Überzeugend – auch ohne Powerpoint

Literatur

Stadlbauer, Alfons:

Flipcharts for Business. Professionelles Viusalisieren für Besprechungen, Präsentationen und Moderationen.

ISBN-10: 3-85499-402-8. Trauner Verlag, 2008. CHF 58.40.

Stadlbauers Buch gibt viele ganz konkrete Anleitungen, wie Flipcharts visualisiert werden können und bildet viele Vorlagen ab. Im zeiten Teil gibt er zudem Tipps, wie Besprechungen, Präsentationen oder Moderationen ganz konkret mit dem Hilfsmittel Flipchart durchgeführt werden können.

 

Weidenmann, Bernd:

100 Tipps & Tricks für Pinnwand und Flipchart.

ISBN-10:3-407-36457-1. 4. Auflage, Beltz, 2008. CHF 34.50

Weidenmann liefert auf rund 100 Seiten eine sehr gute Einführung in die Materie. Das Buch besteht einerseits aus Tipps, wie mit Hilfe von Pinnwand und Flipcharts präsentiert werden soll. Dazu zeigt Weidenmann, wie mit wenig Aufwand und Bastelarbeit allerlei zusätzliche methodische Kniffe angewendet werden können.

Es muss nicht immer Powerpoint sein

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Wenn in einer Präsentation Interaktivität gefragt ist, sind Flipchart und Pinnwand oft die besseren Mittel. Gut gemachte Flipchart-Blätter können dabei genau so professionell wirken wie eine ausgefeilte Computer-Präsentation.

Pinnwand und Flipchart zeichnen sich durch einige Gemeinsamkeiten aus: Beide Methoden eigenen sich gut, um Beiträge aus dem Kreis der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufnehmen zu können. Wenn die einzelnen Beiträge gruppiert und vielleicht später umgruppiert werden sollen, empfiehlt es sich eher die Pinnwand.

Für beide Instrumente gilt aber das Gebot: Bilder sagen mehr als Worte. Es gilt deshalb dasselbe wie für die Powerpoint-Präsentationen: Lassen Sie Bilder – hier: Cartoons, Strichmännchen, Symbole, sprechen. Statt Textwüsten.

 

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1. Handschrift

Vielleicht haben Sie Respekt davor, handschriftlich Pinnwände oder Flipcharts zu beschreiben? Sie halten Ihre Handschrift nicht für schmuck genug? – Tatsächlich macht eine unleserliche Schrift einen zwiespältigen Eindruck. Und das ist nicht, was Sie wollen. Dazu gibt es zwei Möglichkeit: Zum einen kann die klassische Flipchart-Schrift als Computer-Font gekauft werden – oder Sie verwenden eine eigene Computerschrift. Das macht dann Sinn, wenn Sie selbst während dem Seminar kaum schreiben wollen.

Die andere Möglichkeit: Sie üben die Schrift mit einem passenden Schreibgerät so lange, bis Sie sie beherrschen. Das ist übrigens weit weniger aufwändig, als Sie vielleicht denken. Entscheidend dabei ist das richtige Schreibgerät: Es sollte eine  rechteckige Auflagefläche haben (keine quadratische und auch keine runde). Halten Sie den Marker so, dass die schmale Kante zu Ihrem Daumen hin zeigt. Wenn Sie also ein grosses «I» schreiben, hat das einen dicken Strich. Die Grössenverhältnisse sind ebenfalls wichtig: Die Kleinbuchstaben sollten etwa zwei Drittel so gross sein wie die Grossbuchstaben; das macht sie besser lesbar. Ungeübte schreiben oft nur auf der schmalen Kante: Dadurch entstehen dünne Buchstaben, die einerseits weniger kraftvoll und überzeugend wirken und andererseits – gerade aus etwas Distanz – deutlich weniger gut lesbar sind.

Viele professionelle Trainer schwören übrigens auf Ihre eigenen Schreibgeräte und gehen an kein Seminar ohne ihr eigenes Material. – Die Erfahrung lehrt, dass auch Seminarhotels häufig halb vertrocknete Marker auflegen oder solche, die einen viel zu dünnen Strich haben.

 

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2. Grafiken selbst gezeichnet

Freihand-Zeichnen ist nicht jedermanns Sache. Das muss dennoch niemanden abhalten: Der Trick ist eigentlich ganz einfach: Heften Sie die Flipchart-Bögen an die Wand, dann projezieren Sie entweder über einen Beamer oder einen Hellraumprojektor Ihr Grafikmotiv – und zeichnen nur noch ab. Die dreistere Variante: Sie zeichnen nur mit feinem Bleistiftstrich vor und malen dann während der Präsentation mit den dicken Filzmarkern die definitive Variante an. – Ihr Publikum wird die Vorarbeit nicht bemerken und Sie für einen Künstler – eine Künstlerin halten!

Das Zeichnen vor Publikum hat übrigens eine positive lernpsychologische Komponente: Weil durch das Zeichen eine Aktion stattfindet, erhöht sich die Aufmerksamkeit Ihrer Zuhörerinnen und Zuhörer. Und dadurch wiederum wächst die Chance, dass sie sich an das Gesagte erinnern.

Dazu gibt es auf dem Markt verschiedene Vorlagenbücher mit Motiven, die Sie sich einfach merken können. Diese Vorlagen reichen von verschiedenen Typen von Strichmännchen bis zu komplexeren Metaphern. In der Literatur finden Sie verschiedene Werke, die auf einfach Art und mit schrittweisen Erklärungen aufzeigen, wie Sie selbst zum Zeichenprofi werden.

 

3. Farbpsychologie

Die Theorien, dass gewisse Farben bei Menschen spezifische Gefühle auslösen, sind sehr umstritten. In der Literatur finden sich dazu verschiedene Aussagen.  Generelle Aussagen, wie etwas, dass «Rot» für Gefahr oder «Grün» für Chancen stünde, sind in der Praxis kaum haltbar. Immerhin können aber mit Farben Strukturen geschaffen werden, alleine dadurch, dass bestimmte Elemente einer Veranstaltung immer dieselbe Karte erhalten: Alle Einwände beispielsweise werden auf rote Karten geschrieben und angepinnt. Alle rein informativen Karten werden dafür auf blauen Hintergrund geschrieben.

Entscheidend ist der Kontrast: Blaue Schrift auf blauem Hintergrund ist einfach schlecht zu lesen. – Und falls Sie jetzt schmunzeln: Das ist kein erfundenes Beispiel. Aber auch Schwarz auf Blau ist schlecht lesbar, es sei denn, Sie verwenden ein sehr helles Blau. Gelegentlich werden Sie hören, man sollte auf bestimmte Farben ganz verzichten, beispielsweise auf Rot, weil die Farbe schlecht zu lesen sei. Wir können dem nicht beipflichten: Menschen mit normalen Sehstärken sind unserer Erfahrung nach sehr wohl in der Lage, auch aus Distanz rot angeschriebene Wörter lesen zu können – zumindest auf weissem Untergrund, und wenn Sie mit einem dicken Marker geschrieben sind.

 

Pinnwand

 

4. Ein Storyboard braucht’s auch hier…

Eine gute Flipchart-oder Pinnwand-Präsentation besteht aus vorbereiteten Elementen genau so wie aus Papierbögen, die erst zusammen mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern beschrieben werden. Profis auf diesen Arbeitsinstrumenten kommen also niemals unvorbereitet an einen Seminarort oder an eine Präsentation, sondern bringen teilweise vorweg beschriftete Flipcharts mit. Beim Einsatz von Pinnwänden können die Karten mit den Titeln bereits im Vorfeld vorbereitet werden.

Wenn Sie zwei Flipcharts zur Verfügung haben, kann es hilfreich sein, auf dem einen die vorbereiteten Blätter zu haben und auf dem anderen Flipchart während der Präsentation zu schreiben.

Wichtig ist auch der Raum selbst: Vielleicht möchten Sie einige der Flipcharts ständig im Sichtfeld belassen. Dafür braucht es aber entsprechende Wandflächen. Ein einfacher Trick, um die Flipcharts an die Wände zu kleben: Bilden Sie Kringel aus Krepp-Klebeband (nur dieses lässt sich rückstandslos wieder entfernen) und kleben Sie die Kringel auf die Hinterseite eines Flipchartblattes.

 

5. Das Material

Pinnwand- und Flipchart sind in der Regel weniger pannenanfällig als die Kombination aus Laptop und Beamer. Aber auch hier gilt: Nur das beste Material ist gut genug für Ihren Erfolg. Beginnen wir beim Papier: Flipchart-Papier sollte feine Quadrate aufgedruckt haben, die helfen, gerade Linien zu schreiben und die Buchstaben immer gleich gross zu halten. Die Quadrate helfen auch, bei Aufzählungen die Fläche gleichmässig aufzuteilen. Achten Sie auch darauf, dass das Flipchart-Papier am oberen Rand perforiert ist; nur so können Sie die einzelnen Blätter sauber abreissen.

Als Schreibgeräte empfehlen sich spezialisierte Marker für den Einsatz auf Flipcharts und Pinnwänden. Diese können mit Wachsmalkreiden ergänzt werden, mit denen Sie Ihre Grafiken hübsch colorieren können.

Pinnwände werden oft mit Packpapier bespannt, damit Überschriften oder Grafiken direkt auf die Pinnwandfläche geschrieben / gezeichnet werden können.

 

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Weiterführende Links

www.flipchartgestaltung.at

Die Internetseite von Alfons Stadlbauer zeigt einige seiner Arbeitsbeispiele und gibt eine Übersicht über die Aus- und Weiterbildungs- Veranstaltungen, die er anbietet.

www.neuland.ch/

Neuland ist der führende Anbieter auf dem Gebiet der Flipchart- & Pinnwand-Methodik. Hier gibt es alles, vom Moderatorenkoffer über Papier und Schreibgerät bis zu Flipchart-Trägern und tragbaren Pinnwänden.