Es ist ein Muster jeder Ereignis- oder Krisenkommunkation:  Kaum ist ein Ereignis passiert, rufen bewegte und betroffene Politiker nach Massnahmen. Auch wenn die völliger Unsinn sind. 

Das jüngste Beispiel: Die Unfälle auf zwei Berner Bahnhöfen, die sich, wohl zufällig, in kurzer Zeit folgten.  Am Sonntagabend des 15. Dezember rangeln zwei Schwestern im eigentlich nicht mehr pubertären Alter von 32 und 33 Jahren auf einem Perron des Bahnhofs Bern-Wankdorf. Der durchfahrende Intercity Zug erfasst sie, beide kommen um. Für jeden, der die Berichterstattung liest, ist klar: Wer sich so verhält, darf sich nicht wundern.

Nur einen Tag später eine ähnliche Nachricht: ein junges Paar versucht im Bahnhof Bern-Bümpliz, die Geleise zu überqueren. Die Bildberichterstattung in 20min.ch zeigt klar: Das Schild «Überschreiten der Geleise verboten» ist auch in diesem Bahnhof wie auf allen deutlich sichtbar und in vier Sprachen angebracht.» Für jeden, der die Berichterstattung liest, ist klar: Wer sich so verhält, darf sich nicht.

Trotzdem geschieht, was immer geschieht nach solch’ tragischen Vorfällen: Es lassen sich Politiker finden, die nicht zu blöd sind, nach Massnahmen zu rufen. Vorliegend sind es, so wiederum 20min.ch , die SP-Nationalrätin Bea Heim sowie der Berner BDP-Stadtrat Philip Kohli, die ebenso laut wie unqualifiziert nach «Massnahmen» rufen und damit drohen, sonst der SBB über politische Vorstösse Druck zu machen.

Für jeden, der die Berichterstattung liest, ist klar: Hier wollen sich zwei Politiker, die offenbar keine wirklich relevanten Themen zu bewirtschaften haben, auf ganz plumpe Art und Weise profilieren – und das noch auf Kosten der Allgemeinheit. Schliesslich kostet jeder politische Vorstoss viel Geld, und viel zu oft werden von Krisenstäben allein deshalb Massnahmen gesetzt, um dem Vorwurf der Untätigkeit zu entgehen. Ob die Massnahmen auch nötig, zielführend oder effizient sind, wird von den Medien genau so wenig kritisch hinterfragt wie die unsinnigen Politiker-Aussagen selbst.

Wie ist dem zu begegnen? Es hängt vom Temperament des Krisenstabs ab: Nicht auf jede unsinnige Forderung einzugehen, erfordert heutzutage einiges an Mut und die Fähigkeit, auch im Gegenwind zu erläutern, warum eine bewährte Praxis nicht wegen einem oder zwei auch noch so tragischen Fällen geändert werden soll und muss. Das lässt sich nämlich durchaus argumentativ vertreten – wenn man damit leben kann, dass eine pointierte Stellungnahme immer auch etwas Widerspruch provoziert. Wer diesen Widerstand nicht aushalten mag, schwimmt besser im Strom und erfüllt brav die Forderungen. Sollte sich dann aber auch mit der Frage auseinandersetzen, ob er in seiner Funktion tatsächlich richtig ist?!