywood-Schwarms, der die Frauen so schnell wechsle, wie man gar nicht guken (sic!) könne. Und im Lauftext: «Kat Torres (24) bestätigt gegenüber der brasilianischen Zeitung «Extra» die Beziehung zum Schauspieler. Er sei «einfach wunderbar», schwärmt sie.»

 

Eine Bestätigung würde heissen: Die Information stammt von woanders her, Frau Torres hat nun erklärt: Ja, diese Information ist wahr.

Zwei Tage später dann eine neue Geschichte: «Lügen haben lange Beine». Torres, so die neue Überschrift, habe die Lüge nur erfunden. Quelle dafür: Das Umfeld von Leo Di Caprio, aus dem verlautet, das Modell sei wohl auf der Suche nach einem neuen Modell-Vertrag
.

Das traurige darin: Die Verluderung der journalistischen Sitten. Am Dienstag wird eine Geschichte ins Netz gehievt, ganz offensichtlich ohne jede Doppel-Check-Recherche. Der Leserschaft wird erst noch suggeriert, die Geschichte sei nicht nur behauptet, sondern gar «bestätigt». Zwei Tage später holt die Realität die Journalisten ein, die freimütig über ihr Versagen berichten – wahrscheinlich haben sie noch gar nicht bemerkt, dass die Lügengeschichte auf sie zurückfällt.

Übrigens: Ob die Version Di Caprios der Wahrheit entspricht, hat blick.ch natürlich nicht recherchiert. Warum sollte man auch?

Blick kommt nicht zur Ruhe

Die BLICK-Gruppe im Verlagshaus Ringier kommt nicht zur Ruhe. Nachdem vor kurzem mit grossem Getöse René Lüchinger als neuer Chefredaktor installiert worden war, vermeldet das Blatt nun weitere Abgänge. Polit-Chef Jürg Auf der Maur wechselt im nächsten Jahr als Chefredaktor zum BOTEN DER URSCHWEIZ. Er ist der letzte in einer ganzen Reihe von Abgängen. Zunächst liess Ringer via NZZ AM SONNTAG verlauten, die interimistische Chefredaktorin Andrea Bleicher werde nicht im Amt bestätigt, sondern durch Lüchinger ersetzt. Der Entscheid wurde trotz einer Protestnote der Redaktion von Ringier-CEO Marc Walder wenig später offiziell. Bleicher zog daraufhin die Konsequenzen und kündigte. Und mit ihr der langjährige BLICK-Kadermann Rolf Cavalli, der zuletzt Leiter der Chefredaktorenkonferenz der BLICK-Gruppe war (mit BLICK, SONNTAGSBLICK, BLICK AM ABEND und BLICK.CH). Parallel dazu entliess das Haus den langjährigen Linksaussen-Bundeshausredaktor Henry Habegger – er hatte Streit mit Andreas Kunz, den Bleicher bei der WELTWOCHE abgeworben und als stellvertretenden Leiter des Polit-Ressorts installiert hatte. Kunz kündigte entnervt, und wie nun publik wird, konnte ihn auch Habeggers Entlassung nicht dazu motivieren, seine Kündigung zurückzuziehen.

SRF: Aufwändige Eigenproduktion zur Schweizer Geschichte

SRF: Aufwändige Eigenproduktion zur Schweizer Geschichte

Die SRG SSR IDEE SUISSE lanciert im November in allen ihren Programmen einen Themenschwerpunkt zur Geschichte und zu den Zukunftsperspektiven der Schweiz. Kernstück des Angebots seien vier Filme über ausgewählte Schweizer Persönlichkeiten, teilt die SRG heute mit.

«Die Schweizer» nennt sich das Format und portraitiert in vier Episoden Schweizer, die mit ihrem Wirken «Wendepunkte» in der Schweizer Geschichte markierten: Werner Stauffacher, Hans Waldmann und Niklaus von Flüe, Henri Dufour sowie Alfred Escher und Stefano Fascini. Dabei soll insbesondere den Mythen und Sagen der Schweizer Geschichte nachgespürt werden, erläuterte SRG-Generaldirektor De Weck in einem PR-Beitrag in eigener Sache, der in der Sendung 10VOR10 ausgestrahlt wurde.

Kommentar: Das Problem mit der Qualität

Schön, wenn sich Chefredaktoren mit der Qualität der Medien auseinandersetzen. Noch besser, wenn Sie dabei nicht einfach jede Kritik in den Wind schlagen, wie das nach der kritischen Rede von Bundespräsident Ueli Maurer am Verlegerkongress und der Präsentation des Jahrbuchs über die Qualität der Medien durch die Uni Zürich wieder mal passierte.

Blöd nur, wenn der besagte Chefedaktor es dann in seinem Editorial nicht schafft, 55 Zeilen lang ohne Fehler zu bleiben. So macht er aus der CLUB-Moderator Karin Frei kurzerhand «die grottenschlechte Moderation von Karin Lanz».

Wie ging der noch? Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen? Man mag einwerfen, dass der Schaden sich in Grenzen halte, wenn solches in der WERBEWOCHE geschehe. Nur eben: Wenn der Chef nicht mal die Namen der Kollegen aus der Branche richtig wiedergeben kann: Wie steht’s wohl dann um die Qualität der anderen gebotenen Inhalte?

 

 

Arthur Rutishauser neuer Chefredaktor der SONNTAGSZEITUNG

Arthur Rutishauser neuer Chefredaktor der SONNTAGSZEITUNG

Wie das Verlagshaus Tamedia AG bekannt gibt, wird der bisherige stellvertretende TAGES-ANZEIGER-Chefredaktor Arthur Rutishauser neuer Chefredaktor der SONNTAGSZEITUNG. Er löst damit Martin Spieler ab, der dem Blatt in den letzten
Rutishauser arbeitete bereits von 2000 bis 2007 für das Blatt, zuerst als Wirtschaftsredaktor, ab 2003 als Leiter des Wirtschaftsressorts. Rutishauser ist 48 Jahre alt Im Jahr 2002 erhielt Rutishauser den Zürcher Journalistenpreis für seine Arbeiten zur Swissair. Gleichwohl löst seine Ernennung bei etlichen Wirtschaftsjournalisten Kopfschütteln aus: Rutishauser gilt als Journalist, der auch bei unklarer Faktenlage publiziert und sich schon mehrfach ins Abseits stellte, weil sich seine Geschichten im Nachhinein als haltlos herausstellten.

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