Viele Mutmassungen im Moment um die REGA: Von einem ihrer Rechner könnte das unmoralische Angebot an die Medien ergangen sein, gegen Geld die Krankenakte von Michael Schumacher herauszurücken. Fakten gibt es nur wenige: Die REGA bestätigt zwar, dass sie im Besitz dieser Akten ist oder war. Mehr weiss sie aber selbst nicht.

Deshalb hat sie im Rahmen ihres Krisenmanagements Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht. Wohl ein kluger Schritt, weil damit die Untersuchungsbehörden lanciert werden, die Mutmassungen von amtlicher Seite abzuklären.

Interessant dabei, wie rasch wiederum ein Mechanismus spielt, der heute bei allen Krisensituationen ins Kalkül mit einzubeziehen ist: Obwohl an Fakten rein gar nichts da ist ausser eine Behauptung einer französischen Zeitung, fahren die externen Experten auf, die schon alles wissen.

Konkretbeispielsweise Bernhard Bauhofer in der heutigen Ausgabe des BLICK.

Der wird zitiert mit den Worten: «Ganz klar müsste der Fall Konsequenzen haben, falls der Täter tatsächlich ein Mitarbeiter der Rega ist. Ich meine damit klare Abläufe, strengere Zugriffsrechte, Verschlüsselung der Daten bis hin zur Rekrutierung und Schulung der Mitarbeiter. Es braucht ein besseres Risikomanagement. Die Frage ist, wer würde Verantwortung übernehmen und zurücktreten?»

Wie eingangs erwähnt: Klar ist zum jetzigen Zeitpunkt gar nichts. Trotzdem weiss der externe Experte – fern vom Fall und in Unkenntnis der tatsächlichen Prozesse und Verfahren bei der Rega: «Es braucht ein besseres Risikomanagement.» Auch dass jemand zurücktreten muss, ist für Bauhofer klar.

Dass all’ diese Aussagen nichts als grober Unfug sind, solange nicht mehr bekannt ist, leuchtet jedem ein. Der darüber nachdenkt. Ob das geneigte Medienpublikum das auch tut? Wir wissen es nicht.

Klar ist aber eines: Die sogenannten Experten sind heute für jeden Krisenstab und jede Krisenkommunikation eine ernst zu nehmende Grösse. Wie sagt der Volksmund: Etwas bleibt immer hängen. Und sei es noch so blöd. Was kann die professionelle Krisenkommunikation dagegen ausrichten?

Falls die Gruppe der Experten, die mit grosser Wahrscheinlichkeit von den Medien befragt werden, klar eingegrenzt werden kann, kann sich ein persönlicher Kontakt zu diesen als hilfreich erweisen. Ein Briefing zur rechten Zeit lässt nämlich auch den Experten professioneller aussehen. Evt. macht es Sinn, andere Opinion Leaders dazu zu bringen, sich proaktiv zu äussern und die Dimensionen einer Krise ins richtige Licht zu rücken. Ein Blog beispielsweise, durch Twitter entsprechend verbreitet, kann auf den Redaktionen durchaus eine Wirkung auf die Wahrnehmung der Situation haben.

Ist der Schaden, den eine Expertenmeinung verursacht massiv, sollten publizistische Mittel (Dementi in Form einer Medienmitteilung) und allenfalls durchaus auch juristische Mittel in Betracht gezogen werden. Medienschaffende mögen es zwar gar nicht, wenn sie von ihren Verlagsjuristen zurückgepfiffen werden. Die Rechtsprechung hatte in der letzten Zeit jedoch eine deutliche Tendenz, nicht mehr jeden journalistischen Unfug zu goutieren. Das wissen die Juristen in den Medienbetrieben nur zu gut. Und nehmen entsprechenden Einfluss auf die Chefredaktionen.