Lehren aus dem Thurgauer Tierschutzskandal

Lehren aus dem Thurgauer Tierschutzskandal

Es gab sie nun doch noch, die grosse Sommer-Kontroverse in den Medien. Das Thema: Ein Bauer in Hefenhofen, der offensichtlich seine Tiere nicht den Tierschutzanforderungen entsprechend hält – bzw. gehalten hat. Die Beschuldigten: Ein Pferdehändler und Bauer, mit ihm vor allem aber die zuständigen Thurgauer Behörden, die erst unter dem Druck von Tierschutzorganisationen und Medien gehandelt haben.

Konsequenz bis heute: Zumindest eine Strafanzeige gegen die Thurgauer Amtstierarzt, dazu verschiedene Rücktrittsforderungen an die Adresse des Kantonstiersarztes und massiver Druck gegen den zuständigen FDP-Regierungsrat Walter Schönholzer, dessen politisches Überleben zum gegenwärtigen Zeitpunkt zumindest soweit in Frage gestellt ist, als er sich wohl nicht mehr viel leisten kann. Dazu eine Entschuldigung der Thurgauer Regierung vor dem kantonalen Parlament, dem Grossen Rat.

Der Thurgauer Fall ist ein gutes Beispiel dafür, wie verzahnt Krisenmanagement und Krisenkommunikation sind, und wie das eine ohne das andere nicht funktionieren kann. Ob das allerdings gereicht hätte, bleibt fraglich. Die Fehler passierten hier wohl – soweit das von aussen beurteilt werden kann – schon in den vorgelagerten Management-Diziplinen wie Issues Management und Risikomanagement. Hier die fünf Lehren aus der Krise:

  1. Jede Organisation braucht ein Issues Management. Dieses Instrument kann auch schon mit bescheidenen finanziellen Mitteln und «inhouse», also ohne grosse Cashout-Kosten, aufgesetzt werden. Nur: Gemacht muss es werden.
  2. Jede Organisation braucht ein Risikomanagement, das sich nicht damit begnügen kann, Risiken statisch und in regelmässigen Abständen auf einer abstrakten Ebene zu erfassen. Risikomanagement muss dynamisch sein und in einer Organisation «Fühler» installieren, die melden, wenn sich ein Ereignisfall abzeichnet.
  3. Krisenmanagement heisst, schnell zu reagieren. Schnell heisst innert Stunden, manchmal Minuten. Dafür müssen alle Positionen mit Stellvertretungen geregelt sein, damit eine Organisation auch bei Abwesenheit von einzelnen Verantwortlichen handlungsfähig bleibt.
  4. Die Kommunikation ist Teil des Krisenmanagement-Prozesses und hat insbesondere die Aufgabe, die öffentliche Reaktion auf zur Diskussion stehende Massnahmen des Kristenstabes kritisch zu reflektieren.
  5. Wenn ein Krisenstab Massnahmen beschliesst oder beschliessen muss, die schwierig zu kommunizieren sind, müssen die entsprechende Kommunikation und Antworten auf die kritischen Einwände vorbereitet und die Verantwortungsträger für die konkrete Kommunikation geschult werden.

 

Im Detail:
1. Issues-Management

Issues-Management bezeichnet eine Disziplin, die in Ergänzung zum Risiko-Management die Aufgabe hat, gesellschaftliche, politische, technologische und andere, irgendwie geartete Entwicklungen zu beobachten, die Auswirkungen auf die Tätigkeit der eigenen Organisation haben könnten. Issues Management ist meist das Managementfeld, das am weitesten voraus blickt und sich oft mit Szenarien von Futurologen und Trendforschern auseinandersetzt. Viele Organisationen verorten das Issues Management bei der Kommunikation.

In unserem Beispiel hätte ein richtig aufgezogenes Issues Management etwa seit einiger Zeit darauf hinweisen müssen, dass ein gesellschaftlicher Trend stattfindet, im Zuge dessen der Umgang des Menschen mit Tieren aller Art neu bewertet wird. Immer breitere Teile der Gesellschaft stehen dem bis anhin gelebten Umgang mit Nutz-, aber auch Forschungs- und Zootieren skeptisch gegenüber. Ausdruck davon ist nicht zuletzt der rückläufige Fleischkonsum und/oder der Zuspruch von Lebenskonzepten wie Veganismus oder Vegetarismus.

Diese Entwicklung zeichnete sich auch im Kanton Thurgau im Zusammenhang mit dem Delfinarium im „Connyland“ schon vor zwanzig Jahren ab, der Entwicklungstrend hat sich in den letzten Jahren stetig verschärft, wie beispielsweise auch die sehr gehässig geführte Debatte über einen geplanten Tierversuch der Universität Zürich mit drei Makaken-Affen zeigt.

Issues Management muss in diesem Zusammenhang – rechtzeitig! – aufzeigen, dass bislang gelebte und bewährte Konzepte in Zukunft möglicherweise in Frage gestellt werden. Insbesondere für einen Landwirtschaftskanton wie den Thurgau eine Herausforderung, da in sich widersprüchliche Interessen auf die Verantwortlichen einwirken. Einerseits eine starke Bauern-Lobby vor der Haustüre, die gegen eine verschärfte Gangart bei Kontrollen und Tierschutz die Machtbasis der Verantwortlichen ins Wanken bringen kann. Andererseits mit den Tierschützern eine immer stärker und aggressiver agierende Pressure Group, meist nicht aus dem eigenen Kanton, aber mit guten Zugang zu den nationalen Medien.

Diese Entwicklung im Themenfeld «Mensch – Tier» müsste im Übrigen heute jede Organisation auf dem Radar haben, welche in der einen oder anderen Form mit dem Thema «Tier» zu tun hat. Ganz besonders gilt das für Organisationen, welche tierische Produkte verwenden oder herstellen, von der Lebensmittel- über die Bekleidungs-Industrie, die Medizin bis zur Kosmetikbranche. Professionelles Issues Management müsste dann dazu führen, dass die eigene Positionen gegenüber der Thematik intensiv geprüft und entschieden wird, welche konkreten Risiko aus dem Issue erwachsen und wie mit diesem Risiko umgegangen wird – allenfalls mit operativen oder aber mit Kommunikationsmassnahmen.

Demonstration gegen die Thurgauer Behörden – Traktat der Tierschützer

2. Risiko-Management

Risiko-Management heisst, dass sich eine Organisation immer wieder bewusst macht, welchen konkreten Risiken sie ausgesetzt ist und dazu quasi eine „Risikokarte“ erstellt. Risiken gibt es viele: Sie beginnen bei rein finanztechnischen Risiken (z.B. Kursveränderungen bei Währungen…, Ausfallrisiken bei strategischen Debitoren, etc.), gehen über rechtliche und Compliance-Risiken (z.B. Patentstreit, strafrechtliches Verhalten eines Kadermitglieds, etc.) über operative Risiken (was, wenn der Produktionsstandort nach einem Schadensfall für längere Zeit ausfällt?) bis zu den Reputationsrisiken (Ethische Diskussionen über Produkte oder Rohstoffe in den Produkten).

Jedes erkannte Risiko wird dann gewichtet, traditionellerweise im Hinblick auf Eintretenswahrscheinlichkeit und Schadensausmass, und schliesslich definiert, wie die Organisation mit diesem Risiko umzugehen gedenkt. Dabei sind verschiedene Strategien denkbar, vom simplen «Tragen» des Risikos (die Organisation ist sich des Risikos bewusst, kann es aber nicht mindern oder ausschliessen) bis zum Ausschliessen durch entsprechende Massnahmen. Ein politisches Beispiel dazu ist der Verzicht eines Landes auf Kernkraftwerke: Wenn die Risikoeinschätzung dazu führt, dass eine Gesellschaft das Restrisiko eines Austritts von Radioaktivität nicht zu tragen bereit ist, dann ist die Substitution dieser Form der Elektrizitätsgewinnung eine mögliche Strategie, das Risiko auszuschliessen. Andere Möglichkeiten sind noch, Versicherungen abzuschliessen oder durch geeignete Massnahmen das Risiko zu minimieren.

Klar scheint, dass das Risikomanagement des involvierten Thurgauer Departements für Inneres und Volkswirtschaft die Durchsetzung des Tierschutzes auf jeden Fäll als Risikofeld hätte auflisten müssen. In einem Landwirtschaftskanton wie dem Thurgau muss einer Verwaltung bewusst sein, dass sie sich hier auf dünnem Eis bewegt. Umso mehr, als mit dem Verein gegen Tierfabriken VgT und Tierschützer Erwin Kessler eine der determiniertesten und konsequentesten Tierschutzorganisationen auf dem eigenen Boden seine Heimat hat. Auf Stufe des Veterinäramtes wäre sogar zu erwarten, dass dort eine konkrete Liste mit «Risikokandidaten» geführt wird; durch die regelmässigen Kontrollen auf den Höfen müsste der Kantonstierarzt wissen, auf welchen Höfen möglicherweise ähnlich heikle Zustände herrschen. – Weiter wäre die Schwelle zu definieren, bei deren Überschreiten der Krisenm

Entscheidend ist nun, dass rechtzeitig erfasst wird, wenn sich ein Risiko zu manifestieren beginnt, d.h. aus einem bis anhin abstrakten Risiko ein konkreter Eintretensfall wird. Im Falle des Hefenhofener Bauern und Pferdehändlers war diese Grenze schon längst überschritten mit den – strafrechtlich verfolgten – Drohungen des Bauern gegenüber dem Kantonstierarzt. Spätestens ab diesem Moment hätte das Krisenmanagement einsetzen müssen – und zwar eines, das diesen Namen auch verdient.

 

3. Krisenmanagement

Die Alarmzeichen aus dem Risiko- & Issues-Management hätten dazu führen müssen, dass also spätestens ab dem Moment, als der zur Diskussion stehende Pferdehändler und Bauer den Kantonstierarzt bedroht hatte, das Krisenmanagement hätte ausgelöst werden müssen. Krisenmanagement zu diesem Zeitpunkt hätte geheissen, dass nicht nur die notwendigen Schritte rechtlicher Art in Erwägung gezogen werden. – Dies wurde offenkundig nämlich getan, da der Bauer und Pferdehändler ja sogar aufgrund eines Strafverfahrens eine Gefängnisstrafe erhielt. Krisenmanagement heisst dann allerdings auch, alle weiteren Problemfelder zu definieren (dafür gibt es den sogenannten «Problemerfassungsrapport»). Das erste Problem ist zunächst natürlich, wie die Tierschutzvorschriften in Zukunft auf dem Hof durchgesetzt werden können. Gemäss Medien offenbar ein Problem, weil der Bauer und Pferdehändler auch andere Kontrolleure bedrohte. So wurde ein Regime beschlossen, bei dem jede Kontrolle im Vorfeld angemeldet wurde – eine Tatsache, die heute von vielen Kritikern moniert wird.

 

4. Krisenkommunikation

Und genau auf diese absehbare Kritik aufmerksam zu machen, wäre die Aufgabe der Kommunikation im Rahmen eines Krisenstabs gewesen. Dass beim gegebenen Umfeld eine solche nachgebende (und rechtsstaatlich möglicherweise problematische) Haltung nicht nur zu Kritik, sondern gar zu Rücktrittsforderung führen müsste, hätte ein umsichtiges Krisenkommunikationsmanagement bereits vorweggenommen, bevor der Entscheid dafür gefällt worden war. Was nicht bekannt ist: Vielleicht hat die Krisenkommunikation davor auch tatsächlich gewarnt, wurde aber übersteuert. Dann hätte sie aber zumindest die Aufgabe gehabt, sich und die Verantwortlichen darauf vorzubereiten, dieses Vorgehen bestmöglichst gegen Kritik verteidigen zu können. – Dazu hätte gehört, die kritischen Fragen im Vorfeld zu antizipieren und möglichst nachvollziehbare Argumente und Botschaften dazu zu finden sowie die Verantwortlichen darauf hin vorzubereiten, dass diese auch in der Lage gewesen wären, diese möglichst professionell zu vertreten. Auch ob diese Vorbereitung stattgefunden hat, entzieht sich unserer Kenntnis. Es machte zumindest nicht den Anschein.

 

5. Coaching für die Auftritte vor der Öffentlichkeit

Wenn Ihr erster Impuls jetzt ist: «Dafür hat man doch im Ereignisfall gar keine Zeit», dann ist das nicht so falsch. Idealerweise haben Sie einen Auftritt in einer Krisensituation bereits im Rahmen eines Medientrainings, eines Krisenkommunikationstrainings oder als Teil einer Stabsübung durchgespielt und dabei ihre Auftrittskompetenz in heiklen Lagen auf Vordermann gebracht. – Auch dann aber empfehlen wir, eine Stunde der knappen Zeit dafür einzusetzen, jetzt in aller Kürze die beabsichtigten Botschaften für die Öffentlichkeit durchzuspielen. Dabei geht es insbesondere auch darum, dass Sie sich darauf vorbereiten, wie Sie kritische Fragen (und die gehören zu einer Krise dazu) abwenden und wieder auf Ihre Hauptaussage zurückführen können.

Ein Krisencoaching kann je nach Ihrer personellen Besetzung durch die internen Kommunikationsspezialisten durchgeführt werden (falls dafür jemand abgestellt ist), oder aber durch einen externen Dienstleister eingekauft werden.[/vc_column_text][/vc_column][vc_column width=“1/3″ css=“.vc_custom_1503057374453{padding-top: 15px !important;padding-right: 15px !important;padding-bottom: 15px !important;padding-left: 15px !important;}“][vc_column_text css=“.vc_custom_1503057524328{padding-top: 15px !important;padding-right: 15px !important;padding-bottom: 15px !important;padding-left: 15px !important;background-color: #d8d8d8 !important;border-radius: 15px !important;}“]

Profitiert hat die Armee

Des einen Leid, des anderen Freud. Während die Thurgauer Behörden mit viel Medienkritik bedacht worden sind, hat die Schweizer Armee die Kommunikations-Chance genutzt.

Nachdem die Tiere vom Hof des Thurgauer Bauern und Pferdehändlers ins Kompetenzzentrum für Tiere der Armee verbracht worden waren, bot sich für die Kommunikation der Armee die Chance, sich in einem hochemotionalen Umfeld positiv darzustellen und aufzuzeigen, welche Leistungen die Armee in einem solchen Fall erbringen kann. Das Resultat waren herzerweichende Beiträge insbesondere in den Boulevardmedien, begleitet von praktisch ausschliesslich positiven Kommentaren der Leserschaft. Jürg Liechti, Oberst, Berufsinstruktor und selbst studierter Tierarzt, gelang es vorbildlich, mit viel Empathie und in einfachen Worten zu erläutern, was die Armee unternahm, um die Tiere möglichst rasch wieder in einen besseren Zustand zu bringen.

Liechti übrigens hatte im Verlaufe seiner Karriere bei der Armee bereits elf Medientrainings absolviert und war deshalb gut vorbereitet.  Für seine konkreten und fallbezogenen Auftritte wurde er von Armeesprecher Daniel Reist eine zusätzliche Stunde gecoacht.

Die Seuche mit den Ferienposts

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Ferienbildli auf Instagram posten? Als Werberin die eigenen nackten Füsse vor dem Mittelmeer in Szene setzen? Oder gar noch in Badehose die perfekte A…bombe in den Swimming Pool des Sheraton 5-Star publizistisch auswerten? Auch Ferienposts sind imagebildend und tragen zu Ihrer Repräsentation bei – sie gezielt einzusetzen, unterscheidet den Profi vom Amateur.

Es ist Sommerzeit. Über Wochen werden Sie wieder täglich auf ihrem Facebook-Stream und über Ihren Instagram-Account die Ferienbildli sehen von Mitarbeitern, Vorgesetzten, CEOs, Lieferanten, Beratern, Experten, und diejenigen von A-, B- und C-Promis und sogenannten „Influencern“ werden je nach Umfang der gezeigten nackten Haut auch in die klassischen Medienkanäle überschwappen. Während die letztere Kategorie ihre Posts sehr wohl mit Bedacht absetzt, hinterlassen viele dieser Ferienposts nicht den Eindruck, dass sie sehr strategisch publiziert werden. – Ein Fehler, wie wir finden.

 

Alles ist Botschaft

Wer Ferienbildli publiziert, sendet damit unweigerlich eine Botschaft aus – und meist mehr als eine. Das Vier-Ohren-Modell von Schulz von Thun illustriert das eindrücklich. Das Ferienbild von der Yacht vor Saint Tropez ist mehr als die Aussage: Ich verbringe meine Ferien auf einem Schiff in Südfrankreich. Es transportiert auf der Beziehungsebene gegenüber den meisten Leser/innen vermutlich auch die Aussage: „Ich kann mir mehr leisten als Du“, oder „Jetzt schau mal, was ich mir aus Deinen Beratungshonoraren leisten kann.“

Damit wir uns richtig verstehen: Es muss nicht falsch sein, ein solches Signal zu setzen: Wer sich konsequent als Branchenleader in Szene setzt und regelmässig ein „Produkt“ abliefert, dass dieser Positionierung entspricht, darf sich auch so inszenieren. Entscheidend ist, dass die Inszenierung bewusst erfolgt und nicht aus Gedankenlosigkeit. So kann ein Bild eines CEOs mit zwei Gläsern und einer teuren Flasche Wein schon zuviel des Guten sein, wenn er in seinem Unternehmen eben erst einem Dutzend Mitarbeitern gekündigt hatte, weil die Fixkosten gesenkt werden müssen.

 

Weniger ist mehr

In solchen Situationen gilt die traditionelle Regel, die zuletzt im Social Media-Boom bei vielen etwas zu sehr in den Hintergrund getreten ist: Weniger ist mehr. Die grünliberale Aktivistin, in deren Facebook-Newsline jeden Monat Bilder von Reisen auf weit entfernte Kontinente zu betrachten sind (auch wenn der Kulturtripp sie nach Guatemala oder Peru und nach Kambodscha geführt hat), passt genau so wenig zur eigenen Positionierung wie der Post des Polit-Lobbyisten, der für teures Geld die Interessen einer grossen öffentlich-rechtlichen Organisation vertritt und dann postet, wie toll er die 1. August-Rede fand – gehalten vom VR-Präsidenten eben dieser Organisation.

Auch das, früher nannte man es „Schleichwerbung“, mutet im persönlichen Newsfeed auf Social Media peinlich an – vorallem, wenn die Interessenbindung nicht offengelegt wird.

 

Ganz auf Ferienposts verzichten?

Zumindest empfehlen wir, in der Euphorie über die tollen Ferienerlebnisse kurz innezuhalten und sich zu überlegen, für welchen Kreis von Empfänger/innen die Feriennews nun tatsächlich von Relevanz sind. – Und welche es sind. Vielleicht lesen Sie ja in Ihren Ferien ein faszinierendes Buch, dessen drei Kerngedanken Sie so wertvoll finden, dass Sie sie teilen möchten? Vielleicht entdecken Sie in Ihrer Position als Gourmetkritiker in den Ferien zufällig ein Lokal, das sie völlig überracht? Als Medientrainer werden Sie in Ihrem Ferienland Zeuge eines beispielhaften TV-Interviews des Premierministers? Oder Sie entdecken als Autoverkäufer ein Oldtimer-Museum, das in Tourismusführern kaum gewürdigt wird, aber viel mehr Besucher/innen verdienen würde? Keine Frage, in solchen Fällen spricht nichts gegen einen Post.

Ganz allgemein empfehlen wir, vor jedem Post die drei folgenden Fragen zu beantworten – und schliesslich erst zu publizieren, wenn Sie mindestens zwei davon mit einem „Ja“ beantworten können:

  1. Hat mein Post für andere etwas Inspirierendes?
  2. Betrifft der Post meine Expertise?
  3. Entspricht der Post meiner Positionierung (als Unternehmer, als Führungskraft, als Experte in einem Themenfeld)?

 

Was wir sehen wollen  – und was nicht

Die Erinnerung ist immer noch sehr wach, wenn auch schon Jahre her. Die Werbeleiterin, durchaus mit einem Flair für die Selbstinszenierung ausgestattet, schickt eines dieser Bilder um die Welt, das ihre eigenen Füsse vor dem Strand XY zeigt. Alles gut – ausser dass das Bild zwei klinische Halux-Zehen zeigen, die sich auch in einer medizinischen Dokumentation gut gemacht hätten und wohl einem fortgeschrittenen Deformationsstadium entsprachen. Der Halux ist mir in Erinnerung geblieben, dass die Gute ihre Ferien in Saint Tropez verbracht hatte – dem Mekka für eine Schicht von neureichen Aufsteiger/innen, hatte ich schon längst vergessen und musste ich für diesen Post noch einmal recherchieren.

Das Beispiel bringt uns zur Kernfrage: Welche Körperteile muss ich von meinem Geschäftskontakten kennen – und insbesondere: welche von ihnen muss ich nackt kennen?

Ich schätze: bei den meisten ist es mit dem Gesicht getan, die Hände – die witzigerweise kaum je inszeniert werden in Ferienbildern – gehören wohl ebenfalls zum ordentlichen Geschäftsumgang dazu. Mehr aber ist in den meisten Branchen wohl weder nötig noch angemessen. Interessanterweise sind die meisten der Menschen, die auf ihren Ferienbildern freizügig posieren, im direkten Kontakt wesentlich zurückhaltender. Viele der Herren, die sich auf ihren Ferienposts beim Kopfsprung in den Pool zeigen, tragen im direkten Kontakt auch im Hochsommer Langarmhemden. Und die Damen sind sich selbstverständlich bewusst, dass die Füsse auch in der warmen Zeit in geschlossene Schuhe gehören – zumindest im direkten Umgang. Warum dieselben Personen auf ihren Ferienbildli dann alle Regeln über Bord werfen?

 

Private Gruppen einrichten

Wohlverstanden, es ist nichts dagegen einzuwenden, der Familie und engen Freunden über die modernen Kommunikationsmittel zu zeigen, wie toll die Ferien auch dieses Jahr wieder geworden sind. Der Schlüssel ist, dafür Gruppen einzurichten in den verschiedenen Social Media, und die erwähnten privaten Bilder nur der Gruppe derjenigen Kontakte zu offenbaren, die man als Freunde und Familie definiert hat. Das funktioniert in Facebook genau so wie in Instragram, wo es darüber hinaus die Möglichkeit gibt, ein Konto auf „privat“ zu schalten. Eine Person, die einem folgen will, muss dann erst freigegeben werden, bevor sie die Bilder sehen darf.

Auch damit haben Sie Gewähr, dass Sie nach ihren Ferien in ihrem beruflichen Umfeld immer noch als professionell wahrgenommen und nicht Ihre Badehose oder Ihr Sonnenbrand das Thema des nächsten Geschäftsessens wird.

 

 

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Er kann’s noch immer: Clinton würdigt Kohl

[vc_row][vc_column][vc_video link=“https://youtu.be/Bses9QRRyIk“][vc_column_text]Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton würdigt an der Trauerfeier im Europaparlament von Strassburg am 1.7.2017  in einer bemerkenswerten Rede das politische Wirken von alt-Kanzler Helmut Kohl (3.4.1930 – 16.6.2017).  Die 10-minütige Rede zeigt: Clinton kann es noch immer.

Clinton erinnert mit seinen Worten die vielen Staats- und Regierungschefs im Europaparlament daran, dass am Ende auch sie alle in einem Sarg liegen werden wie jetzt Helmut Kohl. Und dass das Einzige, was dann zähle, das sei, was sie ihren Kindern und der nächsten Generation hinterliessen. Clinton baut in seine Rede immer wieder kleine, knapp gehaltene persönliche Geschichten ein, die Farbe geben und Emotionen transportieren. Etwa, wenn Clinton erzählt, wie Kohl ihn dereinst in Washington D.C. in sein (Kohls) Lieblingsrestaurant ausgeführt habe. Oder wie er in Milwaukee mit einer Klasse von deutschlernenden Amerikanern in Deutsch geplaudert hatte.

Mehr über die Trauerfeier finden Sie bei der Tagessschau der ARD.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

Bundesratskommunikation

Die Wetterkapriolen des Aprils scheinen den zartbesaiteten Gemütern der Schweizer Landesregierung zuzusetzen. Hüben wie drüben.

Da ist zunächst eine Justizministerin, die, als ehemalige Pianistin zartbesaitet, das Weite sucht und aus dem Nationalratssaal flüchtet, als ihr ein rechtskonservativer Nationalrat ordentlich an den Karren fährt. Ja Herrgottnochmal, ein Parlament ist nun mal kein Ponyhof und keine Gruppen-Mediation. Wie sagt der Volksmund: Wer die Hitze nicht erträgt, hat in der Küche nichts verloren.

Dann die nächste Posse um einen lustlosen Finanzminister. Er, der schon früher mit seiner eigener Befindlichkeit sein Publikum brüskierte, findet jetzt, er möge in einer Abstimmungssendung nicht gegen einen Kollegen aus der eigenen Partei antreten. Als das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht auf seine Forderungen eingeht, spielt auch er beleidigte Leberwurst und sagt seinen Auftritt kurzerhand ab.

Bei allem Verständnis dafür, dass sie sich nicht alles bieten lassen wollen: Die neuerdings zur Schau gestellte Dünnhäutigkeit ist peinlich. Die Entscheidung, den Ratssaal zu verlassen, statt mit gekonnter pointierter Rhetorik witzig zu kontern und den Angreifer so zu demaskieren, war die falsche Wahl. Und sendet ein falsches Zeichen ins Land hinaus: Davonlaufen statt zu kämpfen? Den Schwanz einziehen statt zu kontern? Oder ist das vielleicht einfach die typische Reaktion einer wohl saturierten Gesellschaft wie der schweizerischen, die lieber klein beigibt und davon rennt, statt selbstbewusst aufzutreten? Wie wollen Magistraten das Land in internationalen Verhandlungen vertreten, wenn sie auf diese Weise auf Verhandlungsdruck reagieren?

Nicht weniger peinlich auch die Posse um den Finanzminister. Dutzendfach schon haben Mitglieder des Bundesrates in Abstimmungsdebatten gegen die eigenen Parteifreunde antreten müssen, und oft  verhelfen genau solche Konstellationen zu einer überdurchschnittlich sachlichen und damit  für das Publikum sachdienlichen Debatte. Der Versuch, die Medienschaffenden erpressen zu wollen, ist hingegen ein weiteres schlechtes Signal. Es zeigt, dass es auch diesem  Magistraten an politischem Fingerspitzengefühl fehlt. Und an der Einsicht, dass die politische Elite eine Verantwortung hat dafür, wie Kommunikationsprozesse in einer Gesellschaft ablaufen, was ok ist und was nicht.

Führen heisst letzten Endes immer Vorleben. Das ist anstrengend und verlangt, das höhere Ziel im Auge zu behalten und eigene Befindlichkeiten dahinter zurückzustellen.  Wenn ein Mitglied des Bundesrats nach Jahren im Amt die dafür notwendige mentale Energie nicht mehr aufbringt, ist das bei dem hohen Druck, der in solchen Positionen herrscht, nachvollziehbar. Es solle dann aber auch dringend der Moment sein, Platz zu machen für unverbrauchte Kräfte.

«watson» ist online

«watson» ist online

«Watson» heisst ein neues Schweizer Nachrichtenportal, das seit geraumer Zeit in der Schweizer Medienlandschaft viel zu reden gibt. Gründer Hansi Voigt hat dafür 50 Journalistinnen und Journalisten zusammengeprügelt, darunter etliche, die durchaus über einen Namen verfügen. Viele stammen von 20minuten online, wo Voigt früher selbst als Chefredaktor tätig war. 

Seit dem 21. Januar ist das neue Schweizer Newsportal watson nun online geschaltet. – Vorerst in einer Beta-Version. Watson-Gründer Hansi Voigt begründet das wie folgt: «Wenn man die Erwartungen eh nicht erfüllen kann, kann man auch einfach loslegen. Wir starten also. In einer Beta-Version. Sie können uns also ab sofort dabei zuschauen, wie wir Fehler machen, hoffentlich daraus lernen, unser Newsportal laufend verbessern und Ihre Inputs einbauen.»

Watson will sich als Portal verstehen, das auf Crowdsourcing setzt: also die Leserinnen und Leser, welche die Plattform mit Inhalten oder zumindest Ideen füllen. Danebst kann die Redaktion auf viele Artikel von Kooperationspartner Spiegel online zurückgreifen. Und verspricht, als erster Newsportal der Schweiz die Idee von HTML, also die Verlinkung und Weiterverweisung auf andere Quellen, konsequent umsetzen zu wollen.

Bezahlt wird das Projekt vom Verlagshaus des Aargauer Verlegers Peter Wanner (AARGAUER ZEITUNG, TELE M1, TELE ZÜRI), offiziell wird mit Kosten von 20 Millionen CHF «für die nächsten drei bis vier Jahre» gesprochen. Andere Stimmen rechnen vor, dass Wohl ein Betrag von CHF 10 Mio pro Jahr den Verhältnissen  eher gerecht werde.

www.watson.ch

Neue Inhalte oder «more of the same»? Am ersten Tag präsentiert Watson vor allem, was auch andernorts schon zu lesen ist.

Die Medienbranche beobachtet das Projekt auf jeden Fall mit grossem Interesse. Der Launch der neuen Internet-Seite von BLICK AM ABEND vor kurzem wurde von Ringier mehr oder weniger unverhohlen als vorgezogene Reaktion auf WATSON verkauft. Aber auch 20min.ch dürfte das neue Newsportal direkt angreifen. Zwei Fragen bleiben dabei zentral: Gelingt es WATSON tatsächlich, sich unter den Top 3 der Schweizer Newsportale zu etablieren, wie das Voigt vorschwebt? Und zum zweiten: Kann WATSON auch inhaltlich Akzente setzen, oder bietet die Plattform vor allem «more of the same»?

Falscher Absender

Falscher Absender

«Die Gier in Grenoble» titelt TAGES-ANZEIGER-Sportchef Fredy Wettstein und weint  Krokodilstränen. Wettstein ist zuwider, wie Medienschaffende das Spital in Grenoble belagern, um an Neuigkeiten zum Gesundheitszustand von Michael Schumacher zu erhalten. Payen, dem behandelnden Arzt, sei diese mediale Aufmerksamkeit zuwider. Schliesslich tue er im Falle Schumacher nichts anderes als bei den 250 anderen, die nach Sportunfällen jährlich in die Klinik eingewiesen werden. Wettstein hat viel Verständnis für den Zorn des Arztes darüber, dass man ihn nicht einfach seine Arbeit tun lässt.

Man mag mit Wettstein in der Sache übereinstimmen und durchaus Sympathien haben für die Sicht, wie pervers eine Mediengesellschaft geworden ist, die mit täglichen Live-Schaltungen des Todeskampf eines ehemaligen Spitzensportlers zum Massenereignis werden lässt.

Wenn der Sportchef des TAGES-ANZEIGERS das bedauert, ist es allerdings nichts mehr als plumpe Scheinheiligkeit. Demaskiert noch auf derselben Homepage, auf der er die eigene Branche kritisiert. Sie verlinkt nämlich direkt auf nicht weniger als 10! (in Zahlen: zehn) Geschichten des TAGES-ANZEIGERS selbst in der eben erwähnten Sache. Wettsteins kritische Note ist damit etwa so glaubwürdig wie der Hinweis des rauchenden Vaters an seine Kinder, sie sollen gefälligst die Hände von Zigaretten lassen.

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Scheinheilig: Tages-Anzeiger Sportchef kritisiert die mediale Gier nach News über den Gesundheitszustand Schumachers. Und macht im eigenen Blatt den ganzen Medienzirkus 1:1 mit.

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