by Patrick Senn | 12.09.2013 | Uncategorized
Das Neuenburger Kantonsgericht pfeifft seine übereifrige Staatsanwaltschaft zurück. Die Richter haben am Mittwoch entschieden, dass Material, welches im Rahmen einer Hausdurchsuchung beim Journalisten Ludovic Rocchi beschlagtnahmt worden war, zurückgegeben werden muss.
Mitte August hatte die Polizei auf Anordnung des zuständigen Staatsanwaltes das Haus des Journalisten durchsucht und Material beschlagnahmt, darunter auch solches seiner Frau. Durch die Tessiner Polizei wurde Rocchi zudem im Locarno, wo der Journalist zu der Zeit weilte, der Computer beschlagnahmt. Der Grund für die illegalen Untersuchungshanldungen war eine Anzeige, nachdem Rocchi im LE MATIN über Plagiate in einem Buch eines Professors der Universität Neuenburg berichtet hatte.
Die Richter fanden nun deutliche Worte und bezeichneten die Hausdurchsuchung als Unsinn, die Vorgehensweise der Staatsanwaltschaft Neuenburg als voreilig, überhastet und unsensibel. Eine Hausdurchsuchung dürfe kein Mittel sein, um Medienschaffende unter Druck zu setzen, im Gegenteil sei es Aufgabe des Rechtsstaates, sie davor zu schützen.
by Patrick Senn | 02.09.2013 | Uncategorized
Rund 17 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauen sahen sich in Deutschland die einzige grosse TV-Debatte zwischen den beiden Kanzlerkandidaten Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) an. Das Format, bei dem vier Medienschaffende zwei Kandidaten befragten, wurde gleichzeitig auf fünf Kanälen ausgestrahlt.
Der Marktanteil lag nach Angaben des deutschen Internet-Medienmagazins „Meedia“ bei 29,1 Prozent. Die meisten Zuschauer/innen erzielte dabei die ARD: 10,11 Millionen Zuschauer verfolgten die Debatte beim Ersten. Im ZDF schauten 3.7 Millionen zu, auf RTL 2.2 Millionen, bei ProSieben 1.5 Millionen und bei Phoenix 0.08 Millionen.
Das Duell zwischen Steinbrück und Merkel geht damit als dasjenige mit den zweitmeisten Zuschauerinnen und Zuschauern in die Geschichte ein: Einzig Merkel gegen Schröder im Jahr 2005 hatte es noch auf ein grösseres Publikum gebracht: 21 Millionen schauten seinerzeit zu.
Die meisten Beobachter sprachen nach der Sendung von keinem klaren Sieger.
by Patrick Senn | 12.08.2013 | Medienwelt, News
Wie die NZZ AM SONNTAG am 11. August berichtet, soll der Journalist René Lüchinger neuer Chefredaktor des BLICK werden. Das berichtet die Zeitung ohne genauere Angabe von Quellen. Der bislang interimistischen Chefin des Blattes, Andrea Bleicher, soll ein neuer Job innerhalb von Ringier angeboten werden.
Die Ernennung von Bleicher anfangs Februar wurde als kleine Sensation gehandelt, war sie doch die erste Frau auf diesem Posten. Sie löste damals Ralph Grosse-Bley ab, der 2009 ein zweites Mal zu Ringier gestossen war. Sein erstes Engagement endete im Nachgang der «Borer-Affäre» von 2003. Grosse-Bley, der aus Berlin eingewechselt worden war, habe die Schweiz nie verstanden, moniert die NZZAS.
Ironie des Schicksals: Strippenzieher hinter der erneuten Personalrochade soll wiederum Frank A. Meyer sein sein: Er hatte jeweilen die wenig erfolgreichen deutschen Chefredakteure an die Dufourstrasse ins Ringier-Pressehaus gelotst und soll offenbar den politischen Diskurs mit Bleicher als zu wenig fruchtbar empfunden haben. Dieser Terminus wird in der Branche für die Tatsache verwendet, dass eine Chefredaktor/in zu wenig nach der Pfeife des pensionierten Ringier-Souffleurs Meyer tanzt.
Lüchinger soll, so die NZZ AM SONNTAG, mehr ein Mann von Meyer sein.
by Patrick Senn | 03.07.2013 | Medienwelt, News
Wie das SCHWEIZER FERNSEHEN am Dienstag berichtet, verlässt die TV-Journalistin und 10vor10-Moderatorin Christine Maier den Sender und wird Chefredaktorin des SONNTAGSBLICKS. Die Nachricht kommt auch für Experten überraschend. Zum einen hat Maier die Moderation von 10vor10 erst vor zwei Jahren übernommen, zum anderen verfügt sie weder über weitreichende Print- noch über die Führungserfahrung zur Leitung einer Redaktion wie der des SONNTAGSBLICKS. Maier hatte zwischen 1990 und 1995 für die Ringier-Zeitschrift SCHWEIZER ILLUSTRIERTE gearbeitet. 2001 kam sie als Moderatorin des CLUBS (früher: ZIISCHTIGSCLUB) zum SCHWEIZER FERNSEHEN zurück, ab 2006 leitete sie die Sendung.
Der SONNTAGSBLICK war zuletzt von Rolf Cavalli interimistisch geleitet worden; Cavalli hatte das Blatt im letzten November nach der Trennung vom deutschen Journalisten und Chefredaktor Carsten Witzmann übernommen. Der Ringier-Verlag schreibt in einer Mitteilung vom Dienstag, man habe mit Maier eine «der arriviertesten und vielseitigsten Journalistinnen» gewinnen können.
Christine Maier ist 48 Jahre alt und zuletzt durch die Boulevardpresse gegangen, weil ihr eine Beziehung mit dem Unternehmer Philippe Geydoul nachgesagt wird. Laut einem Bericht im TAGES-ANZEIGER soll sie mit der Entscheidung lange gerungen haben. Der Abschied vom TV falle ihr schwer, sie sei aber beruflich immer wieder zu neuen Ufern aufgebrochen.
by Patrick Senn | 24.06.2013 | Uncategorized
Seit Beginn des Jahres 2013 – also seit einem halben Jahr – verfügen die elektronischen Medien in der Schweiz über keine Zuschauerdaten mehr. – Damals hatte die Mediapulse AG, welche die Messungen im Auftrag der Schweizer Medienhäuser vornimmt, auf eine neue Methodik gewechselt. Zielsetzung: In einer Zeit, in der die Nutzung von Radio- und TV-Beiträgen über das Internet und Podcasts immer relevanter wird, sollten auch diese Nutzungsdaten miteinbezogen werden.
Nur: Seit klargeworden ist, dass insbesondere Private Stationen und Regional-Sender mit der neuen Messmethode wesentlich weniger Publikum hätten, versuchen diese mittels gerichtlichen Verfügungen, die Publikation der Daten zu verhindern. Der Fall liegt mittlerweilen beim Bundesgericht.
Nur in den kurzen Perioden zwischen den einzelnen superprovisorischen Verfügungen dringen dann gelegentlich Messwerte nach aussen – wie etwa der Quotenflop der Langzeitreportage von SRF aus dem Zürich Trendquartier (35’000 Zuschauerinnen und Zuschauer).
Die jüngste Eskalation hat jetzt SRF angekündigt: Der Sender erwägt eine Klage gegen den Sender 3+, der die Zahlen bis vor Bundesgericht anficht.
Die erwähnten Zahlen sind deshalb von enormer Bedeutung, weil die Kosten für Werbespots daran gemessen werden, wieviele Zuschauerinnen und Zuschauer die entsprechende Werbebotschaft gesehen haben. – Ohne diese Zahlen müssen die Werbetreibenden quasi «im Blindflug» Werbespots buchen und können nicht kontrollieren, ob die Zielgruppen, die sie erreichen wollen, auch tatsächlich erreicht werden.