VW und die Vertrauensfrage

Viel wird gegenwärtig geschrieben über den Abgasskandal von VW in den USA. Und wie VW darauf kommunikativ reagieren sollte. Allenthalben wird festgehalten, dass die Krise zu einem Vertrauensverlust geführt habe, den wieder aufzuholen Jahrzehnte dauern dürfte.

Ich bin da nicht so skeptisch. Zunächst gilt es zu fragen: Warum ist das Vertrauen, warum ist eine positive Reputation für ein Unternehmen generell wichtig? Ich orientiere mich an einem pragmatischen Ansatz: Eine positive Reputation oder eine Marke, in die das Publikum vertraut, sollte für ein Unternehmen kein Selbstzweck sein. Eine positive Reputation soll zunächst und zu allererst dazu beitragen, dass das eigene Produkt vom Kunden gekauft wird. Warum fahre ich z.B. noch keinen Tesla? Weil ich das Vertrauen in die Firma nicht habe, dass sie auch in fünf Jahren den Unterhalt meines Fahrzeugs noch wird gewährleisten können. Oder dass die Batterien, das zentrale Element ihres Produkts, die versprochenen Produkteigenschaften auch tatsächlich nach fünf Jahren noch richtig funktionieren.

Was heisst das für VW? Wieviele potentielle Autokäufer/innen werden sich von VW abwenden aufgrund des Skandals, der einen Motor betrifft, der heute nicht mehr verkauft wird? – Ich weiss es nicht, aber die Quartals-Verkaufszahlen werden uns hier sicherlich interessante Fakten liefern. VW hat das in seiner Krisenkommunikation natürlich erkannt, und schon in den ersten Communiqués und Verlautbarungen auf Social Media wie Facebook immer wieder betont, die aktuell im Verkaufsraum stehenden Modelle seien nicht betroffen.

Zweitens sind Reputation und Vertrauen notwendig, weil insbesondere an der Schnittstelle zu Behörden und Politik. Fehlverhalten wie das jetzt bei VW publik gewordene, können rasch zu regulatorischen Problemen können. Beispiele dafür sind die Verfügung vom ASTRA, dem Schweizer Bundesamt für Strassenverkehr, das umgehend eine Reihe von VW-Modell nicht mehr zur Immatrikulation in der Schweiz zulässt. Aber auch mittel- und längerfristig können Vertrauens- und Reputationsprobleme aufgrund von Skandalen zu regulatorischen Schwierigkeiten führen. So sahen sich die arrogant auftretenden Schweizer Banker nach den fast wöchentlich aufpoppenden neuen Skandalen aufgrund von eigenem Fehlverhalten schneller als befürchtet einem Wust von neuen Gesetzesvorschlägen gegenüber, welche das eigene Businessmodell massiv beeinträchtigen und die Rahmenbedingungen massiv verschlechtern.

Stellt sich die Frage, wie verloren gegangenes Vertrauen wieder hergestellt wird? Sicherlich kann die richtige Kommunikation dazu beitragen. Häufig allerdings wird fehlendes Vertrauen oder eine schlechte Reputation einzig als Kommunikationsproblem dargestellt. – Was schon im Kern falsch ist.

Vertrauen und Reputation wird im Kerngeschäft eines Unternehmens hergestellt. Durch gute professionelle Arbeit, durch ein Produkt, das den Versprechungen entspricht. Insbesondere also durch einen Kundenumgang auf Augenhöhe. Fairness ist das Stichwort. In Krisensituation entsteht Vertrauen dadurch, dass ein Unternehmen das Problem erkennt und professionell behebt. Kommunikation kann das begleiten, indem sie Transparenz schafft über diesen Prozess. Massgeblich bleiben aber glaubwürdige Entscheidungen und Massnahmen des Krisenstabs.

Helfen ganzseitige Inserate also, die angeschlagene Reputation von VW zu beheben? Wohl kaum. Gemessen wird VW nicht an ganzseitigen Inseraten, auch nicht an den Wortklaubereien, ob sich der Konzern jetzt «entschuldigt» oder lediglich «bedauert». Massgeblich wird sein, was VW tut.

«watson» ist online

«watson» ist online

«Watson» heisst ein neues Schweizer Nachrichtenportal, das seit geraumer Zeit in der Schweizer Medienlandschaft viel zu reden gibt. Gründer Hansi Voigt hat dafür 50 Journalistinnen und Journalisten zusammengeprügelt, darunter etliche, die durchaus über einen Namen verfügen. Viele stammen von 20minuten online, wo Voigt früher selbst als Chefredaktor tätig war. 

Seit dem 21. Januar ist das neue Schweizer Newsportal watson nun online geschaltet. – Vorerst in einer Beta-Version. Watson-Gründer Hansi Voigt begründet das wie folgt: «Wenn man die Erwartungen eh nicht erfüllen kann, kann man auch einfach loslegen. Wir starten also. In einer Beta-Version. Sie können uns also ab sofort dabei zuschauen, wie wir Fehler machen, hoffentlich daraus lernen, unser Newsportal laufend verbessern und Ihre Inputs einbauen.»

Watson will sich als Portal verstehen, das auf Crowdsourcing setzt: also die Leserinnen und Leser, welche die Plattform mit Inhalten oder zumindest Ideen füllen. Danebst kann die Redaktion auf viele Artikel von Kooperationspartner Spiegel online zurückgreifen. Und verspricht, als erster Newsportal der Schweiz die Idee von HTML, also die Verlinkung und Weiterverweisung auf andere Quellen, konsequent umsetzen zu wollen.

Bezahlt wird das Projekt vom Verlagshaus des Aargauer Verlegers Peter Wanner (AARGAUER ZEITUNG, TELE M1, TELE ZÜRI), offiziell wird mit Kosten von 20 Millionen CHF «für die nächsten drei bis vier Jahre» gesprochen. Andere Stimmen rechnen vor, dass Wohl ein Betrag von CHF 10 Mio pro Jahr den Verhältnissen  eher gerecht werde.

www.watson.ch

Neue Inhalte oder «more of the same»? Am ersten Tag präsentiert Watson vor allem, was auch andernorts schon zu lesen ist.

Die Medienbranche beobachtet das Projekt auf jeden Fall mit grossem Interesse. Der Launch der neuen Internet-Seite von BLICK AM ABEND vor kurzem wurde von Ringier mehr oder weniger unverhohlen als vorgezogene Reaktion auf WATSON verkauft. Aber auch 20min.ch dürfte das neue Newsportal direkt angreifen. Zwei Fragen bleiben dabei zentral: Gelingt es WATSON tatsächlich, sich unter den Top 3 der Schweizer Newsportale zu etablieren, wie das Voigt vorschwebt? Und zum zweiten: Kann WATSON auch inhaltlich Akzente setzen, oder bietet die Plattform vor allem «more of the same»?

René Lüchinger neuer BLICK-Chefredaktor?

René Lüchinger neuer BLICK-Chefredaktor?

Rene_Lüchinger_portraitWie die NZZ AM SONNTAG am 11. August berichtet, soll der Journalist René Lüchinger neuer Chefredaktor des BLICK werden. Das berichtet die Zeitung ohne genauere Angabe von Quellen. Der bislang interimistischen Chefin des Blattes, Andrea Bleicher, soll ein neuer Job innerhalb von Ringier angeboten werden.

Die Ernennung von Bleicher anfangs Februar wurde als kleine Sensation gehandelt, war sie doch die erste Frau auf diesem Posten. Sie löste damals Ralph Grosse-Bley ab, der 2009 ein zweites Mal zu Ringier gestossen war. Sein erstes Engagement endete im Nachgang der «Borer-Affäre» von 2003.  Grosse-Bley, der aus Berlin eingewechselt worden war, habe die Schweiz nie verstanden, moniert die NZZAS.

Ironie des Schicksals: Strippenzieher hinter der erneuten Personalrochade soll wiederum Frank A. Meyer sein sein: Er hatte jeweilen die wenig erfolgreichen deutschen Chefredakteure an die Dufourstrasse ins Ringier-Pressehaus gelotst und soll offenbar den politischen Diskurs mit Bleicher als zu wenig fruchtbar empfunden haben.  Dieser Terminus wird in der Branche für die Tatsache verwendet, dass eine Chefredaktor/in zu wenig nach der Pfeife des pensionierten Ringier-Souffleurs Meyer tanzt.

Lüchinger soll, so die NZZ AM SONNTAG, mehr ein Mann von Meyer sein.

Christine Maier wird Sobli-Chefredaktorin

Christine Maier wird Sobli-Chefredaktorin

Q:_BildarchivPersonenMaier_Christine20070927_Maier_ChristineWie das SCHWEIZER FERNSEHEN am Dienstag berichtet, verlässt die TV-Journalistin und 10vor10-Moderatorin Christine Maier den Sender und wird Chefredaktorin des SONNTAGSBLICKS. Die Nachricht kommt auch für Experten überraschend. Zum einen hat Maier die Moderation von 10vor10 erst vor zwei Jahren übernommen, zum anderen verfügt sie weder über weitreichende Print- noch über die Führungserfahrung zur Leitung einer Redaktion wie der des SONNTAGSBLICKS. Maier hatte zwischen 1990 und 1995 für die Ringier-Zeitschrift SCHWEIZER ILLUSTRIERTE gearbeitet. 2001 kam sie als Moderatorin des CLUBS (früher: ZIISCHTIGSCLUB) zum SCHWEIZER FERNSEHEN zurück, ab 2006 leitete sie die Sendung.

Der SONNTAGSBLICK war zuletzt von Rolf Cavalli interimistisch geleitet worden; Cavalli hatte das Blatt im letzten November nach der Trennung vom deutschen Journalisten und Chefredaktor Carsten Witzmann übernommen.  Der Ringier-Verlag schreibt in einer Mitteilung vom Dienstag, man habe mit Maier eine «der arriviertesten und vielseitigsten Journalistinnen» gewinnen können.

Christine Maier ist 48 Jahre alt und zuletzt durch die Boulevardpresse gegangen, weil ihr eine Beziehung mit dem Unternehmer Philippe Geydoul nachgesagt wird. Laut einem Bericht im TAGES-ANZEIGER soll sie mit der Entscheidung lange gerungen haben. Der Abschied vom TV falle ihr schwer, sie sei aber beruflich immer wieder zu neuen Ufern aufgebrochen.