Ein neues TV für die Schweiz

Ein neues TV für die Schweiz

Blick in die TV Regie von Tele M1

TV24 – so heisst eine neue Schweizer TV-Station, die im Laufe des Jahres 2014 ihren Betrieb aufnehmen soll. Hinter dem Projekt steckt die AZ-Gruppe des Aargauer Verlegers Peter Wanner. Zu seinem Medien-Imperium gehören heute schon diverse TV-Stationen, nämlich Tele M1 (Aargau und Solothurn), Tele Züri (fast gesamte Deutschschweiz) und Tele Bärn (Grossagglomeration Bern).

Wie die AZ Medien schreiben, werde TV24 «das vorhandene TV-Portfolio der AZ Medien» ergänzen.  Der neue TV-Sender soll gemäss eigenen Aussagen Schweizer Eigenproduktionen, Dokumentationen, Serien und Spielfilme als auch lokale und überregionale News aus Politik, Kultur, Wirtschaft und Sport ausstrahlen.

Wie die Aargauer Zeitung (aus dem gleichen Hause) am Montag auf ihrer Internetseite schreibt, soll die Verbreitung insbesondere über Kabel erfolgen. Neues Personal werde nicht oder erst schrittweise eingestellt – dies lässt darauf schliessen, dass der neue Kanal insbesondere mit Material aus den drei TV-Stationen bestückt werden soll – angereichert um einige Serien- oder Dokumentarfilm-Einkäufe.

Die Nachricht von der Lancierung des Senders hat entsprechend keine hohen Wellen geworfen – auf den eigenen TV-Kanälen war die Nachricht den Redaktionen gerade einmal eine Kurzmeldung wert.

Sigmar Gabriel schnoddrig bis arrogant

[vc_row][vc_column][vc_column_text]ZDF heute journal – ZDFmediathek – ZDF Mediathek

Ein schönes Beispiel, wie man sich aus der besten Abschluss-Position völlig ins Offside sprechen kann, liefert der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel im HEUTE JOURNAL vom 18. November 2014. Marietta Slomka interviewt Gabriel dort zur Frage, wie demokratisch es sei, dass die SPD-Basis den Koalitionsvertrag absegnen darf. Die SPD-Mitglieder, so die Kritik, die Slomka vorträgt, hätten damit mehr Einfluss auf die deutsche Regierungspolitik als ein «normaler» Wähler.

Inhaltlich steht die These im Raum, dass die SPD-Parteileitung dem Koalitionsvertrag nicht zuletzt deshalb sehr weitgehend ihren Stempel aufdrücken konnte, weil die Union sehr genau wusste, dass bei einem Nein der SPD-Basis das Risiko bestand, sich am Ende als Wahlsiegerin aus der Regierungsverantwortung zu nehmen, weil niemand mit ihr koalieren mochte.  – Nur: Die Kritik an der SPD in dem Zusammenhang  ist leicht zu kontern.  Was denn, so das Argument, kann demokratischer sein als eine Urabstimmung an der Parteibasis? – Auch Slomka selbst wusste das wohl nicht recht, konnte in ihren Fragen allerdings Staatsrechtsprofessoren zitieren, die sich durchaus kritisch zu dem Vorgehen äusserten.

Für Gabriel müsste ein solches Interview einen Steilpass darstellen, um mit einem Augenzwinkern Parteimitglieder zu werben: Die Tatsache, dass bei der SPD anders als bei CDU und CSU die Basis mitreden kann, verschafft der Partei und deren Funktionären einen Sympathievorsprung. Und macht die SPD für die Mitglieder an der Basis attraktiv, denn hier haben sie etwas mitzureden.

Sigmar Gabriel schafft es indes, aus dieser besten Position heraus in wenig mehr als sieben Minuten alle Sympathiepunkte zu verspielen und am Schluss als arroganter Besserwisser und unsympathischer Wichtsack dazustehen. Wie er das schafft? Zunächst, indem er Slomka für den Einwand, dass offenbar doch nicht alle SPD-Mitglieder die grosse Koalition nur toll finden würden, unsachlich abkanzelt. Man habe halt die positive Stimmung nicht bis Mainz gehört, bescheidet der Parteivorsitzende der Moderatorin, schon leicht gereizt. Nachdem Gabriel seine Argumente vorgebracht hat, Slomka aber weiter insistiert, verliert Gabriel mehr und mehr die Contenance. Noch dicker kommt’s, als Gabriel wenig später in Abrede stellt,  dass überhaupt ein vernünftiger Staatsrechtler öffentlich die Frage stellen könnte, ob das SPD-Vorgehen richtig sei. Blöd für den SPD-Mann: Just eben hat einer dieser Staatsrechtler in einem Beitrag genau diese Frage öffentlich gestellt. Und andere haben’s in der Zeitung getan. Gabriels Reaktion zeigt: Er ist nicht informiert und überheblich.Sein Versagen gipfelt darin, dass er Slomka vorwirft, es sei nicht das erste Mal, dass das ZDF versuchen würde, SPD-Vertretern das Wort im Munde zu verdrehen.

Mit Verlaub: Das hat einerseits Slomka nicht gemacht. Andererseits gehört es zu Ihrer Aufgabe, nachzufragen. Wenn SPD-Spitzenfunktionäre rhetorisch nicht in der Lage sind, in einem solchen Gespräch zu bestehen, haben sie auch in einer Regierung nichts verloren.

Der Auftritt Gabriels hat in Deutschland eine heftige Kontroverse ausgelöst, Gabriel wurde sofort von weiteren SPD-Funktionären sekundiert, welche sich ebenfalls über Journalisten empören, die so dreist sind, Nachfragen zu stellen. Sogar CSU-Seehofer stimmt in das Geheule über die Medien ein. SPD-Anhänger trösten sich damit, dass eine online-Umfrage der deutschen BILD-ZEITUNG ergibt, dass etwa gleich viele Menschen Gabriel und Slomka daneben fanden: 51% meinen, Gabriel hätte souveräner sein müssen, 49% fanden, er habe die Vorwürfe gut pariert. Der Trost ist freilich nur ein oberflächlicher. Bei genauerer Betrachtung müsste man nämlich zum Schluss kommen, dass Gabriel aus einer Situation wie der vorliegenden eine Sympathiequote von mindestens 95% der Zuschauerinnen und Zuschauer hätte herausholen müssen.

Und die Lessons learned für Gabriel?

  • Kritische Fragen immer ernst nehmen. Auch wenn sie tatsächlich lächerlich sind und schwer nachvollziehbar: Nur wer sachlich argumentiert und die Contenance bewahrt, wird selbst ernst genommen. Beleidigungen oder Beschimpfungen, sei es gegen Medienschaffende oder Kritiker,  kosten unnötig Sympathiepunkte.
  • Journalistenschelte im Live-Interview ist immer heikel: Wer sie anbringen will, muss sehr gut vorbereitet und in der Lage sein, die Kritik knapp und präzise auf den Punkt zu bringen. Und: Medienschelte ist nur möglich, wenn diese gegen die ethischen Regeln verstossen haben. Dass Medienschaffende die Kritik Dritter aufnehmen und um eine Stellungnahme dazu bitten, ist kein solcher Verstoss, sondern normale journalistische Arbeit.

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Arthur Rutishauser neuer Chefredaktor der SONNTAGSZEITUNG

Arthur Rutishauser neuer Chefredaktor der SONNTAGSZEITUNG

Wie das Verlagshaus Tamedia AG bekannt gibt, wird der bisherige stellvertretende TAGES-ANZEIGER-Chefredaktor Arthur Rutishauser neuer Chefredaktor der SONNTAGSZEITUNG. Er löst damit Martin Spieler ab, der dem Blatt in den letzten
Rutishauser arbeitete bereits von 2000 bis 2007 für das Blatt, zuerst als Wirtschaftsredaktor, ab 2003 als Leiter des Wirtschaftsressorts. Rutishauser ist 48 Jahre alt Im Jahr 2002 erhielt Rutishauser den Zürcher Journalistenpreis für seine Arbeiten zur Swissair. Gleichwohl löst seine Ernennung bei etlichen Wirtschaftsjournalisten Kopfschütteln aus: Rutishauser gilt als Journalist, der auch bei unklarer Faktenlage publiziert und sich schon mehrfach ins Abseits stellte, weil sich seine Geschichten im Nachhinein als haltlos herausstellten.

Illegale Hausdurchsuchung

Das Neuenburger Kantonsgericht pfeifft seine übereifrige Staatsanwaltschaft zurück. Die Richter haben am Mittwoch entschieden, dass Material, welches im Rahmen einer Hausdurchsuchung beim Journalisten Ludovic Rocchi beschlagtnahmt worden war, zurückgegeben werden muss.

Mitte August hatte die Polizei auf Anordnung des zuständigen Staatsanwaltes das Haus des Journalisten durchsucht und Material beschlagnahmt, darunter auch solches seiner Frau. Durch die Tessiner Polizei wurde Rocchi zudem im Locarno, wo der Journalist zu der Zeit weilte, der Computer beschlagnahmt. Der Grund für die illegalen Untersuchungshanldungen war eine Anzeige, nachdem  Rocchi im LE MATIN über Plagiate in einem Buch eines Professors der Universität Neuenburg  berichtet hatte.

Die Richter fanden nun deutliche Worte und bezeichneten die Hausdurchsuchung als Unsinn, die Vorgehensweise der Staatsanwaltschaft Neuenburg als voreilig, überhastet und unsensibel. Eine Hausdurchsuchung dürfe kein Mittel sein, um Medienschaffende unter Druck zu setzen, im Gegenteil sei es Aufgabe des Rechtsstaates, sie davor zu schützen.

Jede(r) 5. Deutsche schaute das Kanzler-Duell

Rund 17 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauen sahen sich in Deutschland die einzige grosse TV-Debatte zwischen den beiden Kanzlerkandidaten Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) an.  Das Format, bei dem vier Medienschaffende zwei Kandidaten befragten, wurde gleichzeitig auf fünf Kanälen ausgestrahlt.

Der Marktanteil lag nach Angaben des deutschen Internet-Medienmagazins „Meedia“ bei 29,1 Prozent. Die meisten Zuschauer/innen erzielte dabei die ARD:  10,11 Millionen Zuschauer verfolgten die Debatte beim Ersten. Im ZDF schauten 3.7 Millionen zu, auf RTL 2.2 Millionen, bei ProSieben 1.5 Millionen und bei Phoenix 0.08 Millionen.
Das Duell zwischen Steinbrück und Merkel geht damit als dasjenige mit den zweitmeisten Zuschauerinnen und Zuschauern in die Geschichte ein: Einzig Merkel gegen Schröder im Jahr 2005 hatte es noch auf ein grösseres Publikum gebracht: 21 Millionen schauten seinerzeit zu.
Die meisten Beobachter sprachen nach der Sendung von keinem klaren Sieger.

Streit um Quoten eskaliert

Seit Beginn des Jahres 2013 – also seit einem halben Jahr – verfügen die elektronischen Medien in der Schweiz über keine Zuschauerdaten mehr. – Damals hatte die Mediapulse AG, welche die Messungen im Auftrag der Schweizer Medienhäuser vornimmt, auf eine neue Methodik gewechselt. Zielsetzung: In einer Zeit, in der die Nutzung von Radio- und TV-Beiträgen über das Internet und Podcasts immer relevanter wird, sollten auch diese Nutzungsdaten miteinbezogen werden.

Nur: Seit klargeworden ist, dass insbesondere Private Stationen und Regional-Sender mit der neuen Messmethode wesentlich weniger Publikum hätten, versuchen diese mittels gerichtlichen Verfügungen, die Publikation der Daten zu verhindern. Der Fall liegt mittlerweilen beim Bundesgericht.

Nur in den kurzen Perioden zwischen den einzelnen superprovisorischen Verfügungen dringen dann gelegentlich Messwerte nach aussen – wie etwa der Quotenflop der Langzeitreportage von SRF aus dem Zürich Trendquartier (35’000 Zuschauerinnen und Zuschauer).

Die jüngste Eskalation hat jetzt SRF angekündigt: Der Sender erwägt eine Klage gegen den Sender 3+, der die Zahlen bis vor Bundesgericht anficht.

Die erwähnten Zahlen sind deshalb von enormer Bedeutung, weil die Kosten für Werbespots daran gemessen werden, wieviele Zuschauerinnen und Zuschauer die entsprechende Werbebotschaft gesehen haben. – Ohne diese Zahlen müssen die Werbetreibenden quasi «im Blindflug» Werbespots buchen und können nicht kontrollieren, ob die Zielgruppen, die sie erreichen wollen, auch tatsächlich erreicht werden.

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