Er kann’s noch immer: Clinton würdigt Kohl

[vc_row][vc_column][vc_video link=”https://youtu.be/Bses9QRRyIk”][vc_column_text]Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton würdigt an der Trauerfeier im Europaparlament von Strassburg am 1.7.2017  in einer bemerkenswerten Rede das politische Wirken von alt-Kanzler Helmut Kohl (3.4.1930 – 16.6.2017).  Die 10-minütige Rede zeigt: Clinton kann es noch immer.

Clinton erinnert mit seinen Worten die vielen Staats- und Regierungschefs im Europaparlament daran, dass am Ende auch sie alle in einem Sarg liegen werden wie jetzt Helmut Kohl. Und dass das Einzige, was dann zähle, das sei, was sie ihren Kindern und der nächsten Generation hinterliessen. Clinton baut in seine Rede immer wieder kleine, knapp gehaltene persönliche Geschichten ein, die Farbe geben und Emotionen transportieren. Etwa, wenn Clinton erzählt, wie Kohl ihn dereinst in Washington D.C. in sein (Kohls) Lieblingsrestaurant ausgeführt habe. Oder wie er in Milwaukee mit einer Klasse von deutschlernenden Amerikanern in Deutsch geplaudert hatte.

Mehr über die Trauerfeier finden Sie bei der Tagessschau der ARD.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

Bundesratskommunikation

Die Wetterkapriolen des Aprils scheinen den zartbesaiteten Gemütern der Schweizer Landesregierung zuzusetzen. Hüben wie drüben.

Da ist zunächst eine Justizministerin, die, als ehemalige Pianistin zartbesaitet, das Weite sucht und aus dem Nationalratssaal flüchtet, als ihr ein rechtskonservativer Nationalrat ordentlich an den Karren fährt. Ja Herrgottnochmal, ein Parlament ist nun mal kein Ponyhof und keine Gruppen-Mediation. Wie sagt der Volksmund: Wer die Hitze nicht erträgt, hat in der Küche nichts verloren.

Dann die nächste Posse um einen lustlosen Finanzminister. Er, der schon früher mit seiner eigener Befindlichkeit sein Publikum brüskierte, findet jetzt, er möge in einer Abstimmungssendung nicht gegen einen Kollegen aus der eigenen Partei antreten. Als das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht auf seine Forderungen eingeht, spielt auch er beleidigte Leberwurst und sagt seinen Auftritt kurzerhand ab.

Bei allem Verständnis dafür, dass sie sich nicht alles bieten lassen wollen: Die neuerdings zur Schau gestellte Dünnhäutigkeit ist peinlich. Die Entscheidung, den Ratssaal zu verlassen, statt mit gekonnter pointierter Rhetorik witzig zu kontern und den Angreifer so zu demaskieren, war die falsche Wahl. Und sendet ein falsches Zeichen ins Land hinaus: Davonlaufen statt zu kämpfen? Den Schwanz einziehen statt zu kontern? Oder ist das vielleicht einfach die typische Reaktion einer wohl saturierten Gesellschaft wie der schweizerischen, die lieber klein beigibt und davon rennt, statt selbstbewusst aufzutreten? Wie wollen Magistraten das Land in internationalen Verhandlungen vertreten, wenn sie auf diese Weise auf Verhandlungsdruck reagieren?

Nicht weniger peinlich auch die Posse um den Finanzminister. Dutzendfach schon haben Mitglieder des Bundesrates in Abstimmungsdebatten gegen die eigenen Parteifreunde antreten müssen, und oft  verhelfen genau solche Konstellationen zu einer überdurchschnittlich sachlichen und damit  für das Publikum sachdienlichen Debatte. Der Versuch, die Medienschaffenden erpressen zu wollen, ist hingegen ein weiteres schlechtes Signal. Es zeigt, dass es auch diesem  Magistraten an politischem Fingerspitzengefühl fehlt. Und an der Einsicht, dass die politische Elite eine Verantwortung hat dafür, wie Kommunikationsprozesse in einer Gesellschaft ablaufen, was ok ist und was nicht.

Führen heisst letzten Endes immer Vorleben. Das ist anstrengend und verlangt, das höhere Ziel im Auge zu behalten und eigene Befindlichkeiten dahinter zurückzustellen.  Wenn ein Mitglied des Bundesrats nach Jahren im Amt die dafür notwendige mentale Energie nicht mehr aufbringt, ist das bei dem hohen Druck, der in solchen Positionen herrscht, nachvollziehbar. Es solle dann aber auch dringend der Moment sein, Platz zu machen für unverbrauchte Kräfte.

«watson» ist online

«watson» ist online

«Watson» heisst ein neues Schweizer Nachrichtenportal, das seit geraumer Zeit in der Schweizer Medienlandschaft viel zu reden gibt. Gründer Hansi Voigt hat dafür 50 Journalistinnen und Journalisten zusammengeprügelt, darunter etliche, die durchaus über einen Namen verfügen. Viele stammen von 20minuten online, wo Voigt früher selbst als Chefredaktor tätig war. 

Seit dem 21. Januar ist das neue Schweizer Newsportal watson nun online geschaltet. – Vorerst in einer Beta-Version. Watson-Gründer Hansi Voigt begründet das wie folgt: «Wenn man die Erwartungen eh nicht erfüllen kann, kann man auch einfach loslegen. Wir starten also. In einer Beta-Version. Sie können uns also ab sofort dabei zuschauen, wie wir Fehler machen, hoffentlich daraus lernen, unser Newsportal laufend verbessern und Ihre Inputs einbauen.»

Watson will sich als Portal verstehen, das auf Crowdsourcing setzt: also die Leserinnen und Leser, welche die Plattform mit Inhalten oder zumindest Ideen füllen. Danebst kann die Redaktion auf viele Artikel von Kooperationspartner Spiegel online zurückgreifen. Und verspricht, als erster Newsportal der Schweiz die Idee von HTML, also die Verlinkung und Weiterverweisung auf andere Quellen, konsequent umsetzen zu wollen.

Bezahlt wird das Projekt vom Verlagshaus des Aargauer Verlegers Peter Wanner (AARGAUER ZEITUNG, TELE M1, TELE ZÜRI), offiziell wird mit Kosten von 20 Millionen CHF «für die nächsten drei bis vier Jahre» gesprochen. Andere Stimmen rechnen vor, dass Wohl ein Betrag von CHF 10 Mio pro Jahr den Verhältnissen  eher gerecht werde.

www.watson.ch

Neue Inhalte oder «more of the same»? Am ersten Tag präsentiert Watson vor allem, was auch andernorts schon zu lesen ist.

Die Medienbranche beobachtet das Projekt auf jeden Fall mit grossem Interesse. Der Launch der neuen Internet-Seite von BLICK AM ABEND vor kurzem wurde von Ringier mehr oder weniger unverhohlen als vorgezogene Reaktion auf WATSON verkauft. Aber auch 20min.ch dürfte das neue Newsportal direkt angreifen. Zwei Fragen bleiben dabei zentral: Gelingt es WATSON tatsächlich, sich unter den Top 3 der Schweizer Newsportale zu etablieren, wie das Voigt vorschwebt? Und zum zweiten: Kann WATSON auch inhaltlich Akzente setzen, oder bietet die Plattform vor allem «more of the same»?

Falscher Absender

Falscher Absender

«Die Gier in Grenoble» titelt TAGES-ANZEIGER-Sportchef Fredy Wettstein und weint  Krokodilstränen. Wettstein ist zuwider, wie Medienschaffende das Spital in Grenoble belagern, um an Neuigkeiten zum Gesundheitszustand von Michael Schumacher zu erhalten. Payen, dem behandelnden Arzt, sei diese mediale Aufmerksamkeit zuwider. Schliesslich tue er im Falle Schumacher nichts anderes als bei den 250 anderen, die nach Sportunfällen jährlich in die Klinik eingewiesen werden. Wettstein hat viel Verständnis für den Zorn des Arztes darüber, dass man ihn nicht einfach seine Arbeit tun lässt.

Man mag mit Wettstein in der Sache übereinstimmen und durchaus Sympathien haben für die Sicht, wie pervers eine Mediengesellschaft geworden ist, die mit täglichen Live-Schaltungen des Todeskampf eines ehemaligen Spitzensportlers zum Massenereignis werden lässt.

Wenn der Sportchef des TAGES-ANZEIGERS das bedauert, ist es allerdings nichts mehr als plumpe Scheinheiligkeit. Demaskiert noch auf derselben Homepage, auf der er die eigene Branche kritisiert. Sie verlinkt nämlich direkt auf nicht weniger als 10! (in Zahlen: zehn) Geschichten des TAGES-ANZEIGERS selbst in der eben erwähnten Sache. Wettsteins kritische Note ist damit etwa so glaubwürdig wie der Hinweis des rauchenden Vaters an seine Kinder, sie sollen gefälligst die Hände von Zigaretten lassen.

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Scheinheilig: Tages-Anzeiger Sportchef kritisiert die mediale Gier nach News über den Gesundheitszustand Schumachers. Und macht im eigenen Blatt den ganzen Medienzirkus 1:1 mit.

SRF: Aufwändige Eigenproduktion zur Schweizer Geschichte

SRF: Aufwändige Eigenproduktion zur Schweizer Geschichte

Die SRG SSR IDEE SUISSE lanciert im November in allen ihren Programmen einen Themenschwerpunkt zur Geschichte und zu den Zukunftsperspektiven der Schweiz. Kernstück des Angebots seien vier Filme über ausgewählte Schweizer Persönlichkeiten, teilt die SRG heute mit.

«Die Schweizer» nennt sich das Format und portraitiert in vier Episoden Schweizer, die mit ihrem Wirken «Wendepunkte» in der Schweizer Geschichte markierten: Werner Stauffacher, Hans Waldmann und Niklaus von Flüe, Henri Dufour sowie Alfred Escher und Stefano Fascini. Dabei soll insbesondere den Mythen und Sagen der Schweizer Geschichte nachgespürt werden, erläuterte SRG-Generaldirektor De Weck in einem PR-Beitrag in eigener Sache, der in der Sendung 10VOR10 ausgestrahlt wurde.

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