An einer Medienkonferenz auftreten

Die 10 wichtigsten Tipps und Hinweise für Ihren Auftritt an Medienkonferenz in Krisensituationen

  1. Überlegen Sie eine Botschaft. Sie ist Ihre Rettungsinsel, wenn Sie eine Frage nicht beantworten können oder dürfen oder wollen. Und seien Sie sich bewusst: Gerade in Krisensituationen gibt es eine Menge von Fragen, die Sie (noch) nicht beantworten können oder dürfen.
    – Für mich die oberste Priorität hat zur Zeit…
    – In erster Linie geht es mir jetzt darum…
    – Wichtiger in meiner Position ist…
  2. Beenden Sie jede Antwort mit der Botschaft. Wenn eine Journalistenfrage hypothetisch ist oder aufgrund der Untersuchung (die in der Regel durch die offiziell dafür zuständigen Untersuchungsorgane geführt wird) noch nicht beantwortet werden kann, erklären Sie das, schlagen dann aber eine Brücke zu Ihrer Botschaft. Wenn Sie Ihre Antwort aber mit einer Formulierung beenden wie „Dazu kann ich nichts sagen“ laden Sie die Medienschaffenden geradezu ein, dort weiter nachzufragen.
  3. Insbesondere in einer Krisensituation sind keine druckreifen Sätze gefragt. Das Publikum darf spüren, dass Ihnen das Ereignis nahe geht und Sie emotional aufgewühlt sind. Je nach Rolle haben die Menschen aber unterschiedliche Ansprüche: Von einem Untersuchungsrichter oder Polizeioffizier wird z.B. erwartet, dass er in der Lage ist, sachlich zu bleiben und nicht von seinen Gefühlen übermannt zu werden. Machen Sie sich bewusst, welche Ansprüche die Öffentlichkeit an ihre soziale Rolle hat.
  4. Antizipieren Sie kritische Fragen, die an Sie herangetragen werden könnten. Und bereiten Sie im Vorfeld schon vor, wie Sie von diesen kritischen Fragen auf Ihre Botschaft zurückführen. Je umfangreicher und besser diese «Nasty Questions List», umso weniger kann Ihnen passieren während der Medienkonferenz. Arbeiten Sie mit Ihren Kommunikationsprofis zusammen, die darin geschult sind, die potentiellen kritischen Fragen schon im Vorfeld zu erkennen.
  5. Kommentieren Sie keine Hypothesen oder Gerüchte. Warum? Die Medien machen daraus Realitäten, indem Sie das Fragezeichen, das Sie noch gesetzt haben, weglassen. Und auch wenn Sie es nicht tun: Die Aussage, sie klärten ab, «ob der Fahrer möglicherweise betrunken war», wird beim Publikum ankommen als: «Der Fahrer wahr wohl betrunken.» Benennen Sie dafür die Frage als «hypothetisch», erklären Sie, dass Sie deshalb nicht darauf eingehen können und überbrücken Sie zu Ihrer Botschaft.
  6. Zeigen Sie ehrliches und aufrichtiges Mitgefühl. Damit ziehen Sie den «bissigen Hunden» unter den Journalisten einen Teil ihrer Zähne. In einem Umfeld, im dem getrauert und der Opfer gedacht wird, wäre es pietätlos, (zu) aggressive Fragen zu stellen. Vielen hilft es, den Schadensplatz selbst zu besuchen oder mit Angehörigen zu sprechen, um in der richtigen emotionalen Verfassung zu sein.
  7. Falls an der Medienkonferenz auch andere Personen sprechen oder zum gleichen Thema vor oder nach Ihnen andere Medienkonferenzen stattfinden: Klären Sie, wer über welche Themenaspekte spricht. Sprechen Sie ausschliesslich über Themen, die in Ihren Kompetenzbereich fallen. Sprechen Sie sich mit der Moderation ab, wie Sie mit Fragen umgehen, für die Sie die falsche Ansprechperson sind: Vermittelt das die Moderation? Oder weisen Sie an die tatsächlich dafür Zuständigen weiter?
  8. Medienschaffende wollen im Anschluss an eine Medienkonferenz oft noch Einzelinterviews. Rechnen Sie die Zeit dafür ein. Falls Sie aufgrund ihrer Prioritäten keine Möglichkeit für Einzelinterviews haben, sprechen Sie (bzw. die Moderation) das zu Beginn der Medienkonferenz proaktiv an. Je nach Medieninteresse kann es nötig sein, Vorkehrungen zu treffen, damit Sie im Anschluss tatsächlich weg kommen und nicht «belagert» werden. Z.B. durch einen zweiten Ein/Ausgang.
  9. Genau so wichtig wie das WAS ist das WIE der Kommunikation. Überlegen Sie, welcher Dressecode von jemandem in Ihrer sozialen Rolle erwartet wird und welches Outfit zu Ihrer Botschaft und den Umständen des Ereignisses passend ist.
  10. Vorsicht bei Schuldeingeständnissen oder Entschuldigungen. Solche sind manchmal angebracht und auch wichtig, manchmal aufgrund des juristischen Rahmens gefährlich. Wir empfehlen immer, mit den Juristen die Schadensrisiken abzuschätzen: Sowohl den eines Imageschadens aufgrund einer nicht erfolgten Entschuldigung gegenüber den juristischen Risiken von zusätzlichen Haftungsansprüchen, die durch eine Entschuldigung ausgelöst werden könnten.