Richtig reagieren auf kritische Fragen

Sie stehen im Fokus der Kameras, das gleissende Scheinwerfer-Licht treibt Ihnen unter der TV-Schminke den Schweiss aus den Poren. Da ist sie, die Frage, die Sie nicht erwartet hatten. – Und nun?

Zunächst wollen wir selbstverständlich versuchen, es gar nicht soweit kommen zu lassen. Deshalb unser Fünf-Punkte-Programm zur Vorbereitung eines jeden Medienauftritts. Insbesondere der Probedurchgang als fünfter Punkt sollte dazu beitragen, Ihre Botschaft noch einmal daraufhin abzuklopfen, ob Sie auch kritischen Fragen standhält.

Dazu gibt es selbstverständlich eine Anzahl rhethorischer Muster und Werkzeuge, um kritische Fragen professionell und sympathisch zu parieren.

 

Fragen ignorieren ist ein “No-Go”

Es gibt immer wieder politische Parteien und Medientrainer, die Ihren Kunden und Repräsentanten empfehlen, auf die Frage des Medienschaffenden gar nicht einzugehen, sondern völlig unabhängig von der Frage gleich mit der Botschaft einzusteigen. Wir raten davon ab: Zunächst sollten Sie Ihr Publikum nicht für dumm verkaufen, zum anderen laufen Sie je nach Journalist Gefahr, dass er auf seine Frage zurück kommt – mit einer Formulierung wie: “Das war zwar auch eine Antwort, aber nicht auf meine Frage. Noch einmal: Haben Sie von den gefälschten Zahlen gewusst?”

 

Die Meta-Ebene für unangemessene Fragen

Medienschaffende stellen gerne hypothetische Fragen, manchmal auch zu intime Fragen. Eine Technik dagegen ist, auf die Meta-Ebene der Kommunikation zu wechseln und die Kommunikation selbst zum Thema zu machen: “Das ist eine hypothetische Frage, deshalb kann ich sie nicht beantworten….” oder “Das ist eine sehr persönliche Frage, die mir zu nahe geht….”. Wichtig in all’ diesen und auch allen weiteren Fällen: Bleiben Sie nicht stehen, wenn Sie eine Frage nicht beantworten, sondern lenken Sie um und kommen Sie wieder auf Ihre Botschaft zu sprechen. Mit einer Formulierung wie: “Für mich steht etwas ganz anderes sehr viel mehr im Zentrum:….” oder “Wichtiger ist heute doch, dass…”.

 

Die entwaffnende Ehrlichkeit

Oft sind die Medienschaffenden mit Ihren Fragen geradezu darauf aus, dass Sie sich winden und versuchen, sich wortreich aus einer schwierigen Situation herauszuwinden. In solchen Situation kann die Technik der entwaffnenden Ehrlichkeit helfen. Ein hervorragendes Beispiel dafür lieferte der Schweizer IOC-Delegierte Jean-Franco Kaspar in der RUNDSCHAU des SCHWEIZER FERNSEHENS vom . Moderator Sandro Brotz fragte ihn, wieviel Prozent des Budgets der Olympischen Winterspiele in Sotschi wohl durch Korruption verschwunden seien. Kaspar antwortete in bestechender Offenheit, er schätze, es seien wohl so um die 30 Prozent – und brachte Brotz mit seiner Offenheit in Verlegenheit. Statt offensichtliches abstreiten zu wollen, kann ein Eingeständnis manchmal Sympathiepunkte bringen. – Beispielsweise, wenn ein Medienschaffender sie auf einen vermeintlichen Widerspruch zwischen ihrer heutigen Position und einer früheren Aussage behaften möchte: “Ich habe mich seither vertieft mit der Frage auseinandergesetzt und meine Meinung revidiert”, kann in einer solchen Situation eine sehr überzeugende Aussage sein.

 

Nichtwissen einräumen

Es kann immer passieren, dass Sie mit einer Frage konfrontiert werden, die Sie nicht beantworten können, weil Ihnen im Moment schlicht die Antwort fehlt. Wichtig: Räumen Sie in dieser Situation das “Nichtwissen” ein – und versuchen Sie nicht, etwas zu behaupten, das sich später als falsch herausstellten könnte.